Die Rosenthaler waren erstmals wieder in ihrer alten Fachwerkschule zu Gast

Eigene Kindheit im Blick

Lebendiges Kulturdenkmal: Viel Dank, Anerkennung und Glückwünsche gab es für Dr. Carola Schneider (links), ihren Ehemann Walter Bornscheuer (2. von rechts) und die frühere Besitzerin des alten Schulhauses, Anneliese Röder (rechts) für die gelungene Sanierung von Rosenthals Ortsvorsteher Otfried Vaupel und Bürgermeister Hans Waßmuth, der einen Rosenstrauß überreichte. Fotos: Völker

Rosenthal. „Das ist doch der kleine Harald!“ oder „Guck mal, mein Vater!“ Mit einer Mischung aus Rührung und Vergnügen schauten sich die Rosenthaler die Schulbilder aus sieben Jahrzehnten an. Erinnerungen an die eigene Kindheit wurden wach, als sie am Wochenende zum ersten Mal wieder den Schulsaal, in dem von 1831 bis 1969 Rosenthaler Kinder unterrichtet worden waren, betraten. Dr. Carola Schneider und ihr Ehemann Walter Bornscheuer hatten zu einem Tag der offenen Schultür in ihrem renovierten Haus eingeladen.

„Wir waren 50 Kinder in der Klasse“, erzählte Ortsvorsteher Otfried Vaupel in seinem Grußwort. Und mit Blick auf den alten Kanonenofen: „Wir haben immer tüchtig eingeheizt!“ Er dankte Anneliese Röder (Frankenberg), die mit ihrer Familie vor 30 Jahren das älteste Schulgebäude des Städtchens gekauft, saniert und damit als Kulturdenkmal gerettet hatte. Sie gehörte neben vielen Rosenthaler Nachbarn und Freunden zu den Ehrengästen des Tages.

Einen großen Rosenstrauß hatte Bürgermeister Hans Waßmuth mitgebracht. Er dankte im Namen der Rosenthaler, dass dank der Tatkraft und des kulturellen Engagements des Ehepaars Schneider-Bornscheuer „dieses Gebäude nun für die Nachwelt erhalten bleibt.“ Vor drei Jahren hatten die beiden die Fachwerkschule erworben und saniert (HNA berichtete).

„Es war Liebe auf den ersten Blick“, lachte Kunsthistorikerin Dr. Carola Schneider, als sie von ihrer Ankunft an dem alten Schulhaus erzählte. Von Anfang an habe sie sich von dem Geist, der in dem Haus herrschte, angesprochen gefühlt und inzwischen viele Geschichten, Anekdoten und Bilder gesammelt. Sie erzählte von Lehrer Heinrich Möller, der bei Schulschluss mittags immer noch lange Zusammenfassungen zu machen pflegte, während seine Frau oben die Suppe fertig hatte und ihn immer wieder rief.

Ganz besonders authentisches Material an Bildern und Schülerarbeiten aus den 1960er Jahren stellte die ehemalige Rosenthaler Lehrerin Erika Klotz dem Besitzerpaar zur Verfügung. Sie hat damals hervorragende Fotos angefertigt, außerdem Kinderzeichnungen und Arbeiten ihrer Schüler aufbewahrt. Obwohl in beiden Klassenräumen jeweils zwei Klassen mit 50 Kindern unterrichtet werden mussten, fand die heute 73-Jährige: „Es war eine sehr schöne Zeit!“

Die Rosenthaler Bürger ergriffen von dem nun für öffentliche Kultur- und Ausstellungsveranstaltungen bestimmten Raum mit großer Herzlichkeit Besitz, drückten wieder die kleinen Stühle und engen Bänke, probierten Griffel und Schiefertafel aus. Auch die übrigen Räume wurden inspiziert, die runde Klappe vor dem Guckloch am Lehrerklo vorsichtig zur Seite geschoben. Dann gab es auf dem Schulhof Kaffee und Kuchen sowie kleine herzhafte Pausenbrote mit Holundersekt.

Von Karl-Hermann Völker

Quelle: HNA

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