Fachgeschäft für Berufs- und Zunftbekleidung Kickuth schließt

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Ewald-Dieter Kickuth in seinem Geschäft: Aus Altersgründen schließt er heute sein Geschäft in der Bahnhofstraße 4 in Frankenberg

Frankenberg. Ewald-Dieter Kickuth schließt aus Altersgründen zum Monatsende sein Fachgeschäft für Berufs- und Zunftbekleidung in der Bahnhofstraße 4 in Frankenberg. Der jetzt 73-Jährige hat bislang keinen Nachfolger für sein Geschäft gefunden.

Bereits 1910 gab es in der Bahnhofstraße 4 ein großes Bekleidungsgeschäft. Inhaber war der jüdische Kaufmann Jacob Katzenstein. Im Oktober 1930 übergab er sein Geschäft aus Altersgründen an seinen Neffen Jacob Höxter. Dieser führte das Unternehmen unter dem Namen „Jacob Katzenstein – Inhaber Jacob Höxter“ weiter.

Im Jahr 1933 setzte die Judenverfolgung durch die Nazionalsozialisten ein. Die Eheleute Höxter erkannten die Zeichen der Zeit noch rechtzeitig und wanderten nach Amerika aus. Das Wohn- und Geschäftshaus verkauften sie 1938 an die Eheleute Ewald Kickuth. Die alten Katzensteins blieben noch im Haus wohnen, sie konnten sich damals nicht vorstellen, dass ihnen als angesehene Frankenberger Geschäftsleute etwas geschehen könnte. Doch es kam anders.

Ab 1938 mussten sie den Judenstern tragen. Am 30. Juni 1942 wurde ihre Wohnung vom damaligen Bürgermeister beschlagnahmt und die Eheleute zwangsweise in die Synagoge im Scharwinkel 4 umgesetzt. Im August 1942 wurden sie nach Theresienstadt verbracht und sind dort im Konzentrationslager ums Leben gekommen.

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Quelle: HNA

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