Frankenberg

Elegante Skier „made in Frankenberg“

- Frankenberg (-sg-). Die Sammlung des Kreisheimatmuseums ist um einige neue Stücke reicher geworden.

Seine elegant geschnittenen Bretter glitten durch den Schnee im Wintersportmekka Garmisch-Partenkirchen, waren aber auch auf heimischen Pisten zu finden: In seiner Schreinerei baute Karl Wicha nach dem Zweiten Weltkrieg Skier, die einen guten Ruf genossen. An dieses Kapitel der Frankenberger Wirtschaftsgeschichte erinnern sich heute nur noch Ältere – inzwischen gibt es aber Anschauungsmaterial im Kreisheimatmuseum: Die Familie Käufler hat einige Stücke übergeben, um sie für die Nachwelt zu erhalten. Stolz ist Museumsleiter Heiner Wittekindt auf die beiden „Skispitzenkrummbieger“, wie er die Holzblöcke genannt hat: Über heißem Wasserdampf geweichte Bretter wurden darin eingespannt, um ihnen die typische Ski-Rundung zu geben. Außerdem verfügt das Museum über verschiedene Muster vom Rohling bis zum fertigen Ski, lediglich die Bindung fehlt. Aber auf dem Lack prangt stets das Firmenlogo: ein Edelweiß, umgeben von dem Schriftzug „Wicha Frankenberg“. Als Flüchtling aus dem Riesengebirge war der Handwerker mit seiner Familie nach dem Krieg in die Stadt gekommen, an der Ederstraße übernahm er nahe der Wilhelmsbrücke die Stellmacherei Kesper. Neben Skiern stellte er auch Hörnerschlitten und Wagenräder her. Der Meister galt als ein Original. Heute erinnert fast nichts mehr an die Familie, Wicha hatte keine Kinder. Die Familie Käufler hatte ein paar Stücke aus der Werkstatt aufbewahrt. Als ihr Bekleidungsgeschäft in die Fußgänzerzone umzog, gab sie die ans Museum weiter, das im Wohntrakt des einstigen Nonnenklosters „Sankt Georgenberg“ untergebracht ist. Solche Geschichten zu den Museumsstücken zu sammeln, hat sich Wittekindt vorgenommen. Aber auch thematisch will er neue Schwerpunkte setzen. Einer könnte die Ehe sein. Erst kürzlich hat das Museum ein Hochzeitsbild aus dem Jahr 1905 als Dauerleihgabe erhalten. Auf ein Foto hatten Alma Simon und Ludwig Becker verzichtet, womöglich aus Kostengründen. Aber der Rahmen mit eingefasstem Glas und die Ausstattung mit vier kleinen Spiegeln sind aufwendig gestaltet. In dem Bild wurde auch der feine Myrte-Kranz aufbewahrt, den die Braut bei ihrer Hochzeit am 20. Juni getragen hat. Der passt gut zu einer Kohlezeichnung der Eheleute Happel des Malers Stöhr und zu zwei weiteren gerahmten Myrte-Kränzen, die im einstigen Speisesaal der Zisterzienserinnen präsentiert werden.

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