Fall Mirco: Battenberger DNA-Ermittler überführte den Täter

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Den Tätern auf der Spur: Dr. Harald Schneider aus Battenberg leitet beim Landeskriminalamt in Wiesbaden die Abteilung DNA-Analytik. Sein Team hat zuletzt entscheidende Hinweise im „Fall Mirco“ geliefert.

Battenberg. Für die Bild-Zeitung ist er der Mann, der Mircos Mörder überführte. Dr. Harald Schneider selbst spricht von Teamarbeit. Der Molekular-Biologe aus Battenberg hat entscheidend daran mitgewirkt, den Fall um den entführten und getöteten Jungen aus Grefrath zu lösen.

Schneider leitet die DNA-Analytik beim LKA in Wiesbaden. Die DNA-Legende, wie ihn die Boulevardpresse nennt, und seine Abteilung sind so gut im Aufspüren und Auswerten von genetischen Fingerabdrücken, dass sie den Kollegen aus Nordrhein-Westfalen im Fall Mirco die entscheidenden Beweise geliefert haben, um den Täter zu überführen. Über Details im Fall Mirco, der seit Monaten bundesweit für Schlagzeilen sorgt, darf Dr. Harald Schneider nicht sprechen.

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Über seine Arbeit schon. „Unsere Aufgabe ist, Spuren an Tatorten zu finden und auszuwerten.“ Und eines stellt der 49-jährige DNA-Ermittler gleich klar: „Jeder Mensch hinterlässt seine Spuren, zu jeder Zeit an jedem Ort.“ Ein perfektes Verbrechen halte er für ausgeschlossen. „Was heute als perfekt erscheint, kann man in ein paar Jahren aufklären, weil sich die Technik so schnell entwickelt“, sagt der Battenberger, der daran beim LKA in Wiesbaden seit 1991 entscheidend mitwirkt. Straftaten, die man damals noch nicht aufklären konnte, seien heute Routine.

„Es ist dumm zu glauben, man würde nicht erwischt“, sagt der Molekular-Biologe. „Der größte Fehler, den Straftäter machen, ist, überhaupt eine Straftat zu begehen.“ Schneider und sein Team untersuchen alles – vom Einbruch in eine Gartenhütte bis zum Sechsfachmord. Sie haben sich auch auf die Aufklärung alter, hoffnungsloser Fälle spezialisiert. Deshalb werden sie auch – wie jetzt im Fall Mirco – von Kollegen um Hilfe gebeten.

Ihr Geheimnis ist, mikroskopisch kleine, unsichtbare Spuren des Täters zu finden und von unwichtigen, nicht tatrelevanten zu unterscheiden. Die Erfolgsquote ist bemerkenswert. Eigentumsdelikte würden zu über 60 Prozent gelöst, Sexual- und Tötungsdelikte zu 95 Prozent. Die fehlenden fünf Prozent würden später sicher geklärt. „Die Spuren, die wir untersuchen können, werden immer kleiner, die Empfindlichkeit der Methode und die Aussagekraft unserer Ergebnisse steigen“, erklärt Schneider und rechnet vor: Vor zehn Jahren hätte sein Team – derzeit 50 Mitarbeiter – 20 000 Spuren untersucht, im vergangenen Jahr waren es schon 70 000, für das nächste Jahr rechnet der Leiter mit 100 000 Spuren. Die alle auszuwerten, geht nicht mehr per Hand.

Während er uns im Wohnzimmer in Battenberg seine Arbeit erklärt, laufen im Labor in Wiesbaden die Maschinen. Den Kriminaltechnikern geht es aber nicht nur darum, Täter zu finden. Mit ihren Ergebnissen helfen sie auch, Unschuldige zu entlasten. Deshalb nennt es Harald Schneider ein „irres Problem“, wären alle Menschen in einer DNA-Datenbank aufgelistet. „An einem Tatort kann es Spuren von 150 Leuten geben. Die müssten dann alle ein Alibi vorweisen, das wäre Quatsch“, meint der Experte, der sich aber wünscht, dass zumindest alle Straftäter in der europaweiten Datenbank stünden. Bisher sind es nur Wiederholungstäter oder Verbrecher nach Raub-, Sexual- und Tötungsdelikten.

Im Fall Mirco war der Täter nicht in einer solchen Datenbank zu finden. Dr. Schneider ist sicher: „Um Straftaten aufzuklären, gibt es nichts Effizienteres als unsere DNA-Ermittlungen.“ Hessen habe hier eine sensationelle Quote – auch weil viel darin investiert wurde. 250 bis 300 Fälle würde jeder seiner Mitarbeiter pro Jahr lösen. „Es könnten noch mehr sein“, sagt Schneider, der sein Team um zehn Mitarbeiter erweitern möchte. Jede aufgeklärte Straftat sei durchaus eine Genugtuung. „Das ist wie in jedem Job: Wenn man erfolgreich ist, freut man sich darüber. Wir haben aber kein Jagdfieber.“

Von Jörg Paulus

Quelle: HNA

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