Frankenberger Kreiskrankenhaus

Entspannt aber zielstrebig an die Eder

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Tritt entspannt auf und bringt neue Technik, neue Methoden mit in das Frankenberger Kreiskrankenhaus: Der Internist Dr. Thomas Ludolph ist neuer Chefarzt am Klinikum.Foto: Malte Glotz

Frankenberg - Münster, Skien, Frankenberg: Thomas Ludolph hat in seiner medizinischen Karriere schon einige Stationen hinter sich. In der Ederstadt tritt er das Erbe von Harald Schmid an. Er will vieles ähnlich machen - aber dennoch einiges verändern.

Entspannt – wenn es ein Wort gibt, dass Thomas Ludolph umschreibt, dann das Wort entspannt. Nicht, dass er abwesend oder einschläfernd wirken würde, sondern im besten Wortsinne: entspannt. Er ist ruhig, überlegt – kein Hektiker. Und er benutzt dieses Wort gerne. Es scheint, die Lebenseinstellung des neuen Chefarzt am Frankenberger Kreiskrankenhaus zu umschreiben: „Ich bin in Norwegen entspannter geworden“, sagt er.

Norwegen – Ludolph zog vor einem Jahr aus der Region Telemark – genauer: aus der 52000-Seelen-Stadt Skien – nach Frankenberg. „Ich fühlte mich hier gleich wohl“, sagt er. Er ist ein weitgereister Mann. Seine Wurzeln liegen in Bad Pyrmont. Sein Vater war Internist, drei seiner fünf Geschwister wurden ebenfalls Ärzte: „Wir haben gemerkt, dass unser Vater einem Beruf nachgeht, der ihm Spaß macht und der hilft“, erinnert sich der Zweitälteste der sechs Geschwister. Zum Studium zog es ihn über die niedersächsisch-westfälische Grenze nach Münster. In der Universitätsstadt studierte er erst bis zum Vordiplom Chemie, dann endlich Medizin.

Die Heimat von Günther Jauch und Franka Potente muss bei ihm Eindruck hinterlassen haben: Er bleib 33 Jahre. Im Jahre 1990 kam er in die Innere Medizin des St.-Franziskus-Klinikums, von 1996 war er in der Gastroenterologie tätig. Oberarzt wurde er 1993.

Doch er wollte mehr oder doch zumindest etwas anderes: „Wenn wir etwas anders machen, dann machen wir es richtig anders“, habe er 2006 zu seiner Frau gesagt – den gesamten Hausstand gepackt, darunter zwei Pferde und die Töchter: anderthalb Jahre und vier Wochen alt. Er wurde Oberarzt in Norwegen, ebenso wie seine Gattin.

„Dort hat man weniger Arbeitsbelastung bei gleichem Gehalt wie in Deutschland“, sagt er. Er sah seine Töchter aufwachsen und er genoss es, Zeit mit ihnen zu verbringen: „Ich habe heute ein ausgezeichnetes Verhältnis“, sagt er über die sechs und sieben Jahre jungen Damen – sie seien die Basis für sein ganzes Leben. Vor allem in Norwegen habe er gelernt, zu entspannen: „Die Norweger lassen sich nicht so antreiben“, berichtet der neue Chefarzt. „Dort fahren die Leute 100 und das lässt sich auf das ganze Leben übertragen“, er sei gelassener geworden und nicht so schnell aus der Ruhe zu bringen: „Man muss nicht gleich wie ein HB-Männchen ausrasten“. Den Schwerpunkt Familie habe er dort erst schätzen gelernt: „Ich bereue es nicht, dass wir dorthin gegangen sind“.

Doch irgendwann sei er an eine Grenze gestoßen: „Wir wollten uns beruflich weiterentwickeln, gerade meine Ehefrau. Doch die Ziele, die wir hatten, haben sie uns verwehrt“, berichtet er ohne das Verbitterung in seiner Stimme liegt. Den Chefarzt der Frankenberger Chirurgie, Dr. Alfred Cassebaum, hatte er in den Norwegen-Jahren kennengelernt. Der berichtete ihn von einem kleinen, familiären Krankenhaus in öffentlicher Trägerschaft, gelegen in einem beschaulichen Städtchen. Am 1. Juli 2011 trat Ludolph seinen Dienst in Frankenberg an, zunächst als Oberarzt bei Dr. Harald Schmid. „Das war gut, um das Haus, die Kollegen, die Mitarbeiter, die Schwestern kennenzulernen“, sagt Ludolph.

Der Weg zurück nach Deutschland sei ihm dennoch nicht leicht gefallen, gesteht er. „Ich habe auf dem Schiff gestanden und geheult“ – leichter nahm es seine Familie. „Besonders für meine Töchter war das der richtige Schritt. Wären sie erst einmal 16 gewesen, hätten sie aus Norwegen nicht mehr weg gewollt“, ist sich der Internist sicher.

Schnell lebte er sich im Krankenhaus und in Frankenberg ein. Er schätze die Menschen – und die Natur: „Wir waren auch in Norwegen viel draußen: Wandern, Skifahren“ – all das sei auch in der Region möglich. Zudem hat er viele Kontakte, Freunde, Bekannte in der Gegend, besonders im Waldecker Raum. „Es war schon so ein bisschen, wie nach Hause zu kommen“, sagt Ludolph.

Doch er wäre nicht gekommen, sähe er nicht auch Perspektiven für sich und das Krankenhaus: „Dr. Schmid hat hier vieles geleistet, das ist eine hervorragende Basis, um darauf aufzubauen“, sagt er. Ludolph hat sich auf die Gastroenterologie spezialisiert und in seinem Jahr seit Dienstantritt bereits die Endo-Sonographie, also den Ultraschall von Innen, sowie den Kontrastmittel-Ultraschall eingeführt. „Ich habe in meinem Leben sicherlich 50000 Ultra-Schall Untersuchungen gemacht“, sagt der Arzt. Er ist überzeugt davon, dass dieser Ansatz meist bessere Resultates bringe, als etwa eine Kernspin-Tomographie. Deshalb will er diesen Bereich ausbauen – das Krankenhaus soll eine neue Enterologie bekommen, die alte weicht dem Kernspin.

Auch in die Ausbildung will Ludolph investieren. „Da ist in den vergangenen Jahren viel liegengeblieben“, sagt der neue Chefarzt und er will das nicht als Kritik an Harald Schmid verstanden wissen. „Wir haben Glück, weil wir Ärzte aus Marburg bekommen und Lehrkrankenhaus sind“ – dieses Potenzial gelte es zu binden: „Diese Leute haben ein Recht auf eine gute Ausbildung“. Wichtig aber sei nicht nur fachliche Kompetenz, sondern auch soziale: „Der Patient erkennt nicht, was ein Arzt fachlich kann – wohl aber, ob er freundlich ist.“ Dr. Thomas Ludolph ist freundlich.

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