Auto war mit Quadfahrer zusammengeprallt

Fahrerflucht: 73-Jähriger verurteilt

Frankenberger Land. Zu einer Geldstrafe von 900 Euro hat das Marburger Amtsgericht einen 73-Jährigen aus dem Landkreis Marburg-Biedenkopf wegen Fahrerflucht verurteilt. Er war im April an einem Verkehrsunfall auf der Kreisstraße zwischen Frohnhausen und Wollmar beteiligt, bei dem ein Quadfahrer sich überschlagen hatte.

Letztendlich glaubte das Gericht den Schilderungen des Quadfahrers, zumindest was den Vorwurf des unerlaubten Entfernungs vom Unfallort betrifft. Die Anklage wegen Körperverletzung wurde eingestellt, weil die Schuldfrage an dem Unfall nicht geklärt werden konnte. Dies soll nun das Zivilgericht tun.

Der Quadfahrer, der trotz des schweren Unfalls nur eine Prellung erlitten hatte, sagte aus, der Angeklagte habe ihm beim Abbiegen die Vorfahrt genommen, wobei er beim Zusammenprall bereits mit seinem Auto quer auf der Fahrbahn gewesen sei. Die Spuren vorne am Pkw deuten aber eher darauf, dass es einen Frontalzusammenstoß gegeben hat. Der Angeklagte beteuerte, er habe auf seiner Fahrbahn gestanden, als der entgegenkommende Quadfahrer aufgefahren sei.

Der Quadfahrer berichtete vor Gericht – wie bereits vorher bei der Polizei – der Angeklagte sei zwar nach dem Unfall ausgestiegen, habe aber seine Personalien nicht genannt und sei dann einfach nach Hause gefahren. Dieser beteuerte hingegen, der andere habe darum gebeten, die Polizei außen vor zu lassen, einen Personalien-Austausch habe er nicht gewollt.

Das sei lebensfremd, sagte Richter Thomas Rohner. Schließlich sei an dem Fahrzeug ein Schaden von mehr als 800 Euro entstanden. Gerade wenn es stimme, dass der Quadfahrer schuld gewesen sei, hätte doch der 73-Jährige Interesse an den Daten haben müssen.

Wie dessen Ehefrau aussagte, habe ihr Mann von dem Vorfall zuhause erzählt. Sie seien zum Unfallort zurückgefahren, dort sei aber nichts mehr gewesen. Alsdann habe sie die Versicherung informiert. Zudem habe sie tags drauf bei der Polizei in Marburg angerufen, diese habe sie nach Frankenberg verwiesen, wo ebenfalls nichts von einem Unfall bekannt gewesen sei.

Rohner räumte ein, dass die Polizei, die nach einem Hinweis schließlich drei Tage später bei dem Angeklagten auftauchte, Fehler gemacht habe. Gleichwohl reiche sein Anruf bei der Polizei am Tag nach dem Unfall nicht aus. Die Strafe von 30 Tagessätzen liege im unteren Bereich, so der Richter, denn der Mann sei wohl überfordert gewesen und bisher im Verkehr nicht aufgefallen.

Aber ich habe erhebliche Zweifel, ob Sie überhaupt noch am Straßenverkehr teilnehmen sollten“, sagte der Richter. Er habe den Eindruck, dass der Angeklagte wegen seines Alters dazu wohl nicht mehr in der Lage sei. In jedem Fall kann der Mann frühestens in zehn Monaten wieder einen Führerschein beantragen.

Von Heiko Krause

Quelle: HNA

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