Gericht in Frankenberg

Eine Woche Dauerarrest für Schläge in Disco

Frankenberg - Der Angeklagte war geständig, allerdings auch einschlägig vorbestraft - und bei der ihm zur Last gelegten Tat handelte es sich nicht um einen Kavaliersdelikt: Er hatte einen 17-Jährigen mehrere Faustschläge verpasst und sein Knie gegen den Kopf des Opfers gestoßen.

Weil er einen jungen Mann zusammengeschlagen hat, muss ein 19-Jähriger Frankenberger für eine Woche in den Dauerarrest. Richterin Andrea Hülshorst wandte bei der Verhandlung vor dem Frankenberger Amtsgericht das Jugendstrafrecht an. Opfer und Täter hatten am 23. November 2013 die Diskothek Utopia in Geismar besucht. Im dichten Gedränge hatte das Opfer versehentlich ein Getränk über die Kleidung des Angeklagten geschüttet.

Beide gingen vor die Tür, um den Vorfall „zu klären“. Das sollte zwar eigentlich verbal geschehen, doch im Freien flogen dann die Fäuste - ausgehend vom Angeklagten, wie die Zeugen, darunter das Opfer, bestätigten. Der 17-Jährige erlitt durch die Schläge mehrere Prellungen im Gesicht, ebenso eine blutige Nase. Zahlreiche andere Gäste hätten zugeschaut, sagten die Zeugen, darunter das Opfer, und auch der Angeklagte aus.

Freunde des 19-Jährigen hätten den Vorfall sogar mit einem Mobiltelefon gefilmt. Kurz nach dem Vorfall hätten beide miteinander geredet und sich die Hand gegeben, berichteten der Angeklagte ebenso wie das Opfer: „Er hat sich entschuldigt, die Entschuldigung habe ich angenommen“, sagte der 17-Jährige. Eigentlich habe er gegen den nun Angeklagten gar keinen Strafantrag stellen wollen.

Vielmehr richtete sich seine Anzeige gegen einen weiteren Jugendlichen, der das Opfer zuvor mit einer Ohrfeige traktiert haben soll. Er war als Zeuge geladen und gab an, es habe sich lediglich um ein „Tätscheln“ gehandelt. Gegen ihn läuft ein gesondertes Strafverfahren.

Sowohl die Richterin als auch die Staatsanwältin warfen den Zeugen fehlende Zivilcourage vor. Sie hätten eingreifen oder die Polizei verständigen müssen. Für den Jugendlichen war es der dritte bekannt gewordene Vorfall dieser Art. Eine Anklage war fallen gelassen worden, 2011 war er wegen vorsätzlicher Körperverletzung zur Ableistung von Arbeitsstunden verurteilt worden.

Richterin Andrea Hülshorst richtete deshalb eindringliche Worte an den jungen Mann, der nach Vorschlag der Jugendgerichtshilfe nach Jugendstrafrecht verurteilt werden sollte. Sie verhängte einen einwöchigen Jugendarrest und folgte damit dem Antrag der Staatsanwaltschaft.

Mindestens ebenso bestrafend dürften sich allerdings die Auflagen auswirken: Der 19-Jährige darf neun Monate keine öffentlichen Veranstaltungen oder Feiern besuchen und sich ebenso wenig in Gaststätten und Diskotheken blicken lassen. Außerdem darf er keinen Kontakt zu den Zeugen aufnehmen, auch nicht über dritte - damit wollte Hülshorst möglichen Bedrohungen vorbeugen, denn zumindest ein polizeibekannter Freund des Angeklagten soll sich vor der Verhandlung bei einem der Zeugen gemeldet haben. Verstößt der Angeklagte gegen die Auflagen, kann eine Beugehaft verhängt werden.

Wird der junge Mann erneut einschlägig straffällig, drohe ihm sogar eine Haftstrafe, mahnte die Richterin.

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