Psychiatrie als Keimzelle für hessische Heilpädagogische Einrichtungen

Erfolgsmodell aus Haina besteht seit 25 Jahren

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25 Jahre Heilpädagogische Einrichtung HPE Vitos Haina Thielemann Forsthaus

Haina (Kloster) - Für Menschen mit geistigen Behinderungen war die Welt vor 25 Jahren noch eine ganz andere: Sie waren auf großen Krankenstationen untergebracht, pädagogische Förderung spielte keine oder nur eine sehr kleine Rolle. Seither ist viel passiert - auch dank des damaligen Psychiatrischen Krankenhauses Haina (PKH).

Eigentlich sollten die fünf Heilpädagogischen Einrichtungen (HPE) des Landeswohlfahrtsverbandes in Hessen nur vorübergehend existieren: Sie hatten die Zielsetzung, geistig behinderte Patienten aus psychiatrischen Krankenhäusern so weit zu fördern, dass sie in ihre Heimatgemeinden zurückkehren können - ein hehres Ziel, das nur in Ausnahmefällen funktioniert hat. Aus der geplanten Übergangslösung wurde deshalb eine dauerhafte Einrichtung, die seit 25 Jahren besteht.

Die HPEs in Hessen sind so spezialisiert, dass ihre Daseinsberechtigung nicht mehr angezweifelt wird. Doch vor ihrer Gründung gab es für ihr Klientel keine angemessene Betreuung: Menschen mit geistigen Behinderungen und teils schweren sozialen Störungen lebten in ihren Familien, andere in Wohnheimen. Die meisten wurden in Psychiatrien untergebracht - allerdings war das mehr eine Aufbewahrung aus Alternativlosigkeit, weil Verwandte oder Behinderten-Einrichtungen überfordert waren.

„Die geistig Behinderten galten damals als Krankenhaus-Behandlungsfälle“, erläutert Werner Thielemann, der Pädagogische Leiter der HPE in Haina. „Damals ging es nur um die Pflege und Gesunderhaltung. Man sprach ihnen die Bildungsfähigkeit ab.“ Erst in den Achtzigern kamen erste Pädagogen und Therapeuten hinzu. Ab Mitte der Achtziger Jahre wurde es das Ziel des Landeswohlfahrtsverbandes und besonders der damaligen Landesdirektorin Irmgard Gaert­ner-Fichtner, die Enthospitalisierung und Förderung der Menschen mit geistigen Behinderungen voranzutreiben. Doch es dauerte bis 1989, bis der rechtliche Rahmen geschaffen wurde und der LWV hessenweit fünf Heilpädagogische Einrichtungen gründete.

Der Plan des LWV ging auf - zumindest teilweise: Durch die pädagogischen Konzepte, die gezielte Förderung, kleinere Gruppen und geschultes Personal entwickelten sich zahlreiche Bewohner positiv. Die Zahl der HPE-Klienten in Haina sank von 150 auf 120. Andererseits kamen von anderen Seiten neue Bewohner hinzu: Alle fünf HPEs entwickelten sich schnell zu überregionalen Einrichtungen, die auch aus anderen Heimen und Psychiatrien Patienten aufnahmen, die dort fehl am Platz gewesen waren. „Manche unserer Bewohner sind bis zum 18. Lebensjahr durch die Hölle gegangen und finden hier zum ersten Mal eine langfristige Lebensperspektive“, sagt Thielemann.

(Von Andrea Pauly)

Den ausführlichen Bericht lesen Sie in der gedruckten Ausgabe von WLZ und FZ am Donnerstag, 4. September.

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