Kleinste Fachwerkkirche Hessens feiert Geburtstag

Schmuckes Gotteshaus: Die Fachwerkkirche in Lindenhof feiert am Sonntag Geburtstag. Foto: nh

Hatzfeld/Lindenhof. Manches ist schon fast ein bisschen märchenhaft an der kleinsten Fachwerkkirche Hessens in Lindenhof. Das fängt mit der idyllischen Lage an, gilt aber noch mehr ihrer Entstehungsgeschichte. Am Sonntag, 3. Juni, feiert die Kirchengemeinde mit einem Festgottesdienst ab 14.30 Uhr den 20. Jahrestag ihrer Einweihung.

Dabei passt das Gebäude so harmonisch ins Ortsbild des nur rund 120 Einwohner zählenden Weilers Lindenhof, dass man meinen möchte, es sei schon mit dessen Gründung vor mehr als 300 Jahren dort errichtet worden. Doch tatsächlich hatte Lindenhof bis vor 20 Jahren keine Kirche - die Menschen feierten früher in einem Privathaus und seit 1949 in der Schule Gottesdienst, erinnert sich der frühere Dekan Edgar Weigel.

Ein alter Getreidespeicher

Als diese Möglichkeit 1965 mit der Schließung der Schule wegfiel, sehnten sich die Lindenhofer zunehmend nach einer Kirche. Dank des Bezirkskonservators Dr. Michael Neumann konnte der Wunsch Wirklichkeit werden, als eine erhaltenswerte Scheune in Lichtenfels-Neukirchen der Neugestaltung des Ortskerns weichen sollte. Neumann erkannte das Potential des Getreide-Hochspeichers und schlug ihn seinem Freund, dem damaligen Hatzfelder Dekan, Edgar Weigel, als neue Kirche für Lindenhof vor – ergänzt um einen Glockenturm auf dem Dach und zwei Seitenschiffe.

25 Befürworter

Eine Gemeindeversammlung mit Bürgermeister Uwe Ermisch, Michael Neumann und Architekt Peter Dornseif im November 1989 sprach sich mit 25 Befürwortern bei zwei Gegenstimmen für das Projekt aus; der Kirchenvorstand fasste den Beschluss, die 46 Sitzplätze umfassende „größere“ Variante auf den Weg zu bringen. Mehr als 30 000 Mark sammelten die Lindenhöfer und ihre Nachbarn vom Hof Rhoda für die Kirche. Die Stadt stellte kostenlos den Bauplatz zur Verfügung und darf daher die Kirche auch für standesamtliche Trauungen, Gemeindeversammlungen und als Wahllokal nutzen. 1990 wurde geplant, 1991 gebaut und am 10. Mai 1992 konnte dann das kleine Kirchlein eingeweiht werden. Auch die Arbeiten des Kunstmalers Ernst-Peter Rade, der das Chorfenster und den Wetterhahn gestaltet und gestiftet hat, tragen zum Charme der Kirche bei.

Große Beliebtheit

Im Vorjahr hat der Hessische Rundfunk sie nach einer Internet-Umfrage zur zweitschönsten Kirche Hessens gekürt. Seitdem sei das Interesse an dem Gotteshaus gewachsen, berichtet Küsterin Hildegard Irle. Kürzlich seien an einem Tag sogar gleich zwei Reisegruppen gekommen.

Der Festgottesdienst am Sonntag wird unter freiem Himmel gefeiert und musikalisch vom Posaunenchor und der Chorgemeinschaft Hatzfeld mitgestaltet. Anschließend gibt es Kaffee und Kuchen sowie die Möglichkeit, die Kirche zu besichtigen

Besichtigungen: Termine können beim Pfarramt Hatzfeld, 06467/ 320, oder Küsterin Hildegard Irle, 06467/ 446, vereinbart werden. (nh/mam)

Quelle: HNA

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