Auszubildende gewinnen Wettbewerb

Eigene Fabrik für Viessmann-Lehrlinge

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Über den ersten Preis im Wettbewerb „Meine Zukunft“ des Arbeitgeberverbands Hessen-Metall freuen sich die Viessmann-Auszubildenden (vorne von links) Selina Stumpe, Jana Engelmohr, Jan Rechenbach und Thorben Heß; Dahinter von links Ausbildungsleiter Georg

Allendorf (Eder) - Am Anfang war die Idee, mehr über die anderen Berufe im Unternehmen kennenzulernen. Daraus haben vier junge Leute die "Viessmann-Lernfabrik" entwickelt. Damit haben sie nicht nur den ersten Preis beim Wettbewerb "Meine Zukunft" gewonnen, sondern auch die Ausbildung bei Viessmann verändert.

Die Auszubildenden Jana Engelmohr (Industriekauffrau), Jan Rechenbach (technischer Produktdesigner), Thorben Heß (Werkzeugmechaniker) und Selina Stumpe (Groß- und Einzelhandelskauffrau) haben sich seit September auf den Wettbewerb vorbereitet.

Der Arbeitgeberverband „Hessen-Metall“ hatte Lehrlinge aufgerufen, an „Meine Zukunft“ teilzunehmen. Bei „Meine Zukunft“ geht es um Konzepte und Ideen rund um den eigenen Arbeitsplatz: Das Viessmann-Team gewann in der Kategorie „Administration und Personalmanagement“ mit ihrer „Lernfabrik“, die sie „Total Flow Factory“ getauft haben. In dieser Fabrik speziell für Azubis sollen die Lehrlinge den kompletten Produktionsablauf von einer Kundenbestellung bis hin zur Auslieferung nicht nur hautnah miterleben, sondern selbstverantwortlich organisieren.

Die vier jungen Viessmann-Mitarbeiter, die alle im zweiten Ausbildungsjahr sind, wollen mehr von ihren Kollegen und deren Arbeit erfahren. „Wir haben sehr schnell gemerkt, dass wir wenig von den anderen wissen“, sagt Selina Stumpe. „Jeder ist in seinem Fachbereich eingesetzt. Wir wollen die technische und die kaufmännische Ausbildung verzahnen und die Prozesse im Unternehmen kennenlernen.“ Ausbilder Martin Hirsch betreute die Gruppe: „Die Idee wurde relativ schnell konkret“, sagt er.

Viele Treffen folgten: „Jede Woche mindestens einmal“, sagt Selina Stumpe. Weil alle vier an unterschiedlichen Tagen die Berufsschule besuchen, blieb nur der Montag für Zusammenkünfte. Zweimal - im Halbfinale und im Finale - mussten sie das Projekt vorstellen. „Das haben sie jedes Mal bravourös gemeistert“, lobt Martin Hirsch.

Mit ihrer Idee stießen die Auszubildenden auf offene Ohren. „Das Thema ist sehr aktuell“, sagt Ausbildungsleiter Georg Glade. Zwar habe es schon in der Vergangenheit fachübergreifende Seminare gegeben. Künftig soll diese Zusammenarbeit forciert werden. Voraussichtlich Ende des Jahres werde die „Lernfabrik“ umgesetzt. „Das ist Neuland“, betont Georg Glade. Darin sollen die Lehrlinge möglichst selbstständig Produkte entwickeln, produzieren und auch Führungsaufgaben übernehmen.

Für die Auszubildenden soll die „Lernfabrik“ eine Station während der Lehrzeit werden. Jana Engelmohr, Jan Rechenbach, Thorben Heß und Selina Stumpe gehören nach ihrem Gewinn des ersten Preises zu der Arbeitsgruppe, die die „Lernfabrik“ entwickelt. Das ist für die Lehrlinge fast wichtiger als der erste Preis: „Das Spannende kommt ja erst“, sagt Jana Engelmohr.

Von der Jury gab es großes Lob: „Bisher noch nicht da gewesen ist die ganzheitliche Zusammenführung aller technischen und kaufmännischen Ausbildungsberufe in eine einheitliche synchronisierte Lernfabrik.“ Es sei ein „Lehrmodell, das alle Beteiligten zu einer ganzheitlichen Sicht auf die komplette Wertschöpfungskette anhält. So wird gewährleistet, dass jeder Einzelne immer den gesamten Prozess im Auge hat“.

Für die Firma Viessmann war es der zweite Sieg beim Wettbewerb „Meine Zukunft“ nach 2009. Vorgänger des Wettbewerbs waren die „Team-Mach-Werke“, bei denen Azubis etwas bauen mussten.

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