Dieter Posch in Battenberg

"Erfolgsregion Nordhessen" im Aufwind

+
„Das hätte sich vor 20 Jahren niemand träumen lassen“, sagte Wirtschaftsminister Dieter Posch in Battenberg über die Leistungsfähigkeit der nordhessischen Unternehmen.

Battenberg - Weniger Arbeitslose als im Landesschnitt, dafür mehr sozialversicherungspflichtige Jobs - eine „überproportionale positive Entwicklung“ hat Dieter Posch Nord- und Mittelhessen bescheinigt. Dennoch stehe die Region vor gewaltigen Aufgaben.

Ein Lob kommt immer gut an; ein Lob, das mit Zahlen unterfüttert und belegt ist, gleich doppelt. Vor den Mitgliedern der Frankenberger Industriemeistervereinigung (IMV) war der Hessischer Minister für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung, Dieter Posch, voll der Anerkennung für den Norden des Landes. Als er 1999 zum ersten Mal Wirtschaftsminister wurde, „hätte niemand für möglich gehalten, dass wir einmal stolz darauf sind, was sich hier entwickelt hat“, sagt er. Er wolle sich dies nicht auf die Fahne schreiben - die Qualität des Standortes sei Ergebnis der Bemühungen von Unternehmen „und den Menschen, die hier leben und arbeiten“.

Ganz ohne Lob für die Politik der vergangenen Dekade in Hessen ging es dann allerdings doch nicht. Die habe zwar „nur eine Dienstleistungsfunktion“ für die Unternehmen, mache ihre Sache nach Analyse des Ministers allerdings offenbar ganz gut: Er selbst habe den Bau der Autobahn von Kassel nach Eisenach beschleunigt. Dass sich der Bundesverkehrsminister eindeutig zum Weiterbau der Autobahn 49 bekannt habe, sei auch mit dem intensiven Bemühen aus Wiesbaden zu begründen. „Wir sind stolz, das auf den Weg gebracht zu haben“, sagte Dieter Posch.

Kampf um Bundesstraße

Schließlich die Bundesstraße 252: „Wir haben mit dem Bundeswirtschaftsministerium intensiv gekämpft, dass die Strecke prioritär in den Inves-titions-Rahmenplan aufgenommen wird“, und dies schließlich auch erreicht. „Rund 200 Millionen Euro wurden in den vergangenen zehn Jahren für Ortsumgehungen eingesetzt und insgesamt rund 280 Mil-lionen Euro in den Landesstraßenbau in Nordhessen investiert. 504 Millionen Euro Zuwendungen hat das Land seit 2002 den Kommunen in Nordhessen für deren Investitionen in die Infrastruktur im Straßenbau wie im Nahverkehr zur Verfügung gestellt“, fasste er zusammen, wie viel Geld das Land in die Region investiert hat.

Dies alles diene den Unternehmen - für den wirtschaftlichen Erfolg des ländlichen Nord- und Mittelhessen seien diese verantwortlich: „Dieser Erfolg hängt von Risikobereitschaft, Kreativität und Einsatz ab“, sagte Posch. In Nordhessen habe ein Mentalitätswechsel stattgefunden, der auch die Zusammenarbeit über Landkreisgrenzen hinweg verbessert habe.

All dies habe spür- und messbare Folgen: Während die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Jobs in der Zeit von 2000 bis 2010 hessenweit um 0,2 Prozent gestiegen sei, seien es im Bezirk der IHK Kassel 2,3 Prozent gewesen. „Die Beschäftigungsquote in Nordhessen ist so hoch wie nie zuvor, fast 80 Prozent der Arbeitnehmer sind in Vollzeit beschäftigt“, lobte er die mittelständisch geprägte Wirtschaft der Region.

Auch die Zahl der Arbeitslosen sei übermäßig stark gesunken: in der Zeit von 2000 bis 2011 in Nordhessen um 38 Prozent - deutschlandweit um lediglich 17 Prozent. Dass dies auch mit dem demografischen Wandel zu tun haben könnte, sagte er nicht - dieses Thema sprach er erst an, als er auf die großen Aufgaben zu sprechen kam, die vor der Region liegen.

Innovation durch Bildung

Es müsse gelingen, junge Menschen durch Bildung in die Lage zu versetzen, in den modernen und innovativen hessischen Unternehmen zu arbeiten. „Nur gut ausgebildete Leute sind in der Lage, die Unternehmen voranzubringen“ - in einer globalisierten Welt laut Posch unerlässlich. In diesem Zusammenhang verteidigte der Wirtschaftsminister auch den heftig umstrittenen Hochschulpakt.

Das Binden junger Menschen an ihre Heimat wirke zudem dem Wandel in Demografie entgegen. „Wir werden älter, weniger, bunter“, sagte Posch. Metropolregionen wie das Rhein-Main-Gebiet hätten einen besonderen Sog, gerade auf die gut ausgebildete Jugend. „Wir müssen an die Bekämpfung des demografischen Wandels in Nordhessen denken“ - besonders die Erreichbarkeit sei wichtig, womit Posch wieder bei der Infrastruktur angelangt war.

Infrastruktur schließe nicht nur Straßen ein, sondern auch das Internet. „Das ist für Unternehmen eine Grundvoraussetzung“, auch um Menschen in die Region zu locken. Dass sich fünf nordhessische Landkreise und die Stadt Kassel zusammengetan haben, um den Glasfaserausbau voranzutreiben, sei ein Novum und ein Beleg für die gute Zusammenarbeit von Städten und Gemeinden zugunsten der Wirtschaft.

Wünsche an den Minister

Kritik und Wünsche richtete Klaus Gantner, Vorsitzender des Arbeitskreises der Wirtschaft für Kommunalfragen (AFK) an den Wirtschaftsminister. „Die Situation an der Bundesstraße 252 nach 22 Uhr ist unerträglich“, bemängelte er. Für Wirtschaft und Bevölkerung hätten die Blitzer keinerlei Vorteile - allein die Kommunen würden profitieren. „Und da die Kraftfahrer ausweichen und über Rosenthal und Bracht nach Marburg fahren, wird eine Landesstraße de facto zur Bundesstraße gemacht“, sagte Gantner, „das kann so nicht gewollt sein“.

Deutlich auch sein Wunsch nach einer Bundesstraße von Frankenberg nach Erndtebrück, denn „es herrscht Freude über den Ausbau der Sackpfeife, doch das ist im weitesten Sinne eine Erhaltung“ - eine richtige Bundesstraße müsse in diesem Bereich geschaffen werden. Eine leistungsfähige Infrastruktur sei nötig, das merke er - als Personalleiter der Viessmann-Werke - regelmäßig, wenn Bewerber die „gefühlte Immobilität“ bemängelten. Einen letzten, fast schon persönlichen Wunsch richtete Gantner an den Minister: „Ich würde das gerne über Jahre mit ihnen erarbeiten“.

Kommentare