Gemünden schließt Verträge mit Frankenberger Energiegesellschaft

Fachleute beraten die Stadtverwaltung

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Gemünden - Der Magistrat will sich mit den Beratungsverträgen mehr Sachkompetenz ins Rathaus holen.

Es geschah im altehrwürdigen Fachwerk-Rathaus, kurz nachdem Bürgermeister Frank Gleim sein neues Amt angetreten hatte: Eine alte Wasserleitung sollte in einer Straße ausgetauscht werden. Geld war im Haushalt schon eingeplant, der Auftrag für die Arbeiten wurde vorbereitet – doch da stellte sich heraus: Das alte Rohr tut‘s noch, die Investition von um die 40.000 Euro war noch gar nicht erforderlich. Für Frank Gleim war es ein „Aha-Erlebnis“.

Mehr solcher Einspareffekte verspricht er sich von der Beratung der Frankenberger Energiegesellschaft in Fragen der Wasserversorgung und der Abwasserbeseitigung – zwei entsprechende Verträge zur Zusammenarbeit unterzeichneten Gleim, der Erste Stadtrat Rainer Thursar und EGF-Geschäftsführer Karl-Heinz Schleiter am Freitag im Rathaus. Mit ihrer Beratung wolle die EGF die Stadt unterstützen, indem sie ihre Infrastruktur zur Verfügung stelle, erläuterte Schleiter. Sie begleite die Gemündener rechtlich und kaufmännisch. So prüfe sie Verträge, sie helfe bei technischen Berichten oder bei Protokollen, nehme mit Fachleuten an Besichtigungen teil oder sie wirke mit beim Abklären, wer welche Aufgaben übernehmen solle.

Bei Reparaturen am Wasserleitungsnetz dürfen die Gemündener zudem auf Ersatzteile aus dem Lager der Frankenberger Partner zurückgreifen. „Wir haben gute Einkaufskonditionen“, sagte Schleiter, außerdem gewähre die EGF der Wohrastadt zusätzlich einen Rabatt. Ein Schwerpunkt der Beratung sei der Energieverbrauch, sagte der Geschäftsführer. Beispiel: An Brunnen oder in Kläranlagen nutzten viele Kommunen aus Sicherheitsgründen groß ausgelegte Pumpen. Viel effektiver arbeiteten jedoch kleinere Pumpen mit einem Drehzahlregler, sie seien viel besser steuerbar. Mit denen habe die EGF in ihren Kläranlagen schon erhebliche Einsparpotentiale erzielt. Dieses Wissen wolle sie in der Beratung weitergeben. Und bei Investitionen könne die EGF die Ingenieurbüros begleiten, fügte Schleiter hinzu. Bei ihrer Beratung berücksichtige sie immer auch die kaufmännischen Aspekte.

Beistand für die Verwaltung

Die Stadt habe eine relativ kleine Verwaltung, sagte Gleim – ein großes Bauamt wie in Frankenberg kann sich Gemünden nicht leisten. Deshalb sei es wichtig, sich „externe Fachkompetenz ins Haus zu holen“. Aber: „Wir bleiben Herr im Hause, es geht nur um die Beratung“, hob der Bürgermeister hervor. So sei die EGF bereits in die Planung der neuen Kläranlage mit eingebunden – die Entwurfsplanung solle noch dieses Jahr fertig werden. Gleim erinnerte auch an das 2010 umgesetzte Projekt, bei der Produktion der Firma Alpla entstehende Wärme als Nahwärme fürs Wasser im städtischen Freibad zu nutzen. „Es ist nur Positives von den Schwimmern zu hören“, sagte Thursar. „Es ist eine Win-Win-Situation“, beschreibt Gleim. Auf ähnliche kostensenkende Effekte hofft die Stadt durch die Beratung auch bei Wasser und Abwasser.

„Fachkompetenter Partner“

Entstanden sei die Diskussion bereits 2010, als es um Energiefragen gegangen sei, sagte Gleim. Die EGF betreue im Auftrag Gemündens seit Jahren Fernwirkanlagen, die Störungen bei der Wasserversorgung der in der Kläranlage melden. Das Beratungsmodell praktiziere die EGF bereits mit den Kommunen Burgwald, Wohratal und Hallenberg. „Für uns ist wichtig, dass wir einen fachkompetenten Partner im Boot haben“, betonte er. Die beiden Verträge „verstetigen die Zusammenarbeit mit der EGF,“ die schon bislang immer eine „gute, sachliche und zielbringende Beratung“ geleistet habe. In der derzeitigen Vertragsvariante sind die ersten fünf Jahre der Beratung kostenfrei, danach zahlt die Stadt – wie die Nachbarn in Wohratal – pro Vertrag eine Jahrespauschale von 1600 Euro. Allerdings bieten die Verträge zahlreiche Erweiterungsmöglichkeiten. So könne die EGF alle Arbeiten bis hin zur Beseitigung von Rohrbrüchen übernehmen, warb Schleiter. In Haina betreibe seine Gesellschaft die komplette Wasserversorgung. Je nach Form der Zusammenarbeit, könnte auch Personal ausgetauscht werden. Aber dazu wären je nach Bedarf neue vertragliche Abmachungen erforderlich. Auch die Stadt hat wie berichtet beschlossen, für 500?000 Euro Anteile an den Frankenberger Stadtwerken zu erwerben. Damit sei sie auch an der EGF beteiligt, erinnerte Gleim – siehe den Kasten. Die Stadt profitiere also, wenn die Dienstleistungen der EGF nachgefragt würden. Und was die Wohrastadt ihr für Leistungen zahlt, bekommt sie über die Überschussbeteiligung an den Stadtwerken zumindest teilweise wieder zurück – noch eine „Win-Win-Situation“ für Gleim.

Außerdem ist die EGF seit dem Abschluss der neuen Konzessionsverträge Partner der Stadt bei der Energielieferung. Angesichts des „guten Geschäftsgebarens“ der Frankenberger sei es selbstverständlich, dass die Stadt auch bei der Beratung mit ihnen zusammenarbeite. Die Stadtverordneten haben den Verträgen bereits zugestimmt. Frank Gleim: „Wir haben ein gutes Einvernehmen.“

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