Flugzeugabsturz über Berghofen vor 70 Jahren

"Ein Schlag und kleine Explosionen"

Battenberg-Berghofen - In den Abendstunden des 11. November 1944 ist Berghofen nur knapp einer Katastrophe entgangen, als ein Flugzeug vom Typ Messerschmitt ME-110" über dem Battenberger Stadtteil abstürzte.

Großes Glück hatte die Berghöfer Bevölkerung in den Abendstunden des 11. November 1944. An diesem Samstag vor 70 Jahren, gegen 20.45 Uhr, flogen wie oft in dieser Zeit alliierte Kampfverbände über das Obere Edertal. Lehrer Hugo Zimmermann arbeitete gerade an der Schulchronik, als ihn ein Motorengeräusch „stutzig macht“, wie er es später niederschrieb - nachzulesen in der Berghöfer Dorfchronik. Ein weiterer alliierter Flieger, der sich zum Angriff bereit macht? Als Zimmermann die Verdunklung überprüfen will, bemerkt er ein Flugzeug, das sich im Tiefflug nähert. „Der Gedanke, dass man schutzlos sei, war noch nicht zu Ende gedacht, als es einen starken Schlag tat mit nachfolgenden kleinen Explosionen“, beschreibt es der Lehrer in der Chronik. Ein Flugzeug ging unmittelbar hinter der Scheune von Karl Seipp (Kunnersch) in der heutigen Rainstraße nieder und durch den Absturz und die herumfliegenden Trümmerteile gerieten die Scheune und ein Hühnerhaus in Brand.

„Wir saßen gerade bei ‚Kunnersch‘ in der Spinnstube“, erinnert sich der heute 85-Jährige Rudolf Pfaff. Nachdem sie den Aufschlag des Flugzeugs gehört hatten, seien sie in den Keller gegangen. Durch ein Fenster sah Pfaff dann das Feuer und nur kurze Zeit später sei die Berghöfer Feuerwehr angerückt, die zunächst versucht habe, das Feuer mit Wasser aus dem Löschteich „im Borngarten“ zu bekämpfen.

„Jetzt sei mer alle verloren“

Als Lehrer Zimmermann zur Absturzstelle kam, waren einige Berghöfer bereits damit beschäftigt, die landwirtschaftlichen Geräte in Sicherheit zu bringen. Andere gerieten in Panik: „Vom Feuer weg, jetzt sei mer alle verloren“, rief Ludwig Grum (Kiefersch). Die Feuerwehr indes versuchte, die Flammen vom Nachbarhaus der Familie Herguth fernzuhalten. Einen genauen Überblick über das, was passiert war, hatte zu diesem Zeitpunkt niemand: „Die Berghöfer standen auf der Straße, ratlos, verwirrt und dachten, die Welt ginge unter“, schrieb Zimmermann. Die Wehren aus Battenberg, Laisa, Wollmar und Rennertehausen rückten an und gemeinsam mit der Berghöfer Feuerwehr gelang es, den Brand zu löschen. Was aber war passiert? Von der Besatzung des Flugzeugs fehlte an der Absturzstelle jede Spur. Rund 50 Minuten nach dem Absturz näherten sich drei Personen mit Fallschirmen in der Hand der Absturzstelle - die Besatzung. Im Raum Mönchengladbach war die Funkverbindung ihres Flugzeugs vom Typ „Messerschmitt ME-110“, das als Nachtjäger eingesetzt wurde, abgebrochen. In der Nähe von Marburg drehte die Maschine schließlich in Richtung Norden ab. Über dem Oberen Edertal fing der linke Motor Feuer, was die Besatzung zum sofortigen Ausstieg zwang.

Sie verfolgten nach dem Absprung aus der Luft, wie ihre Maschine aufschlug. Das Kabinendach der „ME-110“ entdeckten die Berghöfer später im Bereich „Stoßhöhle“, zwischen Berghofen und Battenberg. Helm und Kopfhörer des Piloten tauchten im „Fuchsloch“ wieder auf. Zimmermann hielt in der Schulchronik fest, dass die Besatzung freudig berührt gewesen sei, dass keine Menschenleben zu beklagen waren. (ste)

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