Allendorf/Hardtberg

Feuerwehren proben zwei Notfälle

- Frankenau-Allendorf (apa). Großübung mit Katastrophenschutzzug, Rotem Kreuz und Technischem Hilfswerk in Allendorf: Während Feuerwehrleute unter Atemschutz in einer verrauchten Scheune nach Vermissten suchen, versucht ein weiteres Team, zwei Eingeklemmte aus einem Auto zu retten.

Seit etwa zwei Jahren gibt es in der Großgemeinde Frankenau einen Katastrophenschutzzug. Zuvor hatten die Feuerwehren mit der Gemeinde Vöhl zusammengearbeitet – doch die Wege zwischen den beiden Gemeinden sind teilweise weit. Zu weit. Am Freitag fand erstmals eine Katas­trophenschutzübung in Frankenau statt: Die Allendorfer Kameraden hatten die öffentliche und angekündigte Übung am Festplatz vorbereitet. Zwei Szenarien zugleich wurden angenommen: Das Heimatmuseum samt Scheune brennt. Zeitgleich ist es zu einem Unfall gekommen, bei dem ein Auto und ein Gabelstapler zusammengestoßen sind. Verletzte sind im Auto eingeklemmt, außerdem liegt unter dem Gabelstapler ein Toter – dargestellt durch eine Puppe. Die Übung hatten Mario Seitz und Hartmut Schäfer als Führer des Katastrophenschutzzugs ausgearbeitet. Um 18 Uhr alarmierte die Leitstelle die Allendorfer Feuerwehr, die sofort die Wehren aus den anderen Stadtteilen nachalarmierte. Innerhalb von zwölf Minuten floss das erste Wasser zur Bekämpfung des „Feuers“ in der Scheune. Die Feuerwehren mussten auf ihr ganzes Ausbildungsspektrum zurückgreifen: Sie mussten zeitgleich die Löschwasserversorgung sicherstellen – was nicht die ganze Zeit reibungslos funktionierte. Indessen drangen Trupps unter Atemschutz in das verrauchte Gebäude vor. Dort galt es, mehrere Vermisste zu finden. Die Übung sollte so realistisch wie möglich sein, deshalb war die Scheune nicht nur mit einer Nebelmaschine völlig verraucht worden, es ertönten auch Schreie aus einem Lautsprecher. Die Verletzten mussten per Trage und über eine Leiter aus dem oberen Stockwerk der Scheune „gerettet“ werden. Auch eine Gasflasche als Gefahrenquelle hatten die Kameraden aus dem Gebäude zu holen. Außerdem mussten weitere Kameraden die „Verletzten“ aus dem Auto schneiden. Sie waren zuvor geschminkt und mithilfe von Kunststoff und Silikon mit blutigen Wunden versehen worden – dem ersten Opfer, das aus der Scheune gerettet wurde, quollen gar die Eingeweide aus dem Bauch, worauf auch Mario Seitz hinwies, der die komplette Übung mit dem Lautsprecher kommentierte. Eine weitere Herausforderung stand zunächst hinten an: Die Kameraden mussten den Gabelstapler anheben – unter einem der Räder lag die „Leiche“. Da schon beim Eintreffen der Feuerwehren festgestellt wurde, dass es sich nicht um einen Verletzten, sondern um einen Toten handelte, hatte die Rettung der im Auto Eingeklemmten Vorrang. Nicht nur die Feuerwehren aus Allendorf, Frankenau, Altenlotheim, Dainrode, Ellershausen und Louisendorf waren vor Ort: Auch das Deutsche Rote Kreuz und das THW aus Frankenberg waren hinzugerufen worden. Die Sanitäter des DRK stellten in Minutenschnelle ein regelrechtes Lazarett bereit und kümmerten sich um die „Verletzten“, die zu ihren aufgeschminkten und angeklebten Wunden nun auch noch Pflaster und Verbände und tröstende Worte erhielten. Das THW rückte mit schwerem Gerät an und holte aus der Scheune Strohballen, die im Falle eines echten Brandes als Glutnester eine Gefahr darstellen könnten. Mitleidige Blicke hatten die Zuschauer vor allem für die Kameraden mit Atemschutz. Sie kamen sichtlich erschöpft und erhitzt aus der Scheune. Und auch die für den Löschangriff eingesetzten Feuerwehrleute waren dankbar für jeden kühlenden Tropfen Löschwasser, der durch die Luft in ihre Gesichter gesprüht wurde. Stadtbrandinspektor Stefan­ Maurer war bei der Übung als Beobachter außen vor: Er schaute sich das Vorgehen seiner Kameraden genau an und zog nach der rund einstündigen Übung eine positive Bilanz: „Es ist alles sehr gut gelaufen, die Zusammenarbeit hat gut geklappt“, sagte Maurer. Die Probleme bei der Wasserversorgung seien vermutlich auf den Hochbehälter zurückzuführen. „Es kann gut sein, dass der im Lauf des Tages schon ziemlich leer war“, mutmaßte der Feuerwehr-Chef. Die Katastrophenschutzübung ist auch dafür gedacht, die Zusammenarbeit mit Institutionen wie DRK und THW zu testen. „Auch das hat sehr gut funktioniert“, sagte Maurer zufrieden. Mehr als 60 Feuerwehrleute, Sanitäter und Ehrenamtliche arbeiteten zusammen. Passive Mitglieder versorgten die Zuschauer mit Getränken und Schnitzelbrötchen. Katastrophenschutzübungen sollten künftig zweimal jährlich in Frankenau stattfinden, kündigte Stefan Maurer an.

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