Neue Bäume im Stadtwald

Fichten weichen Eichen

+
Förster Dirk Hartwich (r.) pflanzt mit Bürgermeister Rüdiger Heß zwei von insgesamt rund 32 000 neuen Laubbäumen am „Vogelhäuschen“.Fotos: Malte Glotz

Frankenberg - Was aussieht wie ein Kahlschlag, soll der Natur und langfristig der Stadtkasse gut tun: In den vergangenen Monaten wurden vier Hektar Fichten- und Kiefernwald am Vogelhäuschen gefällt - Platz für 32000 neue Bäume.

Wenn es um den Wald als Wirtschaftsgut geht, war in den vergangenen Jahren immer wieder von der Douglasie die Rede: Schnell wachsend, robust, gegen den Klimawandel gewappnet und ziemlich genügsam ist sie eine gute Investition. Ganz andere Wege geht jetzt die Stadt Frankenberg. Sie setzt auf einen Baum, der viel mit Mythen und Sagen, sogar mit deutschem Kulturgut zu tun hat, aber zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung wenig mit Profit und Gewinn: die Eiche. Denn aus Sicht eines Investors sind Fichten oder Douglasien eine zumindest halbwegs überschaubare Geldanlage, sind sie doch nach 80 bis 90 Jahren „erntereif“. Die Eichen, zumindest die Prachtexemplare, sollen jedoch erst ab dem Jahr 2254 fallen. In 240 Jahren.

Gepflanzt werden sie derzeit am „Vogelhäuschen“, oberhalb der Burgwaldkaserne. In den vergangenen Monaten war dort reges Treiben zu beobachten. Vier Hektar befreiten Forstarbeiter von alten Fichten, einigen Kiefern – vor allem aber von Holunder, Brombeeren und Ebereschen. „Das war einfach keine gute Qualität“, sagt der neue „Stadtförster“ Dirk Hartwich. Er erklärt, dass der Bestand vor 90 Jahren angelegt worden sei – er sei also eigentlich seit zehn Jahren erntereif. Dennoch hätten die Stämme nicht die ehemals wohl erhoffte Dicke erreicht, die Qualität sei „mittel“. „Das ist hier oben einfach kein idealer Standort“, erklärt der Förster: Jeder Sturm habe den Bestand auf dem Köpfchen zugesetzt, immer wieder sei dann der Borkenkäfer eingedrungen. „Damit konnte man wirtschaftlich nicht mehr viel anfangen“, sagt er. Jedes weitere Jahr hätte weiteren Ertrag gekostet – also wurden vier Hektar von dem Nadelholz befreit. „Nur einen Bestand habe ich stehen lassen, denn der ist echt super“, verweist er auf verbliebenen Fichten direkt am Schießstand. Der Rest wurde klassisch gefällt, Äste, Kronen und dünne Bäume zu Hackschnitzel verarbeitet. Anschließend rückte der Mulcher aus – eine eher rabiate Methode: Er befreite das Gelände bis in etwa 20 Zentimeter Tiefe von Wurzelwerk, Holunder und Brombeere sowie von Gras. „Das ist gut, denn jetzt haben wir auf dieser Fläche kein Mäuse-Problem mehr“, erklärt Hartwich: Die kleinen Nager würden derzeit große Schäden anrichten, seien stark verbreitet. Und der Mulcher würde nebenbei auch noch „einen Super-Dünger für die nächsten fünf Jahre“ produzieren, eine 20 Zentimeter dicke Mulch-Schicht.

Doch um weitere Schäden zu vermeiden, ist mehr nötig als der Einsatz eines Mulchers: ein Zaun. Knapp zwei Kilometer lang, schützt er die Setzlinge in ihren vier Gattern vor dem Fraß durch Rehwild. Die Kosten beziffert Hartwich auf etwa 15000 Euro – bei einer Gesamtinvestition von rund 50000 Euro.

Dass dieses Geld – trotz eher langfristigem Renditeziel – eine gute Investition ist, ist sich Bürgermeister Rüdiger Heß sicher. „Die Stadt muss auch langfristige Themen angehen“, sagt er. Umgesetzt würde ein Beschluss aus dem Wirtschaftsausschuss. Außerdem würde die Stadt auch schon mittelfristig profitieren, wie Hartwich erklärt: Alle fünf Jahre würden dem werdenden Wald Bäume entnommen – und verkauft –, um das ideale Verhältnis von Licht und Schatten zu erhalten. Und das ist wichtig: Denn die Traubeneiche liebt das Licht. „Doch die Eichen verlieren ihre Totäste nur im Schatten“, klagt Hartwich. Und für bestes Holz müssten die Bäume eben auf den untersten zehn Metern möglichst astfrei sein. Um den nötigen Schatten zu garantieren, ist jeder fünfte Baum eine Buche: Sie sind allein dazu da, um die Qualität des Eichenholzes zu maximieren.

Und dieser Einsatz lohnt sich: Ein Festmeter besten Fichtenholzes bringt derzeit auf dem Markt rund 100 Euro – so gut war die Qualität des eingeschlagenen Holzes aber nicht. Die gleiche Menge guten Eichenholzes bringt mindestens das Dreifache. „Der Preis kann aber schon jetzt auch bis auf 1000 Euro steigen“, sagt Hartwich.

Sicher ist allerdings auch, dass nur die wenigsten der 25500 neuen Traubeneichen und 6400 Buchen bis zum Jahre 2254 stehen bleiben: rund 400. Der Rest wird vorher entnommen – wegen Schaden, Windwurf, zur Pflege oder um Raum zu schaffen. Doch so kahl wie derzeit soll es am „Vogelhäuschen“ nie wieder aussehen. „Es wird ein Dauerwald entstehen“, verspricht Hartwich: Bislang habe nämlich keine natürliche Verjüngung stattgefunden. Das soll sich ändern. „Es gibt hier künftig verschiedene Baumarten, Altersklassen und Baumhöhen“, sagt er. Und ergänzt, was für viele womöglich wichtiger ist als alle Gedanken um Erträge: „Ein Wald hat ja nicht nur wirtschaftliche Aspekte, sondern dient auch der Erholung“.

Kommentare