Landkreis ruft das Jugendtaxi ins Leben

Fifty-fifty-Taxi hat einen Nachfolger

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Landrat Reinhard Kubat (rechts) und Frankenaus Bürgermeister Björn Brede (von links) übergeben Carolin Hecker und Melanie Brühl von der hessischen Landjugend die ersten Gutscheine für das Jugendtaxi.Fotos: Patricia Kutsch

Frankenau - Nach langen Partys hat bis vor zwei Jahren das Fifty-fifty-Taxi Jugendliche in der Nacht vergünstigt nach Hause gebracht. Dann schuf der Landkreis es aus Kostengründen ab. An seine Stelle tritt seit heute das Jugendtaxi.

Bedeutete das Fifty-fifty-Taxi Bürokratieaufwand – immerhin mussten Taxifahrer die Fahrten genau aufnehmen, die Jugendlichen unterschreiben – funktioniert das neue Jugendtaxi wesentlich leichter und unkomplizierter. Jeder Jugendliche zwischen 16 und 23 Jahren bekommt laut Jürgen Römer, dem Leiter der Stabsstelle für den ländlichen Raum vom Landkreis jedes Jahr drei Taxigutscheine geschenkt. Die kleinen Zettel haben je einen Wert von fünf Euro und können bisher bei einem Großteil der Taxiunternehmen des Landkreises eingelöst werden.

Papierkram entfällt für die Unternehmen laut Landrat Reinhard Kubat völlig. Sie müssen nur die Gutscheine annehmen und können sie mit der Energie Waldeck-Frankenberg (EWF) abrechnen. Für die Jugendlichen gibt es doch noch etwas Bürokratie: Sie müssen die Gutscheine auf der Verwaltung in ihrer Stadt oder Gemeinde oder direkt bei der EWF abholen und dazu ein Formular ausfüllen. „So haben wir möglichst wenig Aufwand bei der Verteilung und für die Taxifahrer sind keine Kontrollen nötig. Sie müssen nur die Gutscheine annehmen“, erklärt Römer.

„Ich finde die Handhabung des neuen Jugendtaxis viel besser“, erklärt der Landrat. Die Gutscheine könnten nicht nur nachts, sondern rund um die Uhr eingelöst werden. „Es ist zwar nicht furchtbar viel. Aber für eine Heimfahrt können ja auch vier Jugendliche ihre Gutscheine zusammenschmeißen.“ Für dieses Jahr habe der Landkreis 30000 Euro zur Verfügung gestellt. In den nächsten beiden Monaten können also noch 6000 Gutscheine bei den Verwaltungen abgeholt werden.

Laut Kubat hat das neue Gutschein-System noch einen weiteren Vorteil: „Es eröffnet die Möglichkeit zum Sponsoring.“ Firmen etwa könnten solche Gutscheine kaufen und ihren jungen Auszubildenden zum Geburtstag oder zu Weihnachten schenken.

Zu verdanken hat die Waldeck-Frankenberger Jugend das neue gesponsorte Taxisystem der hessischen Landjugend: „Nachdem wir vor zwei Jahren das Fifty-fifty-Taxi eingestellt haben, hat sich die Landjugend mit Nachdruck dafür eingesetzt, dass eine neue Möglichkeit gefunden wird“, sagt Kubat.

Wie Melanie Brühl und Carilon Hecker von der hessischen Landjugend berichten, haben sie Kubat zu einer Busfahrt eingeladen: „Wir haben ihn zu Hause abgeholt und sind mit einer halben Busladung voller Jugendlicher mit öffentlichen Verkehrsmitteln am späten Abend vom Utopia in Geismar bis nach Laisa gefahren.“ So habe der Landrat am eigenen Leib erfahren, wie schwer es ist, in der Nacht in kleine Dörfer oder Stadtteile zu kommen. „Das ist ein erheblicher Nachteil für die ländliche Jugend“, sagt Kubat. Daher habe der Landkreis gemeinsam mit den Jugendlichen nach einer Lösung gesucht und die Idee mit den Gutscheinen entwickelt.

„Ich bin zwar ein bisschen aus dem Alter raus, aber ich hätte mir sowas gewünscht“, sagt Frankenaus Bürgermeister Björn Brede. Deswegen stelle er das Personal seiner Verwaltung gerne zur Verfügung, um ab sofort bei der Verteilung der Gutscheine zu helfen. „Unser Haus ist gerüstet und die Bürgermeister des Landkreises stehen dahinter.“

Kubat betont dabei, dass das Jugendtaxi keine Konkurrenz zum Anruf-Sammeltaxi ist, sondern lediglich eine Ergänzung des Angebots.

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