Beil Open Air Classic 2014

Flirrende Exotik in der Hitze der Nacht

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Gut besucht und durchgehend trocken war das Open-Air auf dem Freigelände des Autohauses Beil. Knapp 1200 Gäste lauschten Tango- und Filmmusik.

Frankenberg - Bombastisch spielen, ohne sich mit zu viel Pomp an das Publikum heran zu schmeißen - das haben Schüler aus Arolsen und Frankenberg am Wochenende geschafft. Das neunte Beil Open Air Classic war ungewohnt leicht und leise. Es war ein Hinhörer, der wie maßgeschneidert zum Wetter passte.

Mit dem „Herrn der Ringe“ lässt sich ein Publikum wohl am leichtesten einfangen. Murmeln und Rascheln verstummen, wenn die eindringliche Melodie erklingt, wenn auf Bremsscheiben eingeschlagen wird, um die Erschaffung der Orks zu vertonen, wenn die liebliche Heimatmelodie des Auenlandes über das Freigelände des Autohauses Beil weht. Es sollte an diesem warmen Samstagabend nicht das einzige Stück mit viel Pomp bleiben. Doch waren beim neunten Beil Open Air Classic die effektreichen, bombastischen Stücke mit Bedacht eingesetzt.

Was die 120 Musiker und 60 Sänger, die Dirigenten Markus Wagener von der Edertalschule, Rainer Böttcher von der Christian-Rauch-Schule und Peter Zelienka vom HR-Sinfonieorchester stattdessen präsentierten, war eine leichte Mischung aus Filmmusik und argentinischer Leidenschaft. Der Abend stand unter der Überschrift „Tango meets Movie“ - und nichts hätte besser gepasst an einem Samstag, der bei mehr als 25 Grad ausklang. Bei früheren Konzerten auf dem Freigelände des Autohauses hatte es auch schon mal geregnet.

Fordernder Derwisch

Einstimmung auf den Tango gaben die Chöre der beiden Schulen mit dem „Criminal Tango“ und „Can you feel the Love tonight?“ aus dem „König der Löwen“. Später hatten die jungen Sänger gemeinsam mit den Orchestern bei einem Medley aus Webbers „Phantom der Oper“ erneut die Chance, ihre enorme Entwicklung zu zeigen. Das Medley war Abschluss des Konzertes und zugleich ein Höhepunkt. Das Dirigat übernahm Peter Zelienka. Der Leiter des HR-Sinfonieorchesters hatte die Schüler in mehreren Seminaren auf ihren Höhepunkt des Jahres vorbereitet - und er forderte am Samstag alles.

Er gab sich als Derwisch, der mit fliegenden Haaren den Taktstock schwang, mit den Händen die Akkorde aus den Instrumenten zu ziehen schien, der schwitzend Leistung einforderte und sie bekam. Spaß, das war sichtbar, hatten nicht nur er, sondern auch die jungen Musiker. Mit Anna-Sophie Kobus kämpfte Zelienka sich meisterlich durch die „Zigeunerweisen“ von Pablo de Sarasate. Hochkonzentriert spielte die Violinistin, die ein Beleg für gute musikalische Förderung ist: Die Abiturientin hatte ihren ersten Kontakt mit dem Instrument vor neun Jahren in der Orchesterklasse der Edertalschule. Weitere Solisten waren Isabell Thamm, ebenfalls Violine, Oboistin Charlotte Fortak und Matthis Wagener als Sänger.

Konzentrierte Leichtigkeit

Leichtigkeit versprühten die wie Improvisationen wirkenden Auftritte des Kasseler Tango-Trios Gunther Fuhr, Diego Jascalevich und Merthold Mayrhofer. Eigens für Orchester hatte Jascalevich den „Milonga del Surubí“ komponiert. Der Argentinier spielte sein Charango mit geschlossenen Augen, fuhr das Bandoneon mit konzentriertem Blick und Mayrhuber den schweren Kontrabass geradezu spielerisch leicht. So war der ganze Abend eine ungewohnte Mischung aus Leichtigkeit und Konzentration - eine Mischung, die nach drei Stunden noch immer Lust machte auf mehr.

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