Ehemaliger Hugenottenort Wiesenfeld nimmt Flüchtlinge gastlich auf

Orientalische Gastfreundschaft: Am meisten freuen sich nach ihrer schweren Flucht die syrischen Familien, wenn sie von Nachbarinnen Besuch bekommen. Ein Arbeitskreis kümmert sich in Wiesenfeld um die Asylbewerber. Foto: zve

Wiesenfeld. Die Vorfahren waren einst selbst Flüchtlinge. Nun beteiligt sich Wiesenfeld an der Betreuung und Integration von Flüchtlingsfamilien.

Auch in Burgwalds kleinstem Ortsteil Wiesenfeld hat sich ein Arbeitskreis gebildet, der sich in engem Kontakt mit dem bereits organisierten gemeindlichen Netzwerk an der Betreuung und Integration von Flüchtlingsfamilien beteiligen will.

„Wir sind ein von Flüchtlingen gegründetes Dorf, die sowohl 1721 wie auch 1946 erleben mussten, was es heißt, an fremde Türen zu klopfen und nicht willkommen zu sein“, hieß es in der Gründungsversammlung im Hugenottenstübchen. „Deshalb wollen wir diesmal eine andere Willkommenskultur praktizieren!“

Bei der Gründung des Flüchtlings-Arbeitskreises, zu der Ortsvorsteher Günter Beck eingeladen hatte, zeichneten sich auf Anhieb 30 Personen als Helfer ein, mehr als zehn Prozent der Gesamtbevölkerung des Dorfes. Bürgermeister Lothar Koch wies bei dem Treffen auf die bereits guten Erfahrungen in den anderen Ortsteilen hin und bot die Hilfe der Gemeinde an.

Wenige Tage später zogen in ein leer stehendes ehemaliges Wiesenfelder Bauernhaus zwei syrische Familien mit drei kleinen Kindern sowie zwei verwandte junge Männer ein. Sie fanden nach schweren Monaten der Flucht aus Kriegsgebieten um Damaskus und Aleppo, teilweise unter Lebensgefahr mit Kindern und 60 Personen in einem Schlauchboot über das Mittelmeer, nun in Wiesenfeld ein neues Zuhause.

„Wir sind glücklich in diesem Ort und wir sind dankbar, dass uns die Menschen in Wiesenfeld so freundlich aufgenommen haben“, erklärte der 28-jährige Khamri.

Man organisierte für die neun Asylsuchenden erste Einkäufe, Behörden- und Arztbesuche, ein 15-Jähriger wurde in der Frankenberger Ortenbergschule angemeldet. Nachbarinnen, viele von ihnen selbst Mütter von kleinen Kindern, fanden schnell Kontakt, halfen mit Kleidung und Spielzeug, erlebten dabei selbst herzliche Gastfreundlichkeit. Ein Orientalistik-Student aus Ernsthausen, der Arabisch spricht, sorgt zusammen mit Lehrerinnen im Dorf für einen ersten Sprachkurs, der den syrischen Migranten in den wichtigsten Alltagssituationen die nötige deutsche Sprachpraxis vermitteln soll.

Der Unterricht für die außerordentlich motivierten Mütter und Väter findet am Küchentisch statt, während im Wohnzimmer andere Nachbarinnen die Kleinkinder betreuen.

In der Gemeindeverwaltung von Burgwald, die auf ihrer Homepage auch alle praktischen Hinweise zur Flüchtlingshilfe für interessierte Bürger bereit hält, ist Bürgermeister Lothar Koch sehr zufrieden „mit der Hilfsbereitschaft und dem herzlichen Engagement der Wiesenfelder gegenüber den beiden Flüchtlingsfamilien“, wie er auf Anfrage der HNA erklärte. „Das ist gelebte Integration, die beispielhaft ist.“ (zve) www.gemeinde-burgwald.de

Quelle: HNA

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