Eon-Konzern verkauft Anteile der Eon Mitte AG

EWF ist an Erweiterung interessiert

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Der Eon-Konzern verkauft seine Anteile an der Eon Mitte AG. Vorkaufsrecht haben die übrigen Anteilseigner – zu denen auch der Landkreis Waldeck-Frankenberg zählt. Foto: Thorsten Richter

Waldeck-Frankenberg - Der Eon-Mutterkonzern trennt sich von seinen Anteilen an der Eon Mitte AG, die als Stromversorger in der Region tätig ist. Vor allem ihr Konkurrent, die Energie Waldeck-Frankenberg, veranlasst das zu Gedankenspielen.

Waldeck-Frankenberg. Der Eon-Konzern bietet seine Anteile an der Eon-Mitte-AG in Höhe von 73,3 Prozent zum Kauf an. Die übrigen Anteilseigner haben ein Vorkaufsrecht. Dabei handelt es sich um die Stadt Göttingen und elf Landkreise, darunter Waldeck-Frankenberg mit einem Anteil von bisher 0,3Prozent.

Landrat Dr. Reinhard Kubat bestätigte auf Nachfrage ein grundsätzliches Interesse an einer Erhöhung der Eon-Anteile – nicht nur in Waldeck-Frankenberg, sondern in allen elf beteiligten hessischen und thüringischen Landkreisen und der Stadt Göttingen. „Das haben wir vor längerer Zeit schon besprochen“, berichtete Kubat. „Die Kommunalisierung steht auf der Agenda.“ Auch mit Eon hätten bereits Gespräche stattgefunden. Darin wurde sondiert, ob die Anteile der kommunalen Hand erhöht werden könnten. Ein Ergebnis nannte Kubat nicht: „Das wird man ?sehen.“ Noch in dieser Woche ist ein Treffen der betroffenen Landräte mit Eon angesetzt, zu dem Robert Fischbach, Präsident des Hessischen Landkreistages und Vorsitzender des Kommunalausschusses bei Eon Mitte, eingeladen hat. Als ersten Schritt streben die Anteilseigner eine Wertermittlung an. Zum finanziellen Rahmen könne er deshalb noch keine Angaben machen, sagte Kubat: „Das sind alles reine Mutmaßungen“. Sicher sei nur, dass die Gesamtsumme der Eon-Anteile, die mehr als 73 Prozent der Eon-Mitte-AG ausmachen, mehrere Hundert Millionen Euro betrage. Derzeit hat der Landkreis Waldeck-Frankenberg 0,3Prozent der Eon-Mitte-Anteile. Wie viel nötig wäre, um theoretisch die komplette Stromversorgung kommunal zu übernehmen, konnte Kubat nicht sagen. Wie viel Geld der Landkreis für weitere Anteile an der Eon Mitte AG ausgeben könne, sei ebenfalls offen. „Man wird sehen müssen, ob wir eine Lösung finden und auch die Genehmigung bekommen“, betonte Kubat. Denn durch den Schutzschirm muss der Landkreis Regeln einhalten und Ausgaben einsparen. „Das müssen wir prüfen und schauen, ob ein Partner mit ins Boot genommen werden könnte und wenn ja, wer dafür in Frage kommt.“

Sobald die Pläne des Eon- Konzerns bekannt wurden, sprachen sich die beiden EWF-Aufsichtsratsmitglieder Harald Plünnecke und Reinhard Kahl (beide SPD) bereits deutlich für eine Vergrößerung der Energie Waldeck-Frankenberg GmbH (EWF) als kommunaler Anbieter aus (wir berichteten). Geht es nach ihnen, sollte die EWF durch Tausch und Erweiterung auch die bislang von der Eon versorgten Kommunen künftig mit Strom versorgen.

EWF-Geschäftsführer Stefan Schaller sieht im Kauf von weiteren Eon-Mitte-Anteilen ebenfalls eine große Chance - „wenn man das geschickt nutzt“, sagte er auf Nachfrage von WLZ-FZ. „Ich sehe das positiv. Aber wie man das politisch und finanziell hinbekommt, muss man sehen.“ In jedem Fall sei die EWF Teil des Prozesses: „Wir sind da nicht außen vor“.

Um den Anteil des Landkreises an Eon Mitte auszubauen, sei ein tragfähiges finanzielles Konzept notwendig. „Das muss der Landkreis im Rahmen eines Verbundes machen“, sagte Schaller. Nicht zu vergessen sei, dass es in Waldeck-Frankenberg auch noch andere leistungsfähige Energieversorger gebe.

Damit spielte Stefan Schaller auf die Energiegesellschaft Frankenberg (EGF) an. Der lokale Energieversorger hat zwei Gesellschafter: Die Eon Mitte AG, die 40 Prozent hält, und die Stadt Frankenberg über die Stadtwerke GmbH, die mit den restlichen 60 Prozent die Mehrheit der Anteile hat.

Jens Dippel, kaufmännischer Leiter und Prokurist der EGF und der Stadtwerke GmbH, sieht dem geplanten Verkauf der Eon-Mitte-Anteile „sehr gelassen“ entgegen. Schließlich vollziehe sich der Wechsel nicht auf der Ebene der EGF. „Die Eon Mitte AG bleibt unser Gesellschafter. Es ändern sich nur die Anteilseigner der Eon Mitte AG“. Nur in dem Fall, dass „die neue Eon Mitte“ gegen eine Beteiligung an der EGF sei, könne sich etwas ändern.

Auf die Endkunden hätten die Verkaufspläne keine Auswirkungen, sagte Dippel: „Die Preise legen wir fest“. Und mit der Stadt Frankenberg als Mehrheitseigner werde das auch so bleiben. Auch eine mögliche Übernahme weiterer Eon-Anteile durch den Landkreis - und damit den Mehrheitseigner der EWF - sieht Dippel gelassen: „Auch da kommt es darauf an, mit welchem Prozentsatz sie beteiligt sind und ob sie das geschäftliche Vorgehen bestimmen können.“ Vorerst seien solche Überlegungen aber „ein Blick in die Glaskugel“.

Auch Schaller ist vorsichtig, was eine mögliche Einbringung in die EGF angeht: „Wir können Frankenberg nicht einfach etwas überstülpen“, sagte der EWF-Chef.

Dasselbe gilt für die anderen von der Eon Mitte AG mit Strom versorgten Kommunen im Landkreis. Erst in den vergangenen Monaten haben die Kommunen die Konzessionsverträge unterschrieben - einige bleiben bei Eon Mitte. Dabei handele es sich um gültige Verträge nach demokratischen Entscheidungen, die die Parlamente getroffen haben, weiß auch Schaller. „Die Kommunen haben das gewollt. Dass man die jetzt überleitet, kann man nicht so einfach machen“, sagt der EWF-Geschäftsführer. „Wir stehen noch ganz am Anfang des Prozesses.“

Dennoch gibt er zu, darüber nachzudenken, ob und wie die EWF flächendeckender Energieversorger im Landkreis werden könnte. „Es wäre fahrlässig, in dieser Situation nicht so zu denken“, betont Schaller, „aber das geht nur mit der Politik“. Die entscheidende Frage sei, was die EWF anbieten könne. „Wir müssen Überzeugungsarbeit leisten. Da geht es nicht allein ums Geld. Das könnten andere Investoren auch bieten.“ Allerdings werde er bei diesem Thema nicht allein vorpreschen. „Wir sind am Grübeln, aber das wird nicht die EWF allein sein.“ Dabei werde auch die Thüga aus München mitreden.

Von Andrea Pauly

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