Gemünden

Eine Stadt, zwei Versorger, zwei Preise

- Gemünden (gl). Die Stadt Gemünden ist zum Ausgleich des Gebührenhaushaltes auf eine Erhöhung des Preises für Frischwasser angewiesen.

Eigentlich wollten die Gemündener Stadtverordneten dem Gebühren-Beschluss des Wasserleitungs-Zweckverbandes (WLZV) folgen: Sie waren davon ausgegangen, dass der WLZV seine Gebühren von 1,45 Euro je Kubikmeter Wasser um 25 Cent auf 1,70 Euro je Kubikmeter erhöht. So hatte es der Finanzausschuss des WLZV empfohlen. Doch es kam anders: am Dienstag lehnte der WLZV eine Erhöhung der Frischwassergebühren ab. „Überhaupt nicht zum Lachen“, fand dies der Gemündener Bürgermeister Frank Gleim. Er steht vor dem Problem, dass das Wasser der Stadt nicht nur um 25 Cent, sondern um ganze 3,12 Euro je Kubikmeter teurer werden müsste, damit der entsprechende Gebührenhaushalt ausgeglichen wird. Zugleich aber solle weiterhin der Grundsatz gelten, dass Gemündens Bürger in allen Stadtteilen gleich viel für ihr Wasser bezahlen sollen – trotz zweier unterschiedlicher, voneinander unabhängiger Wasserversorger. Kernstadt, Grüsen und Sehlen werden vom WLZV versorgt, Herbelhausen, Schiffelbach und Lehnhausen hingegen von der Stadt. Die Preisgleichheit steht nun wohl vor dem Aus. Die Stadtverordneten machten deutlich, dass sie die Kopplung der Preise nicht mehr für angebracht halten.

Markus Bornmann von der Bürgerliste sagte: „Die Entscheidung trifft uns an einem wunden Punkt – und das sind die Finanzen“. Er wies darauf hin, dass auch der WLZV sein Defizit beseitigen müsse. Außerdem habe der Landkreis darauf hingewiesen, dass die Stadt Gemünden rechtswidrig handele, wenn die Gebührenhaushalte nicht angegangen würden. Die letzte Erhöhung der Frischwassergebühren habe 1998 stattgefunden, eine erneute Erhöhung sei nicht zu vermeiden. Gleim wies darauf hin, dass die Stadt Gemünden letztlich über die eigene Wasserversorgung zu entscheiden habe – unabhängig vom WLZV. Nach einer Sitzungsunterbrechung schlug SPD-Fraktionschef Heinz-Jürgen Hammer vor, einen Zeitrahmen zu suchen, in dem die Unterdeckung der Frisch- und Abwasser-Gebühren beendet wird. „Da wir für unser Wasser selber verantwortlich sind, müssen wir auch den Kopf hinhalten“, sagte Markus Bornmann von der BL. Im Haus zeichnete sich die Tendenz ab, den bisherigen Weg der Preisgleichheit beim Frischwasser zwischen der Stadt Gemünden und dem WLZV zu verlassen.Der Stadtverordnetenvorsteher Matthias Lückel von der CDU goss die Wortbeiträge der Abgeordneten schließlich in einen Antrag: Demnach wird es einen Ankündigungsbeschluss geben bezüglich einer Erhöhung der Frischwassergebühren zum 1. Januar 2011 – der Umfang der Erhöhung steht aber noch nicht fest und kann erst im neuen Jahr bestimmt werden. Zugleich soll im Haupt- und Finanzausschuss ein Stufenkonzept erarbeitet werden, dass es erlaubt, den Gebührenhaushalt in den nächsten Jahren schrittweise auszugleichen und das Defizit zu verringern.

Der Vorschlag Lückels wurde von den Stadtverordneten mit nur einer Enthaltung angenommen. „Es muss uns klar sein: Hier trennen sich die Wege, was eine einheitliche Gebühr von Wasserleitungs-Zweckverband und der Stadt Gemünden angeht“, erklärte Lückel. Wasser wird daher in Gemünden und seinen Stadtteilen künftig wohl unterschiedlich viel kosten.

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