Gericht in Frankfurt

Erst geliebt, dann ausgenutzt

Frankenberg - Mehr als 31000 Euro hat sich ein 39-Jähriger erschwindelt, indem er einer Frau Liebe und eine schwere Krankheit vorgaukelte. Für gewerbsmäßigen Betrug wurde er gestern zu zwei Jahren Haft verurteilt.

Über eine Internetplattform lernte der verheiratete Frankfurter eine Frau kennen. Er sprach von Liebe, traf sich einige Male mit ihr – und verschwand dann von der Bildfläche. Kontakt gab es nur noch über das Internet und per SMS. Der Angeklagte erzählte der Frau, er sei sehr krank. Mehrere angebliche Krankenhausaufenthalte und Operationen folgten.

Die 39-Jährige, die mit ihrem Sohn ebenfalls in Frankfurt wohnt, erzählte gestern vor dem Frankenberger Amtsgericht, dass die glaubte, die Lebensgefährtin des Angeklagten gewesen zu sein. Denn obwohl sie ihn nicht mehr zu Gesicht bekam, erhielt sie weiterhin liebevolle SMS. „Du gibst mir die Kraft wieder am Leben teilzuhaben. Ich liebe dich!“, soll in einer der Kurznachrichten gestanden haben. Es folgten weitere – mit Geldforderungen, um angebliche Behandlungen bezahlen zu können. Es fing im April 2011 mit 300 Euro für Behandlungen an, dann erbettelte der Angeklagte 5000 Euro und später schrieb er von einer zweiten Handynummer als angebliche Therapeutin und bat um rund 7000 Euro: Man habe ein neues Herz für den 39-Jährigen bestellt und müsse nun die teuren Behandlungen finanzieren. Zahle die Frankfurterin nicht, müsse der angebliche Freund sterben. Bis in den September erschummelte der Angeklagte sich auf diese Weise mehr als 31000 Euro von der Frau, die sich für seine Partnerin hielt.

Der Frankfurterin hatte der 39-Jährige im Januar schon erzählt, er sei geschieden. Bis Juli 2011 lebte er aber noch mit seiner Ehefrau zusammen. Dort verabschiedete er sich mit einem kleinen Koffer, weil er behauptete, er müsse auf Geschäftsreise – und zog nach Frankenberg zu seiner 20-jährigen Freundin, die er ebenfalls über das Internet kennen gelernt hatte. Noch am selben Tag verlobten die beiden sich. Der Frankfurterin gaukelte er weiterhin eine Liebesbeziehung vor, um an Geld zu kommen und seiner Ehefrau, die dachte er sei beruflich in Frankenberg, bat er nach deren Aussage, die Ehe als Wochenendbeziehung weiterführen zu können. Über einen Interneteintrag der neuen Freundin fand die Ehefrau schließlich heraus, dass ihr Mann sich verlobt hatte.

„Ich habe Mist gebaut und bereue das sehr“, sagte der Angeklagte gestern vor Gericht. Den Großteil des erschwindelten Geldes habe er für Schulden ausgegeben. Wie seine Freundin erzählte, bezahlte er auch einen Teil ihres Führerscheins, kaufte Möbel für die gemeinsame Wohnung und zahlte ihre Schulden bei einem Handyanbieter. Ein gemeinsamer Teneriffa-Urlaub wurde auch von dem Geld bezahlt.

„Ich habe sie anfangs wirklich geliebt, dann aber kalte Füße bekommen“, erklärte der Angeklagte. Dann habe er sie ausgenutzt, um seine eigenen finanziellen Schwierigkeiten in den Griff zu bekommen.

Nach dem ersten Verhandlungstag im März, bei der der Angeklagte nicht verurteilt wurde, weil Richterin Andrea Hülshorst die nicht als Zeuginnen geladenen Frauen hören wollte, hatte der 39-Jährige 50 Euro an die betrogene Frankfurterin überwiesen. „Ich will sehen, wie ich es wieder gut machen kann“, erklärte er. Er betonte auch, dass seine jetzige Lebensgefährtin nichts von den Betrügereien gewusst habe – auch wenn die erschwindelten Gelder auf deren Konto eingegangen seien.

„Er hat mir erzählt, dass eine Frau aus Frankfurt ihm noch Geld schuldet und das abbezahlt“, erzählt die Frankenbergerin. Über die seltsamen Verwendungszwecke, wie „Herzbehandlung“ und den Namen ihres Freundes, habe sie sich nicht gewundert. „Er hat mir gesagt, dass sie das wegen Versicherung oder so schreibt und ich habe nicht weiter nachgefragt.“ Letztlich war es aber die 20-Jährige, die sich mit der Anmeldung ihres Freundes bei der Internetplattform angemeldet hat, über die der 39-Jährige mit der betrogenen Frankfurterin schrieb. „Ich habe mich für ihn ausgegeben.“ So nahm sie Kontakt zu der verliebten Frau auf und erfuhr von dem Geld. Auf ihr Betreiben hin traf das Paar sich im vergangenen November mit der Frankfurterin, um ihr schriftlich die Rückzahlung der erschwindelten Gelder zu versichern.

Aufgeflogen ist der Betrug kurz vor dem Treffen: Wie eine Kriminaloberkommissarin gestern vor Gericht aussagte, äußerte die Bank der 20-Jährigen bei der Polizei einen Verdacht wegen Geldwäsche – weil es ungewöhnlich gewesen sei, dass mehrere höhere Beträge auf ihr Konto eingingen. Bei der folgenden Hausdurchsuchung habe der Angeklagte sofort gesagt, dass seine Lebensgefährtin nichts damit zu tun habe und dies sein Geld sei.

Verurteilt wurde der 39-Jährige gestern wegen gewerbsmäßigen Betrugs zu zwei Jahren Haft. Richterin Andrea Hülshorst setzte die Strafe zu fünf Jahren auf Bewährung aus. Zusätzlich muss der derzeit arbeitslose Angeklagte monatlich Geld an die Frankfurterin überweisen und 250 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. „Ich habe lange mit mit gerungen, ob ich die Strafe zur Bewährung aussetze“, sagte Hülshorst. Es seien drei leichtgläubige Frauen gewesen, die der Angeklagte ausgenutzt hatte. „Das war teilweise schon an der Grenze zur Erpressung.“ Aber wenn er im Gefängnis sei, helfe man der Geschädigten nicht, wieder an ihr Geld zu kommen.

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