GEMA-Tarife bedrohen Clubs

"Eine existenzielle Bedrohung"

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Bonkers

Frankenberg - Benjamin Battefeld ist empört: Setzt die Musik-Verwertungsgesellschaft Gema ihre neue Tarifstruktur zum Jahreswechsel um, sieht der Betreiber des Bonkers und des Utopias gewaltige Probleme auf die Branche zukommen - und auf den heimischen Familienbetrieb.

Die Diskothek Bonkers in Frankenberg gehört zu den bekanntesten in Nordhessen. Großer Andrang herrscht besonders an den Wochenenden. Doch trotz oftmals vollen Hauses hat Benjamin Battefeld, der den Club mit seinem Vater Lothar betreibt, derzeit Sorgenfalten im Gesicht: Sie gehören zu den unzähligen deutschen Diskothekenbesitzern, die von einer Gebührenerhöhung der Musikverwertungsgesellschaft Gema (siehe Hintergrund) kalt erwischt wurden.

„Als ich das gehört habe, war ich erst einmal sprachlos, da blieb mir die Spucke weg“, erinnert er sich an den Moment, als er zum ersten Mal von der Idee der Gema erfuhr. „Es ist dreist, dass sich jemand so etwas überhaupt ausdenkt“, sagt er – und nennt die Tariferhöhung zum 1. Januar 2013 „eine existenzielle Bedrohung“.

Belastung steigt dramatisch

Battefeld möchte keine genauen Zahlen nennen, wie stark die Tarifreform das Bonkers und das Utopia, das die Familie ebenfalls führt, treffen könnte. Doch er nennt eine Richtung: „Ich habe das ausgerechnet, und die Preissteigerung liegt bei etwa 500 Prozent“, sagt er mit Sorgenfalten im Gesicht. Das sind auch die Zahlen, die der Hotel- und Gaststättenverband in Beispielrechnungen ermittelt hat.

Die Zahlen des Dehoha lassen erahnen, was auf die deutschen Diskotheken-Betreiber zukommt. Ein Club mit 410 Quadratmetern Raumgröße, der an 105 Tagen im Jahr offen hat und der zwei Euro Eintritt nimmt, zahlt künftig im Jahr statt gut 14430 Euro rund 95250 Euro an die Musikverwerter. Das Bonkers ist mit 670 Quadratmetern Raumfläche deutlich größer, hat aber nur rund 90-mal im Jahr geöffnet – die Eintrittspreise variieren je nach Art der Veranstaltung und nach Gast-Musiker.

Dass die neuen Tarife der Gema fairer und günstiger seien, nennt Battefeld schlicht „eine Lügengeschichte“: „Betreiber von kleineren Diskos müssen bis zu 2000 Prozent mehr zahlen“, berichtet der junge Mann aus der Branche – und auf die sieht er schwere Zeiten zukommen. „Ich glaube, dass im Umkreis von vielleicht 100 Kilometern zwei oder drei Diskotheken überleben können“, sagt er. Ob eine der beiden Battefeld-Diskotheken dazu gehören kann, will er nicht beantworten.

Derzeit seien sein Vater und er noch auf der Suche nach Möglichkeiten, der Tarifänderung entgegenzuwirken. So würde etwa über eine Erhöhung der Getränkepreise nachgedacht, doch: „Die Leute hier haben auch nicht so viel Geld“ – das „Vorglühen“ vor dem eigentlichen Diskobesuch würde seiner Aussage nach deutlich zunehmen. Das sei eine Entwicklung, die er nicht gutheißen würde – und seiner Ansicht nach auch die Städte und Kommunen nicht.

Erst einmal möchte Benjamin Battefeld seine Gäste des Bonkers auf das Thema aufmerksam machen. „Aus meinem Bekanntenkreis haben mich schon einige angesprochen, aber viele wissen da auch noch überhaupt nichts drüber“, sagt er. Schilder sollen bei den nächsten Veranstaltungen in dem Frankenberger Club auf die Tariferhöhungen und die Konsequenzen daraus aufmerksam machen. An einer bundesweiten „Schweigeminute“, zu der in vielen Clubs die Musik abgedreht wurde, hat das Bonkers nicht teilgenommen – eine Wiederholung sei aber denkbar, sagt Battefeld. Zudem möchte er die Gäste auf eine Online-Petition aufmerksam machen: Mehr als 250000 Menschen haben darin schon gegen die Preiserhöhung der Musikverwertungsgesellschaft Gema unterzeichnet.

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