Sommer im Sattel

Eine Reise entlang der Lengelmühlen

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Die bekannten Lengelmühlen – hier die Bärenmühle – liegen idyllisch entlang der Strecke.

Frankenau-Ellershausen - Noch nie war ich im Lengelbachtal - das muss geändert werden. Doch schnell stellt sich heraus, dass die gewählte Route zwar schön, aber nicht die einfachste ist.

„Das hat sich ja doch gelohnt“, denke ich mir und trete mit neuem Elan in die Pedalen. Das Lengelbachtal habe ich gerade eben erreicht, die Huhnsmühle liegt hinter mir und in Fahrtrichtung erstreckt sich ein wunderbarer Waldweg: eben, wenig Schlaglöcher, offensichtlich häufig genutzt. Die Lengel schlängelt sich rechts von mir durch Wald und Wiesen, die Sonne bahnt sich ihren Weg durch Äste und Blätter. Schöner kann eine Fahrradtour kaum sein.

Dabei hatte der Ausflug so anstrengend angefangen, dass ich als nicht geübter Freizeitradler fast schon umgedreht hätte. Zum Glück habe ich durchgehalten. Start ist am Frankenberger Obermarkt. Auf der Geismarer Straße geht es entlang des Amtsgerichts und der Edertalschule in Richtung Geismar. Hinter der Bundesstraße fegt mir der Wind um die Ohren, denn es geht rasant bergab - und steil wieder bergauf. Weil ich nicht auf der viel befahrenen Straße radeln möchte, begebe ich mich auf den Wanderweg - der auch tatsächlich für Wanderer gemacht ist. Er ist steil, er ist schotterig. Ich muss absteigen. Für Kinder ist das nichts, das ist mir schnell klar.

Leichter wird es, als ich auf dem Höhenkamm zwischen Frankenberg und Geismar ankomme. Die Aussicht: großartig. Normalerweise rausche ich hier mit dem Auto vorbei, jetzt kann ich den Blick genießen, bevor ich mich auf den Feldweg in Richtung der Müllumladestation mache - endlich wieder bergab. Der Umschlagplatz für Altpapier, Sperrmüll und Grünschnitt ist kein Ort, der zum Verweilen einlädt, aber ein markanter Punkt: Später werde ich noch einmal an ihm vorbeikommen.

Doch erst einmal geht es links der Anlage wieder bergauf - und wieder schottert es gewaltig, wenn auch nicht ganz so schlimm wie auf dem ersten Stück der Tour. Einen Kilometer geht das so - dann werde ich zum ersten Mal für meine Strapazen entlohnt: Ich komme auf einem Bergrücken an, eine Bank lädt mich zur Pause ein. Mein Blick geht über Geismar in Richtung Louisendorf, im Wind bewegt sich reifendes Getreide, über mir kreist ein Milan.

Der Weg nach Louisendorf geht von dort deutlich leichter weiter - aber für mich noch immer nicht leicht. Er führt direkt auf dem Hugenotten- und Waldenserpfad und ist deshalb leicht zu finden. Der blaue Punkt mit grüner Welle auf weißem Grund ist unverkennbar. Der Pfad verbindet die Hugenotten- und Waldenserdörfer in ganz Deutschland - und führt mich somit an mein nächstes Ziel: Louisendorf.

Der Weg ist erstmals über weite Strecken geteert oder gleicht einem klassischen Waldweg: fest, leicht befahrbar, auch für Fahrer wie mich problemlos geeignet. Dennoch geht es weiter bergauf, bergab, wieder bergauf. Es bleibt also anstrengend für mich, doch bald ist Louisendorf in Sichtweite. Dort lege ich eine längere Pause an.

Päuschen machen, wo andere Menschen heiraten

Das alte Hugenottendorf am Rande des Kellerwaldes, abseits der großen Straßen gelegen, ist ein ruhiges Fleckchen Erde. Und der vielleicht abgeschiedenste, entspannendste Platz dieses Dorfes ist der Garten der alten Schulscheune. In unmittelbarer Nachbarschaft zu dem Häuschen, in dem sich von Zeit zu Zeit glückliche Paare das Jawort geben, wachsen ansehnliche Bäume, Büsche und Kräuter. Eine im Rund gebaute Bank ist auch für größere Radler-Gruppen ein willkommenes Plätzchen für Pausen.

Doch für mich geht es nach ein paar Bissen von einem Müsliriegel bald weiter. Noch ein Stückchen kann ich dem Hugenotten- und Waldenserpfad vertrauen, der weiter gen Norden führt und in Bad Karlshafen endet. Doch zu dem bekannten Symbol hat sich bereits das „K“ des Kellerwaldsteigs gesellt, das mich ab sofort leiten soll. Kurz vor der Huhnsmühle schließlich die letzte Herausforderung: Über den derzeit wenig genutzten Wanderweg - hoch bewuchert mit Gras und Wildblumen - geht es bergab an die Lengel, die Hand immer auf der Bremse.

Doch dann ist das Lengelbachtal erreicht, durch das ich jetzt radeln darf. Meine Beine freuen sich - ebene Strecken liegen mir eher. Und das Tal, das ich noch nie zuvor besucht habe, hinterlässt Eindruck: Die Mühlen sind liebevoll restauriert - manche wirken wie ein landwirtschaftlicher Betrieb, andere wie ein Anwesen. Es lohnt sich, abzusteigen und die Bauwerke zu bestaunen, dabei vielleicht eine kleine Pause einzulegen. Ich aber habe ja gerade erst pausiert, mich zieht es weiter. Vom Sattel steige ich erst, nachdem ich entlang des Stiedenbachs in Ellershausen ankomme. Im Kirchgarten lockt der Barfußpfad. Schnell die Schuhe aus und das Gefühl unterschiedlicher Materialien erleben - ein Genuss.

Nach einem Schluck Wasser geht es weiter in Richtung Geismar - geteerte Wege, wunderbar. An der Müllumladestation fahre ich geradeaus vorbei, über den neuen Radweg in Richtung Frankenberg. Die Sonne scheint. Meine Strapazen vom Anfang sind vergessen.

von Malte Glotz

Die Karte zur Tour zum Ausdrucken gibt es hier:

Lengelbachtal

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