Flashmob gegen Sperrstunde

Facebook ist größer als die Realität - Video

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Mit kreativen Plakaten und guter Laune demonstrierten die Jugendlichen auf dem Obermarkt gegen die verlängerte Sperrstunde.

Frankenberg - Sie haben Plakate gemalt, sie haben getanzt, sie haben ihre Meinung laut gesagt - und doch bleibt ein schaler Nachgeschmack: Viel weniger Menschen als erwartet interessierte die Demo gegen die Sperrzeit.

Ein Klick bei Facebook, ein unverbindliches „Like“, ist schnell gesetzt: Das Internet kann Massen mobilisieren, das beweist etwa die „Arabellion“ im Nahen Osten. Auf diesen Effekt hatten wohl auch die Organisatoren des „Flashmob“, also der Demo auf dem Obermarkt gehofft. 685 Menschen haben in dem sozialen Netzwerk zugesichert, gestern ab 17 Uhr gegen die Verlängerung der Sperrstunde anzutanzen. Schnell war daraus auf Seiten der Organisatoren die Hoffnung erwachsen, es könnten mehr als 1000 Menschen vor das Stadthaus ziehen. Es wurden - laut Polizeiangaben - ein knappes Viertel.

„Natürlich bin ich jetzt etwas enttäuscht. Wir hatten mehr erwartet“, sagte im Anschluss an die Demonstration Mitorganisator Hendrik Klinge von den Jungsozialisten. Dabei hatten die politischen Jugendgruppen und die Landjugend eine kreative Demo vorbereitet: Um Punkt 17 Uhr stürmten die Jugendlichen den Obermarkt und tanzten sich eine Viertelstunde lang die Wut aus dem Bauch. Danach artikulierten sie ihren Protest.

Christine Möller, Stadtverordnete der Grünen, drückte das Unverständnis der Jugend gegenüber der Entscheidung des Bürgermeisters aus. An das leere Stadthaus gewandt - Heß weilte im Urlaub - fragte sie, ob das Problem, dass durch die Sperrstunden-Verlängerung angegangen werden soll, nicht einfach nur verlagert werde. Sie fragte, ob die Entscheidung nicht die Attraktivität der Region gefährde und ob Heß wünsche, dass die Jugend zum Feiern künftig nach Kassel fährt. Zudem kritisierte Möller, dass das Problem von der falschen Seite angegangen werde: Sie forderte ein schlüssiges Präventionskonzept und bis dahin die Aussetzung der Sperrstunde. An Heß richtete sie ein Angebot der Jugend: „Wir sind dann gerne bereit, Sie zu unterstützen“.

Carolin Hecker aus Geismar, stellvertretende Vorsitzende der Hessischen Landjugend, spielte in ihrer kurzen Rede auf die Familienstadt an: „Unsere Stadt trägt den unglaublichen Titel ‚Familienstadt mit Zukunft‘, aber wo wird hier die Jugend berücksichtigt?“, fragte sie. Sie entwarf ein düsteres Bild der Zukunft im Altkreis Frankenberg: „Die Jugendlichen werden sich hier zu Tode langweilen und so schnell wie möglich wegziehen“. Die Entscheidung des Bürgermeisters werde Lebensqualität und Attraktivität der Region verringern. Hecker rief auch dazu auf, die nächste Stadtverordnetenversammlung am Donnerstag, 18. April, zu besuchen: Dann bringt die SPD eine Resolution gegen die Sperrstunde ein (FZ berichtete). Bleibt abzuwarten, wie viele Jugendliche dem Bürgermeister dann durch ihre Anwesenheit ihr Unbehagen ausdrücken werden.

von Malte Glotz

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