Wiesenfeld

Erbaut, verfallen und wieder renoviert

- Burgwald-Wiesenfeld (sr). Vor 750 Jahren baute der Johanniterorden in Wiesenfeld eine Kirche. Das Jubiläum des Gotteshauses wird am Sonntag, 12. September mit einem Festgottesdienst gefeiert.

Im Jahr 1231 legte der Johanniterorden eine kleine Niederlassung in Wiesenfeld an, weil das Dorf verkehrsgünstig an der alten Siegener Straße und Bremer Straße lag. Hauptaufgabe des geistlichen Ritterordens war die Krankenpflege. In den ersten Jahrzehnten hatten die Johanniter viel zu tun: Sie fällten Bäume, bauten Häuser, rodeten Land und bauten eine Kirche. Um 1260 war die einschiffige frühgotische Kirche fertig gestellt. Der fünfgeschossige Turm war als Wehrturm gebaut und diente in Kriegs- und Notzeiten dem Schutz und der Verteidigung. In der Kirche gab es früher mehrere Altäre. Der Hauptaltar war dem Ordenspatron der Johanniter Johannes dem Täufer geweiht. An den anderen Altären wurden katholische Heilige verehrt. Hinter der Kirche legten die Johanniter einen Kräutergarten an. Diese Tradition wurde 1990 wieder aufgegriffen. Im 15. Jahrhundert war die Wiesenfelder Kirche auch eine Pilgerkirche. Zahlreiche Gläubige leisteten hier ihren Ablass. Im Zuge der Reformation mussten die Johanniter 1527 Wiesenfeld verlassen. Die Gebäude und Ländereien wurden vom hessischen Landgrafen Philipp dem Großmütigen verpfändet. Die ehemals stolze Kirche verfiel und wurde als Stall und Fruchtboden zweckentfremdet. Fenster wurden zugemauert, Gewölbe stürzten ein – die Kirche befand sich bald in einem armseligen Zustand. Der totale Verfall des Gotteshauses wurde durch die Hugenotten aufgehalten, die 1721 in die Region kamen. Zehn Familien siedelten zuerst in einem abgelegenen Waldtal nahe Wiesenfeld und feierten in einer Scheune ihre Gottesdienste. Dort bauten sie 1732 auch eine kleine, schlicht eingerichtete Kirche. 1755 erfolgte der Umzug nach Wiesenfeld. Weitere Familien aus dem französisch-reformierten Todenhausen bei Wetter kamen hinzu. Ihre ersten Gottesdienste feierten die Hugenotten auf dem Fruchtboden der Johanniterkirche. 1765 erneuerten sie das Dachgebälk. Am 15. Dezember im gleichen Jahr weihte Pfarrer Mulot die Kirche mit einem Abendmahlsgottesdienst ein. Im Jahr 1783 erhielt die Johanniterkirche zwei Glocken. Finanziert wurden sie durch eine Spende des damaligen Pfarrers Theobald. Eine der Glocken hängt noch heute im Turm, die andere wurde 1917 für Kriegszwecke beschlagnahmt. 1926 stiftete Charles Louis Beck, ein in Amerika lebender Wiesenfelder, eine neue Glocke, die noch heute erklingt. In den Jahren 1906 bis 1908 erfolgte eine Grundsanierung der Kirche. Der Boden wurde vom Geröll befreit, die Fenster entmauert und das Gewölbe in der ursprünglichen gotischen Form wieder hergestellt. Der Chorraum erhielt drei farbige Fenster. Ein kaiserliches Gnadengeschenk von 3000 Euro und viele Hand- und Spanndienste der Wiesenfelder ermöglichten die Bau­arbeiten. Der Frankenberger Landrat Friedrich Riesch hatte sich als Mitglied des Berliner Landtages dafür eingesetzt. Eine Gedenktafel ist bis heute im Vorraum zu sehen. Bei der Einweihungsfeier zogen die Schulkinder in einem Festzug zur Kirche. Pfarrer Heckmann beschrieb die Bedeutung der Kirche: „Der zum Himmel aufragende Turm möge den Verzagten und Mutlosen ein Zeichen der Aufrichtung sein, am Altare mögen sich die Mühseligen und Beladenen erquicken, die Orgel möge nie aufhören, Gottes Lob zu verkünden, und von der Kanzel möge das alte teure Wort Gottes lautet und rein verkündet werden“. Im Jahr 1969 erfolgte die nächste Renovierung. Die Orgelempore und das Pfarrgestühl wurden entfernt, um das gotische Bild des Innenraumes wieder herzustellen. Eine neue Orgel wurde angeschafft. 1977 bauten die Wiesenfelder in den dicken Mauern des Wehrturms ein „Turmstübchen“ ein. Dort finden heute Kirchenvorstandssitzungen, Frauenkreistreffen, Kindergottesdienste und Jungscharstunden statt. 1983 erhielten die hohen Fenster des Kirchenschiffes eine neue Bleiverglasung. Ein Jahr später folgte die neue Rosettenverglasung im Westgiebel. Der siebenarmige Leuchter aus der jüdischen Synagoge ist eine Anschaffung der 70er Jahre. Die Osterkerze, das Kreuz auf dem Altar, der Blumenschmuck und das grüne Taufbecken stammen aus den 80er Jahren. Sie zeigen den Wandel der Tradition, denn die reformierten Gottesdienste der Hugenotten wurden schlichter gefeiert. Neben dem Altar im Chorraum befinde sich eine Tür, durch die Johanniter einst ihr Gotteshaus betraten. Heute führt sie in die Sakristei und in den Wehrturm. Ein kleines Bild mit den zehn Geboten in französischer Sprache erinnert an die Hugenottenzeit in Wiesenfeld. Wer zur Decke des Chorraumes der Kirche blickt, sieht dort mehrere Schlusssteine, von denen einer eine Taube als Symbol des Heiligen Geistes zeigt.

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