Urkunden für Industriemeister

"Ein Beitrag zur Zukunft der Industrie"

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Die jungen Industriemeister mit Vertretern aus Politik, Industrie und Wirtschaft. Julian Hallenberger (Zweite Reihe, Dritter von rechts) hat die beste Prüfung abgelegt. Seit mehr als 60 Jahren werden in Frankenberg Industriemeister ausgebildet. Ein Jubiläum feierte am Freitag Sigrid Sommer (Vorletzte Reihe, rechts): Sie hatte die Prüfung vor 25 Jahren bestanden.Foto: Mark Adel

Frankenberg - Drei Jahre lang haben die Männer neben dem normalen Job die Schulbank in Frankenberg gedrückt. Das hat ein Ende: Seit Freitag dürfen sie sich „Geprüfter Industriemeister Metall“ nennen. Während einer Feierstunde im Hotel Ratsschänke erhielten sie ihre Urkunden.

Der Prüfung vor vier Wochen war ein dreijähriger Kurs vorausgegangen, den 20 Teilnehmer begonnen hatten. Neben ihrer Arbeit drückten die Männer 14 Stunden pro Woche die Schulbank: Abends und an Samstagen. „Es mussten oft persönliche Wünsche und Bedürfnisse zurückgestellt werden“, sagte Bernd Klem von der Fachschule für Technik in Frankenberg. Die Teilnehmer sind überwiegend in Betrieben der Metallindustrie beschäftigt.

Die Absolventen hätten sich fachliche Voraussetzungen, aber auch Selbstbewusstsein und Führungskompetenzen erworben. „Sie sind fit, um künftige berufliche Aufgabenstellungen in Angriff nehmen zu können.“ Es sei unklar, welche Konsequenzen der dempgrafische Wandel auf die Personalentwicklung hat. „Ich bin mir aber ganz sicher, dass man gerade jetzt junge qualifizierte Fachkräfte benötigt, um künftig den wirtschaftlichen Erfolg und Wohlstand zu schaffen.“

Er sehe der weiteren beruflichen Laufbahn mit Optimismus entgegen. Möglicherweise würde den neuen Industriemeistern aber neue Perspektiven angeboten: So hätten Handwerksmeister in Bayern und Baden-Württemberg neuerdings die Chance zum dualen Studium. „Wir Lehrkräfte haben in den vergangenen Meisterkursen gespürt, dass bei Ihnen durchaus ein Potenzial für ein nachfolgendes duales Studium vorhanden ist.“

Uwe Kleemann, Geschäftsführer der Firma Hettich, sprach über das „Spannungsfeld von Personalführung und technologischen Anforderungen“. „Sie sind ein entscheidender Beitrag zur Zukunft der Industrie“, sagte er. Er warb dafür, in der Region zu bleiben, hier zu leben und zu arbeiten. „Ich hoffe, die, die weggehen, kommen wieder zurück.“

Heute seien Mitarbeiter nicht für einen einzelnen Arbeitsschritt zuständig. Vielmehr werde in Prozessen gedacht und gehandelt. Technolgieanforderungen würden steigen: „Jeder muss lernen, mit Neuerungen umzugehen.“ Von den Industriemeistern werde aber auch soziale Kompetenz verlangt und die Fähigkeit, Konflikte zu lösen. Bei der Mitarbeiterführung seien die Industriemeister auch für eine gute Stimmung im Team mit verantwortlich. Kleemann setzte aber hinzu: „Man kann nicht gleich alles.“

Der Erste Kreisbeigeordnete Jens Deutschendorf lobte die Leistungsbereitschaft und die Motivation der Absolventen. „Wir hoffen, dass Sie unserer Region treu bleiben.“ Frankenbergs Bürgermeister Rüdiger Heß betonte, die neuen Industriemeister hätten für die Weiterbildung auf Urlaub verzichtet und sich neben dem Beruf zur Führungskraft qualifiziert. Heß warb dafür, sich auch ehrenamtlich zu engagieren: „Bringen Sie sich in die Gesellschaft ein.“

Werben für Mitgliedschaft

Jürgen Hupfeld, Leiter der Fachschule Kassel, hob die Bedeutung des Titels Industriemeister hervor: „Sie haben einen hochqualifizierten Abschluss, der auf Höhe des Bachelors eingestuft wird.“ Der Vorsitzende des Prüfungsausschusses, Dieter Kocab, warb bei den Absolventen dafür, weiter zu lernen. Dazu biete sich die Mitgliedschaft in der Industriemeistervereinigung an. Diesen Verbund stellte der Vorsitzende Holger Paulus anschließend vor. Die Frankenberger Industriemeistervereinigung habe 400 Mitglieder.

Im Namen der Industriemeister bedankte sich Lothar Müller bei den Dozenten. „Gemeinsam haben wir alle Hürden genommen.“ An die Arbeitgeber appellierte er: „Gebt den Jungmeistern eine Chance in ihren Betrieben.“

Teilnehmer der feierlichen Zeugnisübergabe waren auch Vertreter der Betriebe, bei denen die Industriemeister beschäftigt sind, sowie Carsten Placht, Leiter der Hans-Viessmann-Schule, in deren Räume die Kurse stattfinden.

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