Musik-Abiturienten der Edertalschule präsentieren Ergebnisse ihrer fachpraktischen Prüfungen

Erfolgreiche „Konzert-Werkstatt“

Orchester trifft Rock-Band: Abiturient Philipp Sander hatte einen Heavy-Metal-Song arrangiert, eingeprobt und beim Konzertabend dann auch dirigiert.

Frankenberg - Nur wenige Tage nach den Schulkonzerten fand ein weiteres, ganz besonderes Konzert in der Kulturhalle statt. Neun Abiturienten des Leistungskurses Musik (Tutorium Markus Wagener) stellten ein abendfüllendes Programm mit den Ergebnissen ihrer fachpraktischen Prüfungen zusammen.

Frankenberg. Um es gleich vorwegzunehmen: Die Ergebnisse konnten sich mehr als sehen lassen.

Gerade erst haben die jungen Leute ihre schriftlichen Abiturprüfungen hinter sich und die im Schulorchester lange geübten und geprobten Stücke für die Schulkonzerte über die Bühne gebracht. Noch stecken sie im laufenden Unterricht und mitten im Lernen fürs mündliche Abitur, schon stehen sie alle wieder auf der Bühne. Als Kurs haben sie das Konzert eigenständig und ohne Hilfe ihres Lehrers vorbereitet und durchgeführt.

„Das war wie eine ,Werkstatt‘ für die Schülerinnen und Schüler, denn sie haben die vielen notwendigen Dinge für einen Konzert-Abend selbst zusammengebaut“, sagt Lehrer Markus Wagener und ergänzt: „Das ist, was man sich von einem jungen Erwachsenen in der Jahrgangsstufe 13 im besten Falle wünscht.“ Damit hätten die Abiturienten bewiesen, was sie gelernt haben und was kompetenzorientierter Unterricht ausmacht. Es entstand in der gut gefüllten Kulturhalle trotz aufwendiger Technik eine Art heimelige Klassenzimmer-Atmosphäre jenseits der sonst üblichen, von Perfektion geprägten Konzert-Atmosphäre.

Praxis statt Klausur

Statt einer schriftlichen Klausur im Leistungskurs Musik haben die Prüflinge hessenweit als erster Jahrgang jeweils eine praktische Aufgabe gestellt bekommen und diese fantastisch und durch individuell unterschiedliche Stärken bewältigt. So unterschiedlich die Stärken der einzelnen Schülerinnen und Schüler, so facettenreich die Ergebnisse. Besonders hervorzuheben ist, dass alle Kursmitglieder sich gegenseitig unterstützten und so mit viel Können, Engagement und Herzblut ein kurzweiliges, gut neunzigminütiges Programm präsentierten. Die Leistungsbereitschaft und der Mut der Schülerinnen und Schüler sind in hohem Maße lobenswert.

Jeder der Akteure präsentierte seine anspruchsvolle Aufgabe und erklärte die überaus komplexe Herangehensweise­ und die Schwierigkeiten, die es zu bewältigen galt. Während Lisa Strieder mit ihrem Flötenspiel zarte Soloklänge hören ließ und dabei die Unterschiede zweier dicht aufeinanderfolgender Musikepochen erklärte, wurde Janina Mohr auf der Klarinette von Matthias Müller gefühlvoll am Flügel begleitet, um dann souverän unterschiedliche kompositorische Stilmittel aufzuzeigen.

Florian Jungmann hat anhand von Fotos aus den Pariser Katakomben ein faszinierendes bildmalerisches Klavierstück komponiert und wurde dabei von Julia Kopp mit der Klarinette begleitet. Maximilian Schneider hat einen fetzigen Rocksong komponiert und führte diesen mit seiner Band „Blackout“ auf, er selbst bewies dabei seine Qualitäten als Schlagzeuger.

Christian Freyer und Tobias Schindhelm wagten sich an die Aufgabe heran, eine „Sprech-Fuge“ zu schreiben, indem sie die Titelseite einer „Bild“-Zeitung in rhythmische Sprachelemente umwandelten. Sie trugen diese dreistimmige Fuge mit dem ganzen Kurs vor.

Natalie Röse sang unter der effektvoll einfachen Begleitung ihrer Schwester mit einem Cajon und Fabian Buschmann an der Gitarre drei knackige Songs und arbeitete die Wirkung der Gesangsstimme auf die Stimmung im Lied heraus. Philipp Sander betrieb den größten Aufwand: Er arrangierte das Stück „Ghost Love Score“ der finnischen Band „Nightwish“ für Orchester, Band, Chor und Gesangs-Solisten lediglich anhand eines Lead-Sheats (Arrangement mit Melodie, Text und Akkorden) und einer Tonaufnahme. Eigens für dieses eine Stück waren das Jugendsinfonieorchester der Edertalschule und der Chor an diesem Abend nochmals zusammengekommen,­ um das beeindruckende Arrangement - einstudiert und dirigiert von Sander - zu präsentieren.

Vier Akkorde reichen aus

Nicht zu den fachpraktischen Prüfungen, aber definitiv perfekt zum Abend passte ein Beitrag von Christian Freyer, Tobias Schindhelm, Natalie Röse und Tarek Schellberger, bei dem sich mit lediglich vier Klavierakkorden eine unglaubliche Anzahl von gängigen Rock- und Popsongs begleiten ließ (der sogenannte Four-Chord-Song), wie zum Beispiel „Forever young“, „Pokerface“, „No woman no cry“, „Time to say goodbye“, „Take on me“, „Let it be“ oder „Nossa“.

„Alle Prüflinge haben sich durch jahrelanges Üben ein Können angeeignet und dieses Können mit Wissen verbunden, um die Aufgaben bewältigen zu können“, erklärte Markus Wagener. Das Publikum war begeistert von der entspannten Atmosphäre und der beeindruckenden Darbietung.

Von Dorothea Wagener

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