Umsetzung von europäischer Richtlinie im Oberen Edertal

Ederufer wird nicht mehr befestigt

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Sie machen sich Sorgen über die ausbleibende Uferbefestigung, (v.r.) Landwirt Gerhard Hofmann, Ortsvorsteher Erich Clemens, Ortslandwirt Erich Krafthöfer und Ortsbeiratsmitglied Erwin Schäfer, der als Naturfreund auch die Vorteile sieht, wenn sich die Ederaue verändern wird. Foto: Willi Arnold

Allendorf (Eder) - Welche Folgen hat die europäische Wasserrahmenrichtlinie für das Obere Edertal? Darüber informierten Fachleute im Allendorfer Bürgerhaus. Naturschützer hoffen, durch die Vorgaben Flora und Fauna erhalten zu können.

Das Land Hessen will die Wasserrahmenrichtlinie umsetzen und die Anliegerkommunen dabei mit Beratung und Geld unterstützen. Allendorf, Battenberg, Bromskirchen und Hatzfeld hatten die Beratung in Anspruch genommen. Thomas Schmidt vom Kasseler Ingenieurbüro WAGU hat die Ergebnisse vorgestellt. Seine Mitarbeiter hatten seit Frühjahr 2013 alle Wasserläufe der Eder und ihrer Nebenbäche untersucht. Die obere Eder sei „eines der wertvollsten Gewässersysteme Hessens“, stellte er fest.

Problematisch ist noch die mangelnde Durchgängigkeit, die beispielsweise einigen Tieren das Wandern erschwert. Begradigte und befestigte Flussläufe bereiten ebenfalls Sorge. An der Eder müsse die Durchgängigkeit noch an zwei Stauanlagen verbessert werden, größeren Handlungsbedarf sieht er an Nebenläufen.

Unter anderem sollen Uferrandstreifen ausgewiesen werden, damit die Bäche sich ihr natürliches Bett suchen können. Kiesbänke sollen nicht mehr entfernt, angerissene Ufer nicht mehr neu befestigt werden. Rudolf Stolz und Werner Koch aus Battenfeld machten sich Sorgen wegen der Hochwassergefahr, wenn die Kiesbänke nicht aus der Eder entfernt würden. Das bereitet laut Thomas Schmidt keine Probleme: „Ein richtiges Hochwasser und der Kies ist weg.“ Der Kies werde nur noch durch unterschiedliche Wasserdynamik bewegt, ergänzte Martin Marburger von der Oberen Wasserbehörde.

Albert Kreil von der Wasserbehörde empfahl den Kommunen, jetzt mit den Maßnahmen zu beginnen. Das Geld sei vorhanden. Für die Umsetzung zahlt das Land 85 Prozent, Projekte aus den FFH-Richtlinien werden sogar zu 100 Prozent bezuschusst.

Die Rennertehäuser Landwirte haben Bedenken gegen die Umstetzung der Richtlinie geäußert. Ortslandwirt Erich Krafthöfer ist stolz, dass die Wiesen in der Ederaue noch landwirtschaftlich genutzt werden. Er fürchtet, dass dies nicht mehr möglich sein könnte, wenn die Wasserrahmenrichtlinie umgesetzt wird. Seit zwei Jahren verbreitert die Eder bei Rennertehausen ihr Bett, weil die Uferbefestigungen marode sind.

Krafthöfer und Ortsvorsteher Erich Clemens zeigen Unverständnis darüber, dass die Randstreifen nicht erneuert werden. „Früher war ein Uferwärter beschäftigt, der Hochwasserschäden kontrollierte und reparierte“, sagte Krafthöfer. „Später hat die Gemeinde auf unser Anraten hin die Ufer repariert.“

Das wird zukünftig aber nicht mehr geschehen. „Wenn das Ufer abreißt, dann fällt dies dem Fluss zu und es erfolgt keine Befestigung mehr, es sei denn, eine Straße ist gefährdet“, sagte Albert Kreil von der Oberen Wasserbehörde bei der Informationsveranstaltung. Er betonte aber auch, dass es keine Konfrontation zwischen den Landwirten und dem Naturschutz geben solle. Deshalb werde über den Ankauf oder den Tausch von Flächen nachgedacht. Damit bekomme die Eder die Chance, durch das Anlegen eines breiten Flussdeltas mit Kiesbänken weiteren Lebensraum für seltene Pflanzen und Tierarten zu schaffen. (wi)

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