Außenstellen haben nicht genug Lebensmittel

Flüchtling aus Gemünden wurde zu anderer Tafel geschickt

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Ehrenamtliche Helfer der Frankenberger Tafel: Ob in Gemünden oder wie hier in Frankenberg – an den Ausgabetagen werden Körbe mit Lebensmitteln gefüllt. Auf dem Bild zu sehen sind die Helfer Kathi Köhler (links) und Sarah Hoffmann.

Gemünden/Frankenberg. Ein afrikanischer Flüchtling, der in Gemünden lebt, hat an der Ausgabestelle der Frankenberger Tafel in Gemünden keine Lebensmittel erhalten und wurde stattdessen an die Zentrale nach Frankenberg verwiesen. Eine HNA-Leserin schilderte unserer Zeitung den Fall.

„Ich habe gesehen, wie er abgewiesen worden ist. Er müsse zur Zentrale des Tafelvereins nach Frankenberg fahren, um dort etwas zu bekommen, wurde ihm zwar freundlich, aber auf Deutsch von den Mitarbeitern in Gemünden erklärt“, berichtet Herta Schlidt. „Der Mann hat die Tafel dann traurig verlassen.“

Herta Schlidt machte sich einige Gedanken. „Hat der Mann überhaupt verstanden, warum er abgewiesen wurde? Muss es ihn nicht verletzt haben, zu sehen, dass andere etwas bekommen und er nicht? Hätte man das Vorhandene nicht aufteilen können?“, fragte sich die Gemündenerin und schickte ihre Gedanken in Form eines Leserbriefs an die HNA.

„Solche Fälle können in unseren Ausgabestellen außerhalb Frankenbergs leider vorkommen“, sagte Ernst-Dieter Mankel, Vorsitzender der Frankenberger Tafel, der HNA auf Nachfrage. Er erklärt, warum das so ist: „An den Ausgabetagen werden für die Außenstellen in Battenberg, Hallenberg und Gemünden Lieferwagen mit festgelegten Mengen an Essenskörben bestückt. Die Autos sind jedes Mal voll bis unter das Dach. Die Menge richtet sich nach den registrierten Empfängern. Es muss nämlich jeder Kunde gemeldet sein, der Lebensmittel von der Tafel haben möchte.“

Wenn laut Mankel jedoch Menschen, die noch nicht registriert sind, in den Außenstellen nach Lebensmitteln fragen, werden diese Kunden in der Regel nach Frankenberg verwiesen. „Dort ist die Zentrale, dort haben wir immer zusätzliche Lebensmittel vorrätig. Es wird bei der Tafel also niemand abgewiesen“, stellt Mankel klar.

In den Außenstellen könne man aber zusätzliche Körbe nicht bereitstellen. „Wir müssten dafür weitere Lieferwagen und weiteres Personal einsetzen. Das würde die Kosten nicht mehr decken. Wir finanzieren uns ja über Spenden“, so Mankel. Und aufteilen könne man die Lebensmittel auch nicht. „Wir können schlecht denjenigen etwas wegnehmen, die ein Anrecht auf die Körbe haben“, sagt der Vorsitzende. „Also versuchen wir den Kunden, wie beispielsweise dem Mann in Gemünden, die Situation so gut es geht verständlich zu machen.“

Mankel kritisiert in diesem Zusammenhang, dass die Kunden vom zuständigen Sozialamt hin und wieder recht schnell an die Tafeln verwiesen würden, ohne dass die Menschen schon eine Berechtigung für den Erhalt von Lebensmitteln haben. „Der Staat ist eigentlich dafür verantwortlich, sich um die Schwächsten der Gesellschaft zu kümmern. Die Tafeln ersetzen also ein Stück weit diese staatliche Verpflichtung.“

Von Philipp Daum 

Wie die Leserbrief-Schreiberin, die die Argumentation des Vorsitzenden letztlich nachvollziehen konnte, die Arbeit der Frankenberger Tafel einschätzt, lesen Sie in der gedruckten Donnerstagsausgabe der HNA Frankenberger Allgemeine

Quelle: HNA

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