Energetischer Weg in Zukunft

+

Frankenberg - Wie in öffentlichen Gebäuden Energie und Geld gespart werden können, zeigen Hans-Viessmann-Schüler bei der Umsetzung eines preisgekrönten Projektes.

Es war ein riesiger Erfolg für die Hans-Viessmann-Schule, als eine Klasse der Fachschule für Umweltschutztechnik mit ihrem Projekt, die Schule energieeffizienter zu machen, einen großen Preis abstaubte. 50000 Euro gab es im Jahr 2012 für den ersten Platz beim Wettbewerb „Klima & Co.“, dem höchstdotierten Umweltschutzpreis für Schulen in Deutschland. Zum ausgiebigen Feiern konnten die Schüler das Geld allerdings nicht nutzen, denn die Auszahlung hatte einen Haken: Sie war an die Umsetzung des Projektes gekoppelt.

Weil die siegreichen Schüler mittlerweile ihren Abschluss in der Tasche haben, durften am Mittwoch in der Heizungszentrale der Schule ihre Nachfolger präsentieren, was sich in den vergangenen Monaten getan hat - und das ist einiges. Die Schüler haben ein fein austariertes System aus einem kleinen Grundlastkessel, einem Brennwertkessel für die Spitzenlast sowie zu guter Letzt eines weiteren Pelletofens für schulische Zwecke entwickelt. Sensoren an bedeutenden Punkten messen die Temperaturen im Gebäude, in den Heizkreisläufen, im Außenbereich - und erlauben so eine zielgenaue elektronische Steuerung der gesamten Anlage. Die erzeugt darüber hinaus nicht nur Wärme, sondern auch eine geringe Menge an Strom - der dafür sorgt, dass die Schule jährlich rund 1350 Euro an Energiekosten einspart.

Lob von Martin Viessmann

Die verwendeten Anlagen stammen allesamt aus Allendorf. So war auch Prof. Dr. Martin Viessmann selbst zur Präsentation eingeladen. Er lobt nicht nur die siegreichen Schüler des vorangegangenen Jahrgangs, sondern auch jene, die am Mittwoch für die Präsentation verantwortlich waren.

Sie betreuten das Projekt - neben Fachfirmen, die die Installation übernahmen. „Diese Präsentation zeigt eindrücklich, dass der Preis zu Recht gewonnen wurde“, sagte der Unternehmer. Oft sei es einfacher, etwas zu konzipieren, als es dann tatsächlich in die Realität umzusetzen. In diesem Fall sei beides gelungen. Der Preis bestätige darüber hinaus die Bedeutung der Berufsschule im Bereich der Umwelttechnik. Sie sei „ein Partner von herausragender Bedeutung in der Region“ für die ansässigen Unternehmen. Sowohl mit Blick auf den Umweltschutz wie den demografischen Wandel sagte Viessmann: „Große Herausforderungen bedürfen großer Anstrengungen.“ Dort habe die heimische Berufsschule stets die Rolle des Vorreiters übernommen - wie der Preis zeige.

Er ging aber auch auf das dem Preis zugrundeliegende Problem ein: den Energieverbrauch. „Heute verbraucht die Menschheit in einem Jahr so viele fossile Energien, wie in einer Million Jahre entstanden sind“, zeigte er die Dimensionen auf. Auch mit seinem Unternehmen strebe er danach, „Wachstum durch intelligente Wertschöpfung auf Basis hocheffizienter Ressourcenverwertung“ zu erzeugen. Denn der Wärmemarkt sei der größte Energieverbraucher in Deutschland. Die Schüler hätten gezeigt, wie diese Herausforderung angegangen werden könne.

Lob kam auch aus dem Kreishaus. Erster Kreisbeigeordneter Jens Deutschendorf sagte, er sehe gerade im Einsparen von Energie großes Potenzial. Das Unternehmen Viessmann und die Hans-Viessmann-Schule hätten in diesem Bereich große Kompetenzen. Deshalb habe der Kreis als Schulträger und Eigentümer des Gebäudes auch nicht gezögert, das Preisgeld aufzustocken, da es für die Umsetzung nicht vollends reichte. „Jeder hat sich mit seinen Stärken eingebracht“, lobte Deutschendorf: Schüler und Schule, das Allendorfer Unternehmen, der Eigenbetrieb Gebäudemanagement des Landkreises. Bürgermeister Rüdiger Heß nannte das Projekt einen Bestandteil einer dezentralen Energieversorgung, die gegenüber Großprojekten wie etwa der Stromtrasse „Südlink“ vorzuziehen sei.

Zusammenarbeit mit Kreis

Prof. Dr. Martin Viessmann war von dem Projekt so überzeugt, dass er dem Ersten Kreisbeigeordneten eine Zusammenarbeit vorschlug. „So etwas wie hier wäre flächendeckend möglich, wenn die Politik die Rahmenbedingungen schafft“ sagte er und brachte die Idee auf, aus dem Landkreis ein „Leuchtturmprojekt“ zu machen. „Wir stehen dazu gerne zur Verfügung“, sagte er mit Blick auf den Kreisbeigeordneten.

Auch unter diesem Eindruck bezeichnete Schulleiter Carsten Placht das Projekt als „Mehrwert für alle Beteiligten“. Denn es dient nicht nur dem Umweltschutz und dem Sparen, sondern künftigen Schülern auch zum Lernen.

Wie positiv sich derartige Projekte auswirken können, zeigt das Beispiel Nico Wirth. Er gehörte zur Siegerklasse des Jahres 2012 - und hat es durch diese Leistung und sein erworbenes Wissen zum Energiemanager des Eigenbetriebs Gebäudemanagement geschafft.

Kommentare