Firma produziert auch Wärme selbst

Der Energiewende-Pionier: Viessmann setzt auf nachwachsende Rohstoffe

Herr der Biomasse bei Viessmann: Diplomforstwirt Hans-Moritz von Harling. Unser Foto zeigt ihn an der Methanisierungsanlage. Im Hintergrund ist eine der beiden Biogasanlagen (Trockenfermentation) zu sehen. Foto: Pinto

Der Heiz- und Kühltechnik-Hersteller Viessmann ist nicht nur der wichtigste Arbeitgeber im Kreis Waldeck-Frankenberg, sondern auch ein Pionier der Energiewende.

Alle reden von der Energiewende – in Allendorf / Eder im Landkreis Waldeck-Frankenberg wird sie seit vielen Jahren gelebt. Fernab von wirtschaftlichen Zentren und Forschungseinrichtungen, unweit des Rothaargebirges und der nordrhein-westfälischen Landesgrenze erheben sich auf 50 Hektar Fläche (62 Fußballfelder) die architektonisch anspruchsvollen Viessmann-Werke: Sitz, Entwicklungszentrum und mit zwei Fabriken Hauptproduktionsstandort des gleichnamigen, weltweit tätigen Heiz- und Kühltechnik-Herstellers und Kraftwerkbauers.

Die politischen Energieziele bis 2050 – 80 Prozent weniger Kohlendioxid-Ausstoß (CO2), 70 Prozent weniger fossile Brennstoffe und 60 Prozent Erneuerbare-Energien-Anteil – haben die Viessmänner längst erreicht, und die Reise, die das Familienunternehmen in dritter Generation vor zehn Jahren angetreten hat, geht weiter. Den gesamten Wärmebedarf deckt der Standort mit 4200 Beschäftigten bereits selbst, 80 Prozent davon mit nachwachsenden Rohstoffen – mit einem Kraftwerk, das mit Holzhackschnitzeln aus Pappeln aus eigenem Anbau auf 170 Hektar eigener Fläche im landwirtschaftlich geprägten Umfeld betrieben wird.

Hinzu kommen zwei Biogasanlagen, die mit Biomasse aus der Region gefüttert werden sowie eine Methanisierungsanlage zur Wandlung von überschüssigem Ökostrom in Gas. Seinen Strombedarf deckt Viessmann zu 15 Prozent selbst, den Löwenanteil kauft das Unternehmen zu – und zwar Ökostrom. Rein rechnerisch summiert sich die selbst erzeugte Wärme auf den Jahresbedarf von gut 1000, beim Strom sogar von 1700 Drei-Personen-Haushalten. „Damit beweisen wir nicht nur, dass die Energiewende technisch möglich, sondern auch wirtschaftlich sinnvoll ist“, sagt der Generalbevollmächtigte der Gruppe, Manfred Greis. Weil die Politik den Viessmännern nicht beherzt genug und beständig war und die Energiewende zu sehr auf den Strommarkt beschränkt, hat das Unternehmen vor zehn Jahren die eigene Wende eingeleitet, zu der auch die konsequente Energieeffizienz in allen Bereichen gehört. Bei Viessmann wird nicht nur von Nachhaltigkeit gesprochen. Sie ist allgegenwärtig. Die Recycling-Quote aller „Produktionsabfälle“ liegt bei 99 Prozent. „Der Dreiklang von Ökonomie, Ökologie und sozialer Verantwortung ist kein Widerspruch, sondern gelebter Alltag“, erklärt Greis.

Viessmann baut Heizgeräte auf Öl-, Gas-, Biomasse- und Solarthermie-Basis, Wärmepumpen, Biogasanlagen, Blockheiz- und industrielle Großkraftwerke sowie gewerbliche Kühltechnik und -theken für den Lebensmittelhandel, Gastronomie und Großküchen.

Das Unternehmen ist nach eigenen Angaben mit 24 Produktionsstandorten und Vertretungen in 74 Ländern einer der weltweit führenden Heiz- und Kühltechnik-Hersteller und der Anbieter mit der breitesten Produktpalette. Die Exportquote liegt bei 56 Prozent – als der heutige Unternehmenschef, Dr. Martin Viessmann, 1979 eintrat, waren es nur zehn Prozent.

Lesen Sie in der gedruckten Ausgabe am Mittwoch außerdem:

- Pilotanlage wandelt Strom in Biogas 

- Aus Mais, Gras und Rindermist wird Methan

- Die Geschichte des Unternehmens

- Gas aus Allerlei für das Heizkraftwerk

- Obstschalen in blitzeblanker Halle - Heiztechnik-Werk arbeitet auf Bestellung

Quelle: HNA

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