Jason-Unternehmensgruppe übernimmt Wunsiedler Trennscheiben-Spezialist Dronco

Endlich komplett

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Übernahme im Sinne einer gedeihlichen gemeinsamen Zukunft: Osborn-Geschäftsführer Albrecht Teich mit seinem Vertriebsleiter Christian J. Dilger und den beiden Dronco-Geschäftsführern Stephan Coester und Manfred Eisenberger (v.l.).Foto: Malte Glotz

Burgwald - In der Metall-Bearbeitung ist Osborn Marktführer im Bereich des Bürsten- und Poliergeschäfts. Durch die Übernahme von Dronco komplettiert das Unternehmen sein Portfolio um Trennscheiben.

Da haben sich zwei gefunden – oder vielmehr: vier. Osborn-Geschäftsführer Albrecht Teich und sein Vertriebsleiter Christian Dilger strahlen. Ebenso Stephan Coester und Manfred Eisenberger. Die beiden sind eigens aus Wunsiedel in Oberfranken angereist. Sie führen die Geschäfte von Dronco – seit dem 1. Juni eine Osborn-Tochter. Meist sind Übernahmen ein heikles Thema – Standorte, Arbeitsplätze, Markennamen spielen immer eine Rolle, meist eine emotionale. Doch die vier versichern: In diesem Fall geht es um Wert- und Umsatzsteigerungen, den Erhalt und langfristig möglicherweise den Ausbau von Arbeitsplätzen.

„Osborn befindet sich seit Jahren in der Veränderung“, sagt Geschäftsführer Teich. Der letzte große Schritt sei der Börsengang der Muttergesellschaft „Jason Industries“ (siehe Hintergrundim Sommer vergangenen Jahres gewesen. Bereits damals hatte es aus dem Unternehmen geheißen, das eingenommene Geld solle auch für strategische Übernahmen genutzt werden. Aus Anleger-Perspektive entwickelte sich der Aktienkurs zwar nicht optimal, doch wurde das Kapital wie angekündigt eingesetzt: „Organisches Wachstum ist in den gesättigten westlichen Märkten schwer umzusetzen“, erklärt Dilger. Also soll Wachstum aus Akquise und Synergie entstehen – Dronco bot sich laut Teich als idealer Kandidat an.

Partner in wirtschaftlich schwieriger Phase

Dronco gehört nach eigener Darstellung zu den führenden Schleifmittel- und Trennscheibenherstellern in Europa und verkauft seine Produkte in gut 100 Länder. Die Produktpalette des Unternehmens aus Wunsiedel im Fichtelgebirge umfasst Trenn-, Schleif- und Schruppscheiben, Fächerschleifscheiben, Diamant-Trennscheiben und keramisch gebundene Schleifmittel. Diese genießen „dank ihrer Hochwertigkeit einen hervorragenden Ruf unter Anwendern aus Industrie, Handwerk und anspruchsvollen Heimwerkern“, heißt es in der Eigendarstellung auf der Internetseite des Unternehmens. Dronco wurde 1962 gegründet und hat neben seinem Sitz in Wunsiedel Vertriebsgesellschaften in Frankreich, Großbritannien und in Schweden.

Insgesamt beschäftigt das bayerische Unternehmen rund 300 Mitarbeiter – also in etwa so viele wie Osborn in Burgwald. Das Stammwerk in Wunsiedel produziert täglich rund 200000 Trenn- und Schruppscheiben, 40000 Fächerschleifscheiben und 6500 Diamantsegmente.

In der Wirtschaftskrise rutsche das Unternehmen in Schieflage – und geriet laut Geschäftsführer Stephan Coester an die Richtigen: Die Kapitalgesellschaft CMP kaufte Dronco, weil es dessen Potential erkannte. „Wir konnten lange geplante Modernisierungen endlich umsetzen“, erklärt Coester. Und eigentlich sei ein so früher Weiterverkauf auch noch gar nicht vorgesehen gewesen. Doch Osborn sei der ideale Partner – und deshalb passe auch der Zeitpunkt der Übernahme.

Diese hat die „Jason Finishing Group“ rund 42 Millionen Dollar gekostet – umgerechnet gut 37 Millionen Euro. Etwa ein Viertel davon wird durch die Übernahme offener Verpflichtungen ausgeglichen. Die Folge: Sowohl Osborn als auch Dronco können zukünftig vom Abtrennen des Metalle von großen Rollen bis zum groben und schließlich dem feinen Bearbeiten jeden Schritt aus einer Hand anbieten. Dronco ist zudem stark im Hand- und Heimwerker-Markt vertreten, verkauft Produkte unter eigenem Namen wie auch als No-Name-Produkte in Baumärkten. „Dort sind wir mit Osborn nicht so stark vertreten“, erläutert Teich.

Arbeitsplätze an beiden Standorten bleiben erhalten

Doch man ergänzt sich auch in anderen Bereichen: „Osborn ist stark in Osteuropa, in den USA und Südamerika – ich bezweifle, dass es sinnvoll ist, Dronco dort überhaupt einzuführen“, sagt Coester: Die unterschiedlichen weltweiten Vertriebsschwerpunkte sollen helfen, alle Produkte der gewachsenen „Jason Finishing Group“ auf den Markt zu bringen. Da die Marken etabliert sind, sollen sie auch erhalten werden – Details der Markenführung müssen noch ausgehandelt werden.

„Das klare Ziel ist: Wachstum“, sagt Osborn-Vertriebschef Dilger. Deshalb gelte für die Produktionsstandorte: Sorgen um seinen Arbeitsplatz muss sich niemand machen. Das, ergänzt Coester, sei für ihn von entscheidender Bedeutung gewesen, sich dem Burgwalder Weltmarktführer anzuvertrauen.

Hintergrund

Die „Jason Finishing Group“ ist eine von vier Unternehmensbereichen von „Jason Industries“ aus Milwaukee, Wisconsin in den USA – Osborn ist der Hauptsitz für die „Finishing Group“. Der Zweig stellt Bürsten und Polierwerkzeuge her und hat rund 1200 Mitarbeiter in 14 Ländern sowie 300 Arbeiter in China und Taiwan. In Burgwald hat Osborn 310 Mitarbeiter, davon rund zehn Prozent Auszubildende. Der zweite Geschäftsbereich der Jason-Gruppe befasst sich mit der Herstellung von Sitzen. Seit 1934 liefert das Unternehmen Sitze für Harley Davidson, hinzu kommen Sitze für John Deere. Der dritte Unternehmenszweig liefert akustisches Dämmmaterial für die Automobilindustrie. Der vierte Bereich der weltweit tätigen Gruppe befasst sich mit Metallverarbeitung und stellt etwa Laufbleche her. Innerhalb der Jason-Unternehmensgruppe hat die „Jason Finishing Group“ die meisten Mitarbeiter. Zudem erwirtschaftet sie den zweitgrößten Umsatz des Konzerns: Osborn Deutschland macht einen Umsatz von gut 51 Millionen Euro im Jahr. (pk)

Von Malte Glotz

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