Entwicklungshilfe in Bolivien

„Eine Erfahrung, auf die ich mich freue“

+

Bromskirchen/Hallenberg - Ihre Kindheit verbrachte Danica Steuber in Bromskirchen, die Jugend nur wenige Kilometer weiter im Hallenberger Stadtteil Liesen. Der nächste Schritt ist deutlich größer: Am 9. August fliegt die 19-Jährige für ein Jahr als Missionarin nach Bolivien.

Wenn Danica Steuber in zwei Wochen in Düsseldorf ein Flugzeug betritt, dann liegt eine lange Reise vor ihr: Über Paris, Lima und Santa Cruz geht es für die junge Frau nach Cochabamba. Die viertgrößte Stadt Boliviens, mit gut 650 000 Einwohnern immerhin fast so groß wie Frankfurt, ist dann für ein Jahr die neue Heimat der gebürtigen Bromskirchenerin. „Ich wollte schon immer nach dem Abitur etwas Besonderes machen“, sagt Danica und lacht. Etwas Besonderes, das dürfte die Reise werden. Eigentlich hatte Danica geplant, nach Australien oder Irland zu fliegen, aber sie wollte auch etwas leisten, nicht nur reisen. Entwicklungshilfe schien ihr eine gute Idee, erzählt sie. Sie fragte bei den Schwestern der heiligen Maria Magdalena Postel an, die ihren Sitz im Bergkloster in Bestwig haben und in mehreren Entwicklungsländern tätig sind. Von den Schwestern erhielt sie ein Angebot: Bolivien. „Warum eigentlich nicht?“, fragte sie sich – da konnte sie noch kein einziges Wort Spanisch.Das hat sie inzwischen gelernt, auch wenn sie schätzt: „Anfangs wird es bestimmt nicht einfach, sich zu verständigen. Aber es muss ja klappen.“ Doch sie ist nicht nur auf ihre eigenen Spanischkenntnisse angewiesen: Sie reist gemeinsam mit acht weiteren jungen Missionaren. Dabei ist dieser Begriff gar nicht mehr der passende. „Wir sind keine Missionare im klassischen Sinne“, erklärt die Frau. Das ist schon daran zu erkennen, dass die Vorbereitungskurse zwar in einem katholischen Kloster stattfanden, sie selbst aber Protestantin ist. Die Aufgabe der Missionare ist die Betreuung von armen Kindern – Danica Steuber ist also eher Entwicklungshelferin, sie sagt dazu: „Brückenbauer“.

Das Projekt, in dem sie ab August arbeitet, kümmert sich um Kinder, deren Eltern im Gefängnis sitzen. „In Bolivien ist das Gefängnis anders, als bei uns“, erläutert Danica. „Oftmals gehen die Ehefrauen mit ihren Männern hinter Gitter, um sie zu versorgen“. Auf der Strecke bleiben dabei die Kinder. Sie sind keine Waisen im eigentlichen Sinne, aber dennoch auf sich allein gestellt. Die Schwestern der heiligen Maria Magdalena Postel kümmern sich um solche Fälle. Rund 200 Kinder befinden sich laut Danica in dem Projekt. Morgens betreut Danica künftig die Jüngsten im Kindergarten. Am Nachmittag ist sie dann für die Hausaufgabenhilfe da – nebenbei ist sie aber auch Ansprechpartnerin für die großen und kleinen Sorgen, die Kinder und Jugendliche im Alter von zwei bis 18 Jahren nun einmal so haben. „Ich denke, dass ich bei der Arbeit oft an meine Grenzen kommen werde“, schätzt Danica und ergänzt: „Aber das ist etwas Gutes.“ Doch in den zwölf Monaten kommt auf die Liesenerin nicht nur Arbeit zu. Insgesamt hat sie vier Wochen Urlaub. Die möchte sie nutzen, um das Land und die Leute kennenzulernen. Der Titicacasee, der berühmte, spiegelnde Salzsee Salar de Uyuni, vielleicht die Hauptstadt: Es gibt viele Sehenswürdigkeiten, die für Danica von Interesse sind. Dafür allerdings hat sie einiges über sich ergehen lassen müssen: „Ich habe ganz viele Impfungen bekommen“, berichtet sie: Tollwut, die verschiedenen Hepatitis-Arten, Gelbfieber, dazu ein Medikament zur Malaria-Prophylaxe, falls es in Wald- oder Sumpfgebiete geht. Während der Seminare im Kloster hat sie zudem gelernt, aufzupassen, besonders beim Essen: „Nicht ungefährlich ist etwa ungeschältes Obst“, weiß sie von ihren Vorgängern in dem Projekt. in dem noch fremden Land am anderen Ende der Welt eine riesige Umstellung. Der versucht sie entgegenzuwirken, indem Danica ganz viele Fotos von der Familie, von Bekannten und Freunden mitnimmt. Leicht fällt der Abschied dennoch nicht, gerade den Eltern: „Die waren erst nicht so ganz überzeugt, aber dennoch einverstanden“, berichtet die junge Frau. Sie hätten sich mit der Thematik auseinandergesetzt, jetzt würden sie ihr die volle Unterstützung geben. „Aber ich soll auf jeden Fall wiederkommen, haben sie gesagt“, erinnert sich Danica und lacht. Das will sie auf jeden Fall. Doch bis es so weit ist, muss noch mehr als ein Jahr ins Land gehen. „Das ist eine Erfahrung, auf die ich mich freue“, berichtet sie begeistert. Eine andere Sprache, eine andere Kultur, hunderte andere Leute – die gebürtige Bromskirchenerin ist überzeugt, dass auch sie ein wenig zu einem anderen Menschen wird im nächsten Jahr. Eines aber ist in Bolivien und in Deutschland gleich: Karneval. „In Bolivien wird ganz viel gefeiert, soweit ich weiß. Und ich liebe Karneval“, sagt Danica Steuber voller Vorfreude.Danica Steuber berichtet in den nächsten Monaten in der Frankenberger Zeitung in unregelmäßigen Abständen von ihrem Aufenthalt und ihrer Arbeit in Bolivien.

Kommentare