Polizei informiert in Frankenberg über Schutz vor Einbrechern

"Ein Einbruch ist eine Frage der Zeit"

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Einbrecher wollen ihre Arbeit möglichst schnell erledigen. Werden sie durch besondere Sicherheitsvorkehrungen daran gehindert, lassen sie häufig von ihrem Ziel ab.

Frankenberg - Einbrecher sind wohl das Horrorszenario eines jeden Hausbesitzers oder Mieters. Was Bewohner gegen ungebetene Gäste machen können, darüber informierte gestern die Polizei in Frankenberg.

Regale sind ausgeräumt, die Kleidung liegt wild verteilt auf dem Boden, Schubladen sind aus den Schränken herausgerissen, Geld und Schmuck fehlen - und dabei endete doch gerade erst der entspannte Urlaub. Einen Wohnungseinbruch will wohl niemand erleben - und obwohl das Interesse an dem Thema groß ist, trifft nicht jeder besondere Sicherheitsvorkehrungen. Das zumindest stellt die Polizei immer wieder fest.

Deshalb touren Beamte derzeit mit einem Informations-Mobil durch Nordhessen. Gestern machten Volker König von der Polizei in Waldeck-Frankenberg sowie Susanne Gottmann und Horst Reuter aus Kassel in Frankenberg Station. Sie alle sind technische Berater in der Kriminalprävention.

Eine Frage der Zeit

Die Bezeichnung Berater trifft es dabei sehr gut, denn die Beamten helfen auf Wunsch bereits bei der Hausplanung, aber auch wer nachrüsten will, erhält bei der Polizei Informationen. Besonderen Wert sollten Bewohner demnach auf technische Sicherungsvorkehrungen legen. „Bei alten Fenstern sind Täter in wenigen Sekunden im Haus“, weiß Susanne Gottmann. Den Dieben sollte es möglichst schwer gemacht werden. „Ein Einbruch ist eine Frage der Zeit“, sagt die Polizistin. Dauert der Versuch zu lange, suchen die Täter das Weite - oder eine andere Wohnung.

Dabei gilt: Je mehr Sicherungen an Fenstern und Türen vorhanden sind, umso länger braucht der Einbrecher. Diese lassen sich auch noch nach dem Einbau anbringen - das Repertoire reicht von Bändersicherungen und Zusatzkasten­schlössern über einbruchhemmende Fensterbeschläge bis zu abschließbaren Fenstergriffen. Letztere allein bieten aber keinen ausreichenden Schutz, da sie gegen das Aufhebeln machtlos sind. An Türen sind unter anderem Querriegelschlösser, Sperrbügel oder im Mauerwerk verankerte Schließbleche möglich. Diese Zusatzsicherungen müssen aber sinnvoll aufeinander abgestimmt sein.

109 Einbrüche im Landkreis

Die Polizei nennt darüber hinaus sechs Verhaltensregeln:

  1. Immer die Haustür abschließen, nie nur ins Schloss fallen lassen. Auch bei kurzer Abwesenheit.
  2. Immer Fenster, Balkon- und Terrassentüren verschließen. Es gilt: Gekippte Fenster sind offene Fenster.
  3. Niemals den Schlüssel draußen verstecken.
  4. Geht der Schlüssel verloren, sollte der Schließzylinder gewechselt werden.
  5. Auf Fremde auf dem eigenen oder dem Grundstück der Nachbarn achten.
  6. Potenziellen Einbrechern keine Hinweise auf Abwesenheit geben.

Darüber hinaus rät Susanne Gottmann Bewohnern, Einbrechern rund um das Haus keine geschützten Bereiche zu bieten. Bäume oder Sträucher sollten nicht den direkten Blick zu Fenstern und Türen versperren. Auch Bewegungssensoren seien sinnvoll, eine permanente Beleuchtung hingegen nicht. Wenn das Licht durchgehend angeschaltet ist, schwindet die Aufmerksamkeit - nicht nur die der Hausbewohner. „Ein wachsamer Nachbar ist ein guter Einbruchsschutz“, sagt Gottmann. Schlimmer als der materielle und finanzielle Schaden sind für Opfer häufig die psychischen Folgen. „Das ist ein Einbruch in die Seele des Menschen“, erklärt Volker König. So würden rund 20 Prozent der Opfer nach einem Einbruch umziehen. Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen und Angst bei jedem Geräusch können Folgen sein.

Im Sommer verschiebt sich zudem der „Arbeitstag“ der Diebe. Während sie im Herbst und Winter die frühe Dunkelheit für ihre geplanten Beutezüge nutzen, geht es im Sommer meist zwischen 8 und 13 Uhr auf Tour.

In Waldeck-Frankenberg gab es 2013 109 Wohnungseinbrüche, 51-mal blieb es allerdings beim Versuch. Zwölf dieser Delikte wurden in Frankenberg verübt. Die Schwerpunkte würden sich im Landkreis immer wieder verschieben, sagt Volker König - und er warnt vor falscher Interpretation der vergleichsweise niedrigen Zahlen: „Einem Opfer nutzt die Statistik überhaupt nichts.“

Dass sich die Beratungstätigkeit auszahlt, davon ist König überzeugt. Die Fälle, in denen es beim versuchten Einbruch bleibt, würden steigen.

Wer weitere Informationen wünscht, kann sich bei Volker König von der kriminalpolizeilichen Beratungsstelle, Telefon 05631/971-160, melden. Die Beratungsgespräche in den eigenen vier Wänden bietet die Polizei kostenlos an.

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