Nahwärme für den Frankenauer Stadtkern

Eine Heizung für bis zu zwölf Gebäude

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Auf dem Dach der Gemeindeverwaltung bekam die Idee einer zentralen Nahwärmeversorgung neuen Schwung. Unser Bild zeigt von links Bürgermeister Björn Brede, Viessmann-Abteilungsleiter Marco Ohme, die Geschäftsführerin der Naturkraft-Region Dr. Brigitte Buhs

Frankenau - Regenerative Energien könnten künftig alle öffentlichen und kirchlichen Gebäude von der Grundschule bis zum Kindergarten beheizen. Die Zentrale könnte neben der neuen Seniorenwohnanlage der Lebenshilfe gebaut werden. Ob diese Pläne umsetzbar sind und wenn ja, zu welchen Kosten, überprüft nun die Firma Viessmann.

Die Stadt Frankenau, der Landkreis, die Lebenshilfe und die evangelische Kirchengemeinde haben bei Viessmann eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Sie wollen gemeinsam eine umfassende Nahwärme-Versorgung für die öffentlichen Gebäude in Frankenau anstoßen.

Bis zu zwölf Gebäude könnten mit Wärme versorgt werden: die Grundschule, der Bauhof, das Feuerwehrgerätehaus, die Stadtverwaltung, die Alte Post, das Forsthaus, das Pfarrhaus, der alte Pfarrstall und der Kindergarten. Ein weiterer Abnehmer könnte die Lebenshilfe sein: Sie baut auf dem Gelände der Alten Hauptschule eine Tagesstätte für Senioren mit Wohngruppenhäusern und müsste drei Gebäude beheizen.

Dort - so weit die Idee bisher - könnte auch die Zentrale für die Heizungsanlage eingerichtet werden. Das Gebäude, in dem sich derzeit noch öffentliche Toiletten befinden, würde sich als Lager für Pellets oder Holzhackschnitzel eignen.

Karlfried Kukuck von der Stabstelle Ländlicher Raum, Dorf- und Regionalentwicklung des Landkreises sprach sich dafür aus, auch Privathaushalten einen Anschluss anzubieten. Allerdings ist die Machbarkeitsstudie vorerst nur auf die öffentlichen Gebäude ausgelegt, um einen verlässliche Größe zu haben, sagte Marco Ohme, Leiter der Abteilung Bioenergiedörfer und -Systeme bei Viessmann.

Blick vom Dach mit Folgen

Die Idee zu einer gekoppelten Wärmeversorgung entstand erstmals, als die Lebenshilfe ihre Pläne für das Seniorenwohnprojekt auf dem Gelände der alten Hauptschule vorlegte. Damals war unter anderem auch der Frankenauer Hof mit im Blick, der ebenfalls von der Lebenshilfe betrieben wird. Die ersten Überlegungen endeten zunächst in einer Sackgasse. Doch nach einem Gespräch mit Marco Ohme bekam die Idee neuen Schwung, berichtete Bürgermeister Björn Brede. Auf dem Dach der Stadtverwaltung sahen Brede und Ohme sich die Entfernungen an - und Ohme zeigte sich überzeugt davon, dass eine Verbindung möglich ist.

Auch der Landkreis Waldeck-Frankenberg und die evangelische Kirchengemeinde waren von der Idee angetan. Und so stießen die vier Projektpartner das Thema gemeinsam neu an. Sie beauftragen nun Viessmann mit einer Machbarkeitsstudie. Darin wird untersucht, unter welchen Voraussetzungen eine Nahwärmeversorgung möglich ist, welche Kosten entstehen, welche baulichen Veränderungen notwendig sind und welche Energieträger geeignet sind.

Dabei stehen vor allem Holzhackschnitzel und Pellets im Fokus. Eine Biogasanlage schloss Bürgermeister Björn Brede kategorisch aus. Auch Marco Ohme erteilte dieser Form der Energie schon im Voraus eine Absage: Wegen der langen Zuleitungen sei Biogas für Frankenau nicht wirtschaftlich.

Für das geplante Nahwärme-Projekt bekommen die vier Partner Unterstützung von der „Naturkraft-Region“ (siehe Kasten). „Wir hoffen sehr, dass es zur Umsetzung kommt“, sagte Geschäftsführerin Dr. Brigitte Buhse. Die „Naturkraft-Region“ beteiligt sich mit 80 Prozent an den Kosten in vierstelliger Höhe für die Machbarkeitsstudie. Den Rest teilen sich die vier Projektpartner.

Theo Brömmelhaus, Fachbereichsleiter Wohnen bei der Lebenshilfe Waldeck-Frankenberg, betonte, dass sich mit dem bevorstehenden Bau des ersten Wohngruppenhauses die Frage nach der Energieversorgung dringender stelle. „Wir freuen uns über die Initiative, die uns eine neue Perspektive gibt.“

Ergebnis noch dieses Jahr

Auch für die Kirchengemeinde ist die Idee einer Nahwärme-Versorgung für die aneinander grenzenden Gebäude nicht neu. Eine zentrale Heizung war aber vor Jahren verworfen worden, weil die Brenner zu diesem Zeitpunkt noch nicht alt genug gewesen seien, um ausgetauscht zu werden, blickte Pfarrer Harald Wahl zurück. Ob es sinnvoll ist, den Kindergarten anzuschließen, soll im Rahmen der Machbarkeitsstudie untersucht werden - dort wurde erst soeben im Rahmen der Sanierung eine neue Pelletheizung eingebaut.

Nico Wirth vom Fachdienst Gebäudemanagement beim Landkreis betonte, dass an der Heizungsanlage der Grundschule ohnehin Handlungsbedarf bestehe. Eine Zusammenarbeit sei aus Sicht des Landkreises auch deshalb hilfreich, weil an der Schule der Platz für ein Lager für Hackschnitzel oder Pellets fehle. Außerdem habe der Kreis ohnehin die Vorgabe, bei nötigen Modernisierungen immer eine Version mit erneuerbaren Energien zu prüfen. Eine Kurzstudie habe sehr positive Ergebnisse gebracht.

Noch vor Weihnachten soll das Ergebnis der Studie vorliegen, kündigte Ohme an. Völlig offen ist aber noch, wer im Falle einer Umsetzung Auftraggeber und damit auch Kostenträger wird.

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