Neuschäfer Elektronik hat investiert

"Feinkost" für die deutsche Industrie

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Wilfried (rechts) und Norman Neuschäfer mit Katharina Holzmann, die Produkte des Unternehmens auf mögliche herstellungsbedingte Fehler kontrolliert. Holzmann ist eine von rund 100 Mitarbeitern in zwei Werken.

Frankenberg - Kaum einer kennt ihre Produkte - viele nutzen sie. Ohne Neuschäfer Elektronik wären viele Ideen der deutschen Industrie nicht ohne Weiteres umzusetzen.

Etwas ist anders bei Neuschäfer Elektronik. Und das spürt der Besucher sofort. Das Foyer ist mit Kunst bestückt und wird mit Musik beschallt. So weit, so normal. Doch die Musik begleitet durch das ganze Gebäude, an den Wänden hängen Drucke, Fotos, Malerei – und hinter großen Fenstern stehen Menschen in weißen Kittel und produzieren High-Tech für deutsche Kon-zerne von Weltrang.

Das Unternehmen hat sich nach der Finanzkrise neu erfunden. Rund 7,5 Millionen Euro sind in den vergangenen vier Jahren in den Standort geflossen. „Wir haben unsere gesamte Produktion umgestellt“, sagt Geschäftsführer und Gründer Wilfried Neuschäfer – nicht ohne ein Quäntchen Stolz in der Stimme. Ebenso überzeugt fügt seine Gattin Filo-mena Rios an: „Wir sind in unserem Bereich weltweit die einzigen, die auf den Kundenwunsch derart genau liefern“.

Neuschäfer gründete seine Firma in der Siegener Straße 1983 als Spezialist für Leiterplatten. Die sind auch heute noch Bestandteil des Produktport-folios – nur eben nicht mehr bestimmender Bestandteil. Auf 100000 Quadratmeter entstehen insbesondere Verbindungselemente für Leiterplatten. Und die sind gefragter, je weniger analoge Elemente in den Innovationen der Industrie stecken und desto mehr auf Digitalisierung mit gleichzeitiger hoher Flexibilität gesetzt wird.

Luftfahrt und IT-Technik

Ob in der Medizin oder in der Luftfahrt, ob bei modernen Beleuchtungselementen oder Produkten der IT-Branche: Beinahe überall lassen sich Bestandteile aus Frankenberg finden. „Wir sind ein Feinkostladen für die deutsche Industrie“, sagt Filomena Rios und lacht. Tatsächlich gingen etwa 85 Prozent der bei Neuschäfer hergestellten Waren nicht ins Ausland, sondern blieben im Land. Etwa bei Siemens, Liebherr, Osram. Zugleich setzt auch das Frankenberger Unternehmen wo möglich auf deutsche Maschinen – und zwar auf die neuesten.

„Das ist wie ein Kreislauf“, beginnt Rios zu erläutern: Hochmoderne Technik erlaube hochmoderne Produkte, für die es weltweit nur wenige Konkurrenten gäbe. Die Einnahmen aus diesem hochmodernen Produkten wiederum erlaubten die Anschaffung hochmoderner Maschinen. Ein Innovationskreislauf, mit dem Neuschäfer Elektronik bislang als Gewinner dasteht: Seit 1980 ist das Unternehmen deutlich gewachsen, hat derzeit rund 100 Mitarbeiter, die an den beiden Frankenberger Standorten arbeiten – und will weiter wachsen.

„Wir haben Raum für deut-liche Kapazitätssteigerungen“, erläutert der Firmengründer. Auch das sei Sinn und Zweck der Umstrukturierung gewesen: die Potenziale voll auszunutzen. So sei der Automatisie-rungsgrad deutlich erhöht worden – nicht um Mitarbeiter zu entlassen, sondern um diese sinnvoller einzusetzen.

Beinahe das gesamte erste Werk wurde dafür umgebaut. Produktionsstraßen mit bis zu 40 Metern Länge wurden verlegt, um die sogenannte Fließfertigung zu ermöglichen: Ein Arbeitsschritt beruht bei Neuschäfer auf dem vorigen. Die aufwändigsten Produkte brauchen bis zu 70 Schritte – im Schnitt sind es 30 bis 40. Was zudem benötigt wird: viel Chemie. „Bei uns spielt Umweltschutz eine große Rolle“, sagt Wilfried Neuschäfer und führt in die hauseigene Wasseraufbereitung.

Tonnenweise Chemie

Tank reiht sich an Tank. Das Unternehmen benötige tonnenweise Sonderchemikalien, die nach dem Arbeitsprozess wieder aus dem Was-ser gefiltert werden müssen. „Am Schluss haben wir hier beinahe Mineralwasserqualität“, sagt der Firmeninhaber. Erst dann werde das Abwasser ins städtische Netz gelassen.

Ebenso sorge sich das Unternehmen um seine Mitarbeiter: Die Musik und die Bilder seien nur ein Element eines umfassenden Konzeptes, erklärt Prokuristin Rios. Gelegentlich gäbe es Obst am Arbeitsplatz. Manchmal koche sie für die Belegschaft. Für sie ganz wichtig: „Von jedem Arbeitsplatz geht es schnell ins Freie“. Das ist nicht nur für den Brandfall gut – sondern auch für die Seele, denn die Mitarbeiter stehen dann nicht auf einem Park- oder Lagerplatz, sondern in einem liebevoll gestalteten Garten, der derzeit noch ein wenig im braun-grünen Winterschlaf liegt.

„Es gibt Mitarbeiter, die bringen inzwischen ihre erwachsenen Kinder in das Unternehmen ein“, freut sich die Chefin. Ganz so machen sie und Wilfried Neuschäfer es auch: Der 27-jährige Sohn Norman Neuschäfer leitet das Werk zwei.

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