Gemischte Gefühle über Rückkehr in Tarife bei Verantwortlichen im Frankenberger Kreiskrankenhaus

Erleichterung, Erwartungen und Sorgen

Dunkle Wolken oder ein Lichtblick über dem Kreiskrankenhaus? Die Interpretationen über die Rückkehr in die Tarifverträge für Ärzte und den Öffentlichen Dienst gehen durchaus auseinander.Fotos: Malte Glotz

Frankenberg - Die nicht ärztlichen Mitarbeiter am Frankenberger Kreiskrankenhaus freuen sich über die Rückkehr in den Tarif, die Ärzte blicken mit Skepsis auf die Umsetzung der Vereinbarungen und der Geschäftsführer mit einigen Sorgen in die Zukunft.

Christian Jostes spricht von einem „gewagten Schritt“. Der Geschäftsführer des Frankenberger Kreiskrankenhauses beurteilt die Rückkehr der Ärzte und der nicht ärztlichen Mitarbeiter in die Tarife TVÄ und TVöD (FZ berichtete) nicht unkritisch. „Das Krankenhaus kommt aus wirtschaftlich kritischen Zeiten“, erinnert er an die vergangenen Jahre, als gar eine Privatisierung zur Diskussion stand. „Die Situation ist jetzt besser, aber nicht so stabil, dass so eine Entwicklung nicht unkritisch zu sehen ist.“ Gleichwohl, erklärt er, könne er die Freude der Mitarbeiter nachvollziehen.

Die ist groß, zumindest bei jenen, die nach dem Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes bezahlt werden. 600 Euro Einmalzahlung wurden bereits ausgezahlt, die sogenannte Servicegesellschaft, in die neue Mitarbeiter zu deutlich schlechteren Konditionen eingestellt wurden, soll rückwirkend zum 1. Januar 2012 aufgelöst werden. Die Mitarbeiter werden im aktuellen Tarif direkt am Kreiskrankenhaus weiterbeschäftigt und kommen so in den Genuss aller Vorteile einer regulären tariflichen Bindung. Für die kehrt das Krankenhaus zudem in den Arbeitgeber-Verband zurück.

Verzichten müssen die Arbeitnehmer aber auf Teile ihres Weihnachtsgelds, wie verdi-Sekretär Frank Lange erklärt: „Wir haben die wirtschaftliche Situation berücksichtigt.“ Der Verzicht sei ein Teil der Zukunftssicherung – und werde außer Kraft gesetzt, wenn das Kreiskrankenhaus deutlich schwarze Zahlen schreibe. „Es war wichtig, einen soliden Tarifvertrag zu bekommen und wir sind froh, dass das hier gelungen ist“, urteilt Lange und fügt an: „In Korbach steht das noch aus.“

Gespannt auf die Umsetzung

Bei den Ärzten, die bislang nach einem mehr als acht Jahre alten Tarif bezahlt wurden, ist die Gefühlslage etwas differenzierter, sagt Carola Duddek. Sie war als Ärztin und Mitglied des Marburger Bundes an den Verhandlungen beteiligt – und weiß, dass ihre vereinbarte Einmalzahlung noch nicht ausgezahlt wurde. „Die Kollegen warten zudem gespannt, wie sie in den neuen Tarifvertrag überführt werden“, sagt sie. Sie hoffe, dass Oberärzte tariflich auch Oberärzte, Fachärzte Fachärzte blieben – weitere Verhandlungen seien notwendig. Für das Krankenhaus ist all dies nicht günstig. Auch wenn Jostes sich nicht auf exakte Zahlen festlegen möchte, gibt er Schätzungen bekannt. Die Einmalzahlungen für die rund 500 Beschäftigten schlagen demnach mit knapp 250000 Euro zu Buche. Hinzu kämen jährlich etwa 100000 Euro für die ärztlichen Beschäftigten und für dieselbe Gruppe weitere 100?000 Euro nach der nächsten, bereits festgelegten Tariferhöhung um 2,9 Prozent.

Bei den nicht ärztlichen Beschäftigten schlage die Übernahme in den aktuell gültigen Tarif mit etwa 200?000 Euro jährlich zu Buche – abgefedert durch den dreijährigen, teilweisen Weihnachtsgeld-Verzicht in etwa derselben Höhe. Klar ist laut Jostes, dass das Krankenhaus seine Einnahmen steigern muss: „Wir werden uns alle deutlich mehr anstrengen müssen.“ Zudem stünden kleinere Umstrukturierungen an, etwa durch die Neubesetzung der Stelle des scheidenden Ärztlichen Direktors Dr. Harald Schmid durch zwei Mediziner. Trotz dieser Unwägbarkeiten ist der Betriebsrat erleichtert über den Weg, den Gewerkschaften und Geschäftsführung eingeschlagen haben. Der Vorsitzende Uwe Patzer ist froh, dass die Belegschaft – wie andere öffentlich Bedienstete auch – künftig wieder an der normalen Lohnentwicklung teilhaben: „Die Mitarbeiter haben es sich verdient und wir sind froh, dass wir das erreicht haben.“

Von Malte Glotz

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