Vor 40 Jahren trat Geismar als letzter Frankenberger Ort der Gemeindereform bei

Ende der Selbstständigkeit

Frankenberger Stadtteil Geismar: Mit rund 1000 Einwohnern ist Geismar der drittgrößte Frankenberger Stadtteil. Vor 40 Jahren sprang der Ort als letztes Dorf auf den fahrenden Zug „Gemeindereform“ auf. Foto:  nh

Geismar. Fast auf den Tag genau vor 40 Jahren haben die damaligen Vertreter der Gemeinde Geismar den „Kommunalen Zusammenschluss“ mit der Stadt Frankenberg besiegelt – und zwar rückwirkend zum 1. Januar 1971. Damit ging im Bereich der Stadt Frankenberg der letzte Akt der damaligen Gemeindereform über die Bühne.

Die meisten der heutigen Frankenberger Stadtteile hatten diesen Schritt zum damaligen Zeitpunkt schon vollzogen. Mit der Unterschrift war auch die kommunale Selbstverwaltung in Geismar zu Ende – so wie auch in allen anderen kleinen Gemeinden. „Es war der Preis für den übertragenen Verwaltungsaufwand an die Stadt Frankenberg“, erinnert sich der Geismarer Gerhard Ködding.

Zur Erinnerung: 1967 hatte das Land Hessen eine Gemeindereform angekündigt. Kleine Gemeinden sollten sich zu größeren Verwaltungseinheiten von 5000 bis 10 000 Einwohnern zusammenschließen. Die meisten Gemeinden lehnten dies aber ab, weil sie dadurch ihre Selbstständigkeit verloren. Darum lockte das Land mit erhöhten Geldzuweisungen bis zum Jahresende 1970.

Viele Versprechungen

Durch die Unterschrift vor jetzt vier Jahrzehnten sprang die Gemeinde Geismar praktisch in letzter Minute auf den fahrenden Zug „Gemeindereform“ auf – auch um die versprochenen Zuschüsse zu bekommen. „Den Gemeinden waren vom Land unter anderem schöne Dorfgemeinschaftshäuser, Schwimmbäder und neue Straßen versprochen worden“, weiß Gerhard Ködding noch zu berichten. Sein Vater Johannes Ködding war damals Bürgermeister in Geismar. Johannes Ködding, der letzte Bürgermeister der selbstständigen Gemeinde Geismar, verstarb 2000 im Alter von 92 Jahren.

„Sogar die Ortsnamen an den Dorfeingangsschildern wurden zugunsten der neuen Stadtverwaltungen geändert“, erzählt Gerhard Ködding: „Die Postanschriften der Einwohner bekamen den Namen des Verwaltungsortes, anstelle der Gemeindevertreter gab es fortan Ortsbeiräte.“

Die Menschen in den Dörfern gewöhnten sich allerdings schnell an die zentrale Verwaltung: „Ohne die Reform hätten wir wohl heute noch ehrenamtliche Bürgermeister und Gemeindevertreter. Die meisten Gemeinden hätten sicherlich kein Dorfgemeinschaftshaus, Veranstaltungen müssten im Dorfgasthaus stattfinden, und auch die Ausrüstung der Feuerwehren wäre wahrscheinlich nicht so gut wie heute“, sagt Gerhard Ködding.

Rad nicht zurückdrehen

Er ist auch der Meinung, dass die ehrenamtlichen Bürgermeister die heutigen Verwaltungsarbeiten nebenberuflich wohl kaum schaffen könnten. „Die Mehrheit der Menschen in den Dörfern will das Rad nicht wieder zurückdrehen“, meint Gerhard Ködding. Etwas mehr Selbstbestimmung wäre aber sicher möglich und wohl auch sinnvoll. (mjx)

Quelle: HNA

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