Carolin Vanity in Frankenberg

Flucht mit den Juwelen

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Möbelpuppen, Kartons voller Dekorationsmaterialien, sogar alte Rechnungsblöcke: Beim Auszug hat Carolin Vanity nur mitgenommen, was zu Geld zu machen ist.

Frankenberg - Und wieder ein Leerstand in der Fußgängerzone. Die Schuld sucht diesmal niemand bei der Einkaufsstadt, der Verkehrsanbindung, dem Pflaster der Fußgängerzone. Sie liegt beim Unternehmen selbst.

Mit Monatsfrist hat die Filiale der bundesweit tätigen Kette Carolin Vanity am Iller-Mones-Platz ihre Pforten geschlossen. Die Firma aus Emsdetten musste Insolvenz anmelden. Vorausgegangen war ein Schlussverkauf, der vielen Frankenberger Damen das eine oder andere Schnäppchen erlaubte.

Ein Schnäppchen war aber wohl auch der Auszug für das Unternehmen: Die Juwelen sind weg, es bleiben Müll und Schrott. Zwei Geschosse hat der Laden, der von Makler Rudolf Jung vermietet wird – rund 150 Quadratmeter Gesamtfläche. Und die steht derzeit voll mit Unrat: Kleider sind keine mehr zu sehen, doch Bügel reiht sich an Bügel. Willenlose Kleiderpuppen stehen in beiden Etagen. Im Untergeschoss stapeln sich die Kartons: Dekomaterialien für Weihnachten, Halloween, den Frühling. Luftballonhalter, Müllsäcke voller undefinierbarer Kleinteile. Sogar alte Belegblöcke, Aktenordner und Lieferscheine fliegen herum – und Jung hat schriftlich vorliegen, dass dem Unternehmen und dem Insolvenzverwalter Michael Mönig aus Münster dies vollkommen egal ist. Dass sich also an der Situation in dem Ladengeschäft nichts ändern wird, wenn Jung nicht selbst anpackt.

„Hier steht der Schuldner besser da als der Gläubiger“, moniert der Frankenberger Immobilienmakler. Denn er weiß: Das deutsche Insolvenzrecht gibt Carolin Vanity Recht. Das Ziel einer Insolvenz nämlich ist es vorrangig, das Unternehmen weiterzuführen – alles andere sind Nebenkriegsschauplätze. Jung darf seine Forderungen also an den Insolvenzverwalter herantragen. Doch da ist er einer von vielen, die Geld ein-fordern.

Wenig ist das nicht: Das Unternehmen hat Jung als Eigentümer bereits acht Monate keine Miete gezahlt. In dieser Zeit lief der Geschäftsbetrieb voll weiter – alle anfallenden Nebenkosten kommen ebenfalls auf den Frankenberger Makler zu. Und nicht zuletzt das Entrümpeln: Höchstens ein sehr ähnlich aufgestelltes Unternehmen könnte einen Teil der Inneneinrichtung noch gebrauchen, sagt Jung – auf dem neuesten Stand ist diese allerdings nicht mehr. So rechnet der Unternehmer mit einer stolzen Summe von etwa 15000 Euro, die er an der Insolvenz des Emsdettener Unternehmens zu tragen hat.

„Ich bin gerne bereit, dieses unternehmerische Risiko zu tragen“, sagt der Makler. Doch sei es eine Frechheit, dass er nach einer mehr als zwölf Jahre andauernden Geschäftsbeziehung zum „Putzlappen“ gemacht werde. Dass die Insolvenz als Kavaliersdelikt angesehen werde, deren Konsequenzen die Gläubiger zu tragen haben.

„Caro“ geht es wieder besser

Denn dem Emsdettener Unternehmen geht es wieder gut: Nur eine Woche nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens ist das Fortbestehen unter dem neuen Namen „Caro“ gesichert. Von ursprünglich 105 Filialen wurden im Rahmen der Insolvenz die 25 am wenigsten rentablen geschlossen – Frankenberg gehörte dazu. Die Eigentümer-Familie Vietmeier führt auch weiterhin die Geschäfte – zu dem Geschäftsführer-Ehepaar Christoph und Carolin Vietmeier ist Tochter Josephin Vietmeier hinzugestoßen. Die Kette, die sich auf Mode für Damen zwischen 35 und 55 Jahren spezialisiert hat, soll etwas jünger und deutlich modischer werden.

Seiner Altlasten hat sich das Unternehmen dafür entledigt – nicht nur in der Frankenberger Filiale. Stellung nehmen zu diesem Vorgehen mochte gegenüber der Frankenberger Zeitung niemand aus der Eigentümer-Familie Vietmeier.

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