Französische Hugenotten-Wanderer waren in Louisendorf und Wiesenfeld zu Gast

Eine Wanderung für Toleranz und Glaubensfreiheit

Louisendorf/Wiesenfeld - Wie nachhaltig Wandern auf dem europäische Hugenotten- und Waldenserpfad über Ländergrenzen hinweg Freundschaften stiften kann, erlebten jetzt die traditionsbewussten Einwohner von Louisendorf und Wiesenfeld.

Eine Gruppe von französischen Hugenotten-Wanderern aus der Gegend von Lille kehrten in den ehemaligen Kolonien Louisendorf und Wiesenfeld ein, wurden dort zu den Siedlerhäusern und Kirchen geführt und suchten mit Nachfahren der Glaubensflüchtlinge das Gespräch. „Wir wurden freundlich empfangen und haben eine wunderbare Woche erlebt“, schrieben Daniel und Marie-Madeleine Haering allen nordhessischen Gastgebern zum Abschied.

In Louisendorf kam es zu einer Wiederbegegnung: Die Familien Berg, Batteux und Wernle hatten einige der Franzosen im vergangenen Jahr getroffen, als sie in der Gegend von Poet Laval im Diose auf dem Hugenottenpfad wanderten. Nicht weit davon entfernt liegt Die, bis 1688 Heimatort der Louisendorfer Glaubensflüchtlinge. Heinz Berg führte die französischen Freunde von der Fachwerkkirche aus durch Louisendorf, anschließend trugen sie sich in das Gästebuch der Schulscheune ein.

Die Idee zu dieser Wanderung auf dem nordhessischen Teil des Hugenotten- und Waldenserpfades hatte Alke-Brigitte Ifftner aus Maintal-Dörnigheim, eine begeisterte Fernwanderin, die seit Jahren auf den Spuren der Hugenotten unterwegs ist und dabei Geschichte und Landschaftserleben verbindet. Es geht ihr aber bei ihrer Hugenottentour darum, „für Toleranz und Glaubensfreiheit zu werben. Das Thema Verfolgung aufgrund des Glaubens ist immer noch so aktuell wie damals.“

Sie traf die Gruppe französischer Mitglieder der Reformierten Kirche Frankreich ebenso wie die Louisendorfer, als sie im vergangen Jahr fünf Wochen zu Fuß von den Cevennen nach Genf unterwegs war. „Wir sind ein Stück gemeinsam gewandert. Das französische Fernsehen hat sogar ein paar Sequenzen rund um die Flucht der Hugenotten gedreht. Daraus ist eine herzliche Freundschaft entstanden.“

In Wiesenfeld empfing Karl-Hermann Völker die Wandergruppe aus Lille am ehemaligen Schulhaus von 1838, in dem anfangs noch Französisch gesprochen worden ist, und berichtete in der Johanniterkirche aus der Geschichte der Kolonie. Die 15-jährige Hugenotten-Nachfahrin Katharina Beck zeigte aus ihrem Familienbesitz die älteste in Nordhessen erhaltene französische Bibel aus dem Jahr 1567. Dann sangen alle, von der Orgel begleitet, in ihrer Sprache „Großer Gott, wir loben dich“ und Lieder aus Taizé. Ein ebenfalls erhaltenes Psalmbuch seiner Hugenotten-Vorfahren legte Gerhard Beaupain der Wandergruppe vor.

Von Burgwald wanderten die Franzosen über Schwabendorf und Todenhausen mit Alke-Brigitte Ifftner auf dem Hugenotten-Wanderpfad nach Süden weiter. (vk)

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