Ampelfrau vor Einkaufszentrum

Emanzipation an Frankenberger Ampeln

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ARCHIV - Emanzipation an der Lichtsignalanlage: An einer Kreuzung in Hamm (Nordrhein-Westfalen) regelt eine Ampelfrau den Verkehr (undatiertes handout). Die Dortmunder Verwaltung soll nach dem Willen einiger Stadtpolitiker für mehr Gleichberechtigung an Fußgängerampeln sorgen. Grüne und SPD in der Bezirksvertretung Innenstadt-West fordern eine Umstellung von den berühmten Ampelmännchen auf Ampelfrauen. Foto: Stadt Hamm dpa/lnw +++(c) dpa - Bildfunk+++

Frankenberg - Längst hat der ostdeutsche Ampelmann Einzug an Frankenberger Kreuzungen gehalten. Nun bekommt er eine Schwester: Am neuen Einkaufszentrum Frankenberger Tor leuchtet für Fußgänger eine Frau.

Eine offizielle Frauenquote gibt es bislang nicht an heimischen Fußgängerampeln. Doch natürlich spielt in einer emanzipierten Stadt wie Frankenberg die Gleichberechtigung eine große Rolle. Und so kommt sie nun, die Ampelfrau, mit Rock und Zopf. Am 24. Februar wird sie feierlich enthüllt. Dass die roten und grünen Frauen zuerst ausgerechnet am Frankenberger Tor, also einem Einkaufszentrum, leuchten, ist übrigens Zufall.

Schon seit Längerem setzen sich in westdeutschen Städten immer mehr die ostdeutschen, aus DDR-Zeiten stammenden Ampelmänner durch. Sie sind etwas pummeliger und tragen einen Hut. „Grundsätzlich ist die ostdeutsche Version besser erkennbar“, sagt der städtische Pressesprecher Wolfgang Danzeglocke. Das bestätigt sogar eine Studie: Probanden konnten anhand der Form des Ost-Ampelmännchens besser die jeweilige Bedeutung „gehen“ oder „stehen“ erfassen als bei der West-Version.

Die Stadt habe deshalb bei der Neuinstallation der Ampel an der Eitzenhöfer-Kreuzung diese Variante gewählt, berichtet Danzeglocke weiter. Auch an der Kreuzung Ruhrstraße/Röddenauer Straße, also an der ehemaligen Ziegelei, leuchten schon länger sowohl Ost- als auch West-Ampelmänner.

Die Ost-Version ist in den vergangenen Jahrzehnten zum Kultobjekt avanciert und schmückt sogar T-Shirts und Tassen. Der Ost-Ampelmann zeichnet sich durch einen breiten Hut, große Nase und korpulenten Körperbau aus. Sein Kollege aus dem Westen kommt dagegen deutlich weniger verspielt daher: Schlank und nüchtern vermittelt er seine Botschaften.

1961 erfand der Verkehrspsychologe Karl Peglau das Ost-Ampelmännchen, das daraufhin in die Ampelanlagen der DDR Einzug hielt. Nach der Wiedervereinigung sollte der westdeutsche Kollege ihn eigentlich nach und nach ersetzen. Doch in der Bevölkerung kam es daraufhin zu Protesten. Das zeigte Wirkung: Das Ost-Ampelmännchen wurde schließlich in den Richtlinien für Lichtsignalanlagen als zulässiges Sinnbild aufgenommen. Seitdem erfreut es sich wachsender Beliebtheit - auch in den „alten“ Bundesländern.

Ende November 2004 wurde in Zwickau die erste Fußgängerampel eingeführt, die eine Ampelfrau zeigt. Weitere Ampelfrauen leuchten unter anderem in Dresden, Bremen, Werdau, Köln-Ehrenfeld, Erfurt, Magdeburg, Fürstenwalde und in Kassel.

Von Mark Adel

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