Hunderte Seiten historisches Material überreicht

400 Feldpostbriefe aus Erstem Weltkrieg in Gemünden aufgetaucht

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Glücklich über den Ausnahmefund: Norbert Otto (links), Vorsitzender des Gemündener Museumsvereins, und Bürgermeister Frank Gleim mit hunderten Briefen und Karten von Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg.

Gemünden. Mit solch einem Fund hätte Otto nicht gerechnet: Bürgermeister Frank Gleim überreichte dem Vorsitzenden des Gemündener Museumsvereins fast 400 Feldpostkarten und -briefe aus dem Ersten Weltkrieg. Sie waren von Gemündener Söhnen und Vätern in die Heimatstadt geschickt worden.

„Als der Bürgermeister sagte, er hätte etwas aus dem Ersten Weltkrieg für das Museum, dachte ich an eine alte Pickelhaube. Aber, das hier ist etwas ganz Tolles. Das wird eine Weile dauern, bis ich da durch bin", sagte Otto. Hunderte Seiten in Sütterlin-Schrift sind zu entziffern.

Der begeisterte Heimathistoriker hat sich gleich daran gemacht. Und dabei fand er schnell die Antwort auf die Frage, warum die Post nicht bei den Familien der Soldaten ankam: Sie war gar nicht an die Familien, sondern an die Stadt gerichtet.

„Es sind zu 99 Prozent Dankesschreiben an den Bürgermeister“, sagte Otto am Sonntag auf HNA-Anfrage. Denn die Stadt hat den Soldaten insbesondere zu Weihnachten Pakete geschickt. „Die meisten Soldaten belassen es bei einem kurzen Gruß, aber in einigen Briefe schildern sie auch persönliche Erlebnisse an der Front.“

Die Mappe mit den fast 400 Feldpostkarten und -briefen hatte eine Gemündener Familie an Bürgermeister Gleim übergeben. Ein Mitglied der Familie hatte den dicken Pappordner wahrscheinlich bei einer der beiden „Säuberungs- und Verbrennungsaktionen“ in den 1970er- und 1980er-Jahren gerettet, als das Dachgeschoss des Rathauses ausgebaut wurde und dafür die dort lagernden alten Unterlagen und Akten erst entsorgt werden mussten.

Mit Hochdruck arbeitet der Vorsitzende des Gemündener Museumsvereins nun daran, einen Teil der Post in die heutige Schrift zu übertragen. Denn sie soll im Museum Bürgertreff präsentiert werden – zusammen mit weiteren Exponaten aus dem Ersten Weltkrieg, darunter auch persönliche Briefe an Angehörige.

Ausstellungseröffnung ist am Mittwoch, 11. Juni, um 19 Uhr. Dazu referiert der Marburger Professor Wilhelm E. Wintergabe über den Ersten Weltkrieg. (kp/mab)

Was in den Briefen steht, lesen Sie in der gedruckten Montagsausgabe der HNA Frankenberger Allgemeine.

Quelle: HNA

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