Fortbildung ist geplant

Feuerwehren: Erfahrungen mit Elektroautos fehlen noch

Battenberg. Zu erkennen, ob in einem Autounfall ein Elektroauto oder ein Auto mit herkömmlichen Verbrennungsmotor verwickelt ist, stellt für Feuerwehrleute eine Herausforderung dar.

„A und O der Wehr ist, sich am Unfallort erst zu erkundigen und dann zu handeln“, erklärt Bernhard Richter, Zweiter Wehrführer der Feuerwehr Battenberg. Deshalb würde es der Feuerwehrmann begrüßen, wenn Elektroautos eindeutig gekennzeichnet würden. „Ein E im Kennzeichen oder ein Aufkleber in Form eines Blitzes für Hochspannung wären wünschenswert.“

Die Gefahren bei einem brennenden Auto mit Benzin-, Diesel- oder Gasantrieb sind Feuerwehrleuten hinlänglich bekannt. Die eines Elektroautos dagegen weniger. „Wir haben noch keine Erfahrungswerte“, räumt Richter ein. „Unsere Battenberger Wehr erhält aber zeitnah eine Unterweisung zum Elektroauto. Eine grundsätzliche Pflicht, dass sich die Feuerwehren in diesem Thema fortbilden müssen, ist mir nicht bekannt“, erklärt Richter. Der Umgang mit einem verunglückten Elektroauto sei zwar nicht per se gefährlicher als bei einem herkömmlichen Auto. Man sollte aber gewisse Grundregeln beachten, sagt Jens Schneider, Kfz-Mechatroniker beim Opel-Autohaus Biebighäuser und Elektrotechnische Fachkraft für Elektroautos der Rüsselsheimer Automarke.

Schneider erklärt Feuerwehrleuten der Region in Seminaren, was sie im Notfall bei einem Elektroauto beachten müssen. „Erstmal liegt’s an mir, Vorurteile und unbegründete Ängste abzubauen“, sagt Schneider. Denn: Die Technik der Elektroautos sei gut abgesichert. Zahlreiche „Schütze“ – Schutzbarrieren in der Fahrzeugelektronik ähnlich dem FI-Schalter – kontrollieren den Elektroantrieb und machen dicht, sobald ein Fehler erkannt werde. Für die Rettungskräfte – zeigt Schneider am Opel Ampera – sind Aufkleber am Fahrzeug angebracht, die die Spannung des Fahrzeugs und Trennstellen anzeigen. Die sogenannte Trennstelle gibt der Feuerwehr die Möglichkeit, mit einem Schnitt den Stromkreis zu unterbrechen.

„Hier muss sich die Feuerwehr aber die Zeit nehmen, jene Markierungen zu suchen“, sagt Bernhard Richter. Denn für die Einsatzkräfte sei besonders wichtig, dass solch ein Auto stromlos ist. Auch wenn die Gefahr eines Stromschlags nicht besteht, wie Schneider erklärt. „Die Sensorik erkennt, ob ein Unfall passiert ist, und nimmt den Strom weg. Außerdem sind Autos nicht geerdet.“

Auch die Brandgefahr bei Elektroautos sei gering: „Das Wasser zur Kühlung der Autobatterien wird bei einem heftigen Unfall abgelassen“, so Schneider. Defekte Zellen einer Batterie gerieten daher nicht in Kontakt mit Wasser – was durch eine chemische Reaktion einen Brand zur Folge haben könnte.

Den Brand selbst, weiß Richter bereits, löscht die Feuerwehr mit CO2- und Pulver-Löschern. „Wenn aber Menschen im Auto sind, müssen wir Wasser einsetzen“, sagt der Zweite Wehrführer. Durch die Kühlung der noch nicht brennenden Zellen werde der Brand verzögert – das schaffe Zeit für die Rettung.

Von Alexander Koch

Quelle: HNA

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