Frankenberg

Ernst Hutter: „Die Egerländer Musikanten swingen"

- Frankenberg. Um die Gemeinsamkeiten von Swing und Polka, die Wahrnehmung des Genres Volksmusik und das aktuelle Programm der „Egerländer Musikanten“ ging es im WLZ-FZ-Redaktionsgespräch mit Ernst Hutter.

Die böhmische Blasmusik wie Ernst Mosch sie geprägt hat ist aus den Musikvereinen auch in der hiesigen Region nicht wegzudenken. Doch abseits der Kapellen: Ist die Blasmusik als solche nicht ein verstaubtes Auslaufmodell? Ernst Hutter schmunzelt. Er ist gut aufgelegt – und lässt sich nicht provozieren. „Für das Image sind doch Sie verantwortlich“, spielt der Vollblutmusiker den Ball zurück.

Und wie hat sich die Geschichte des Stefan Mross auf die Wahnehmung des Genres Volksmusik ausgewirkt? „Das war sicherlich schädlich“, sagt Hutter. Schuld trage die Musikindustrie, deren „Produkt“ Mross sei. Der Trompeter habe zwar Talent, spiele aber nicht auf professionellem Niveau.

Genau an diesem Punkt unterscheiden sich die „Egerländer Musikanten“ vom Gros der volkstümlichen Musikszene. In dem Ensemble spielen ausschließlich Instrumentalisten, die eine Musikhochschule besucht haben. Außerdem haben die „Egerländer“ in der Regel eine feste Anstellung in einem Orchester oder einer Big Band. „Egerländer Musikanten“ – das ist eine starke Marke, die für hohe musikalische Qualität steht und dem Image der Volksmusik-Branche gut tut.

An seiner Musiker-Karriere hat Ernst Hutter im Grunde von Kindesbeinen an gearbeitet – wenngleich beim Musizieren immer der Spaß im Vordergrund gestanden habe und bis heute stehe, betont der Posaunist und Tenorhornspieler. Die Musikalität wurde Hutter quasi in die Wiege gelegt: Seine Eltern spielen Blasinstrumente und auch seine Brüder machen Musik. Hausmusik bei den Hutters – da durften böhmische Walzer und Polkas nie fehlen. Die Musik der „Egerländer Musikanten“ hat Hutter seit jeher begeistert.Kein Wunder also, dass sich der Posaunist noch genau an einen ganz bestimmtem Telefonanruf im Jahr 1985 erinnert: Hutter hatte nach seinem Studium an der Stuttgarter Musikhochschule gerade seine erste Stelle als Stadtkapellmeister in Herrenberg angetreten, da engagierte ihn Ernst Mosch für die „Egerländer Musikanten“. „Damit ist für mich ein Traum in Erfüllung gegangen“, sagt Hutter.

Doch nicht nur die böhmische Blasmusik hat es dem Posaunisten angetan. Er setzt auf Vielseitigkeit, wovon sein zweites musikalisches Standbein zeugt: Seit 1987 ist Hutter Posaunist bei der SWR-Big-Band. Swing und Polka – wie passt das zusammen? „Die Egerländer swingen“, sagt Hutter freudestrahlend, als hätte er auf diese Frage die ganze Zeit sehnsüchtig gewartet.

Hutter presst die Lippen zusammen und erzeugt einen Ton. Es klingt ein wenig wie ein kleines Kind, das die Motorengeräusche eines Autos nachzuahmen versucht. Doch schließlich wird aus dem Ton Musik: Hutter zeigt auf, wie verschiedene Akzentuierungen funktionieren und was unterschiedliche Phrasierungen bewirken. Unterm Strich konstatiert er: „Die Musik der Egerländer ist genau wie der Swing zum Tanzen gemacht.“ Der Unterschied liege lediglich in der rhythmischen Interpretation der Achtelnoten. Doch ob die nun „ternär“ oder „binär“ verstanden werden, wie Hutter mit beinahe wissenschaftlichem Anspruch erklärt: Worauf es ankomme sei die Exaktheit.

Hutters Besuch in der FZ-Redaktion bringt später das komplette Verlagshaus zum Klingen: Als er auf seiner Marching Bone – eine Art Tenor-Trompete – einige Töne in den Raum schickt, herrscht an allen Arbeitsplätzen im Büro andächtige Stille. Und dann geht für den Hatzfelder Tenorhornisten Sebastian Schmitt ein Traum in Erfüllung: Er darf gemeinsam mit dem Chef der „Egerländer“ einige Melodien spielen. Das Ergebnis kann sich sehen und hören lassen und ist deswegen auf einem Video verewigt auf dieser Internetseite zu betrachten.

Wer noch mehr Ernst Hutter und vor allen Dingen auch seine „Egerländer Musikanten“ erleben will, sollte nicht deren Gastspiele in der Region verpassen: Am 8. Januar gibt es ein Konzert in der Stadthalle in Kassel. Das Gastspiel am 28. Februar in Marburg ist bereits so gut wie ausverkauft.

Das Motto der aktuellen Tournee heißt genau wie die neue CD „Ohne Grenzen“. Im Programm haben die „Egerländer“ einige neue Titel wie etwa die Polkas „Ohne Liebe geht es nicht“ und „Im Wäldchen“ oder die Walzer „Vergiss die Heimat nicht“ und „Moldauspaziergang“. Hutter betont allerdings: „Die Klassiker dürfen bei keinem Konzert fehlen.“ Damit meint er beliebte Titel wie zum Beispiel „Gablonzer Perlen“, „Wir sind Kinder von der Eger“ oder „Bis bald auf Wiederseh'n“.

Für die WLZ-FZ-Leser hat Ernst Hutter fünf großformatige Poster der „Egerländer“ handsigniert. Wer eines der Plakate gewinnen will, schreibt eine Postkarte mit dem Stiwchwort „Ernst Hutter“ an die FZ, Jahnstraße 18, 35066 Frankenberg. Bitte Telefonnummer angeben.

Ein Video gibt es hier:

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