Nahwärme-Netz derzeit nicht wirtschaftlich

Ellershausen wird kein Bioenergiedorf

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Ellershausen wird auf absehbare Zeit kein Bioenergiedorf. Derzeit rechnet sich ein Nahwärmenetz nicht und macht auch ökologisch keinen Sinn – das ist das Ergebnis einer Studie der Firma Viessmann.Foto: Mark Adel

Frankenau-Ellershausen - Obwohl 99 Hausbesitzer ihr Interesse am Anschluss an ein Nahwärmenetz bekundet haben, ist die zentrale Energieversorgung nicht wirtschaftlich: Das ist das Ergebnis einer Studie, die Georg Stegemann von der Firma Viessmann am Montag in Ellershausen vorgestellt hat.

Der anfängliche Optimismus war am Montagabend im „Adligen Hof“ schnell verflogen: Die Mitglieder des Vereins „Bioenergiedorf Ellershausen“ haben seit mehr als einem Jahr beharrlich das Ziel verfolgt, ihr Dorf von fossilen Brennstoffen unabhängig zu machen. Doch ein Gutachten der Firma Viessmann hat für Ernüchterung gesorgt: Selbst wenn ein Großteil aller Haushalte angeschlossen würde, wäre der Betrieb einer zentralen Wärmestation im Dorf weder ökonomisch noch wirtschaftlich sinnvoll – zumindest nach dem derzeitigen Stand der Technik.

Vor einem Jahr hatte der Verein „Bioenergiedorf“, der inzwischen 30 Mitglieder hat, die Studie in Auftrag gegeben. Von insgesamt etwa 120 Haushalten haben 99 Eigentümer ihr Interesse bekundet. Dass Besitzer herkömmlicher Heizölkessel in den kommenden Jahren immer tiefer in die Tasche greifen müssen, daran ließ Viessmann-Mitarbeiter Georg Stegemann keinen Zweifel. Doch ein Nahwärmenetz in Ellershausen rechnet sich nicht. Der Betrieb einer Biogasanlage sei ziemlich schnell ausgeschlossen worden, berichtete er. Die Landwirte aus dem Ort und der näheren Umgebung könnten nicht ausreichend Biomasse zur Verfügung stellen. Möglich sei der Betrieb einer maximal 75 Kilowatt leistenden Biogasanlage. Die sei wegen ihrer zu geringen Größe unwirtschaftlich, sagte Stegemann. Deshalb sei der Fokus der Untersuchungen auf ein Nahwärmenetz mit Hausübergabestationen gelegt worden. Die Wärme sollte mit Pellets oder Holzhackschnitzeln erzeugt werden. Für Spitzenlasten, zum Beispiel im Winter, sollten zusätzlich in der Wärmezentrale Ölkessel laufen.

Entscheidend für den Betrieb eines Nahwärmenetzes, dass im Falle Ellershausens etwa vier Kilometer lang wäre, sei eine hohe Wärmedichte mit wenig Verlusten. Das ist im Dorf nicht gegeben – und da erfahrungsgemäß nicht alle 99 Interessenten auch letztendlich einen Anschluss ihres Hauses zustimmen würden, sinke diese Zahl weiter. Dann müsste Ellershausen auch auf eine Förderung in Höhe von 250?000 Euro verzichten, die die Nahwärmeversorgung noch unwirtschaftlicher mache. Insgesamt sind Kosten in Höhe von 2,5 Millionen Euro veranschlagt. Die Wärmeverluste lägen bei 30 Prozent: „Das ist deutlich zu hoch für einen effizienten Betrieb“, bedauerte Stegemann. „Wir können nach dem aktuellen Stand das Projekt nicht empfehlen.“

Besser waren auch nicht die Nachrichten von Stefan Kieweg von der Energie Waldeck-Frankenberg (EWF). Im Stadtgebiet von Frankenau sind im Regionalplan keine Flächen für Windkraftanlagen vorgesehen – und folglich auch keine Beteiligung des Vereins oder einer Genossenschaft. Einzige denkbare Möglichkeit sei derzeit das Projekt „Diemel-Solar“: Hausbesitzer installieren Photovoltaikanlagen, müssen jedoch keine Investition tätigen, sondern zahlen 20 Jahre lang eine konstante monatliche Pauschale. Dieses Angebot plant die EWF gemeinsam mit dem Stromkonzern RWE. Noch ist es aber nicht genehmigt.

Volker Schmidt vom Verein Bioenergiedorf Ellershausen kündigte an, dass der Verein weiter bestehen bleibe. „Vielleicht gibt es in fünf Jahren eine Technik, dass das komplett anders aussieht“, sagte er mit Blick auf das Gutachten. Denkbar sei auch eine „Insellösung“, bei der sich weniger Dorfbewohner zusammenschließen und ein Nahwärmenetz initiieren. „Wir werden das Thema im Auge behalten, wir lassen uns nicht entmutigen“, sagte er. Geplant sei unter anderem die Besichtigung des Viessmann-Solarparks in Bromskirchen.

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