Rap trifft auf Punk

Folxpunker geht seine eigenen Wege

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Matthias Richter (links) und Daniel Zettl machen künftig gemeinsame Sache. Der Folxpunker und der Rapper arbeiten an einem gemeinsamen Album – eine ungewohnte Mischung.

Frankenberg. - Rap trifft auf Punk: Matthias Richter von Folxpunk spielt mit Musik und setzt mit Daniel Zettl als Partner auf eine für ihn vollkommen neue Stilrichtung. Ein Album ist schon in Arbeit.

Was ist Musik? Ist Musik nicht mehr als Punk? Mit Fragen wie diesen beschäftigt sich Matthias Richter, wenn er nicht gerade mit seinen Kumpels in Schreufa im Probenraum steht und für die Tour übt, für das nächste Album an Titeln schraubt. „Mit Folxpunk, das ist ja alles schön und gut. Aber ich habe mehr Ideen und mehr Zeit als die anderen“, sagt Matthias Richter. Will heißen: Folxpunk lastet ihn nicht aus. Während seine Mitstreiter die Musik nebenbei betreiben, ist die Arbeit mit Klängen für ihn Lebensunterhalt. Der gelernte Fahrzeugmechatroniker arbeitet bei Marburg Records. Er hat jeden Tag mit Musikern, mit Ton und „Sound“ zu tun. Da sprießen Ideen - Ideen, die er mit Folxpunk nicht immer umsetzen kann.

Deshalb geht Richter jetzt seine eigenen Wege - nebenher, wie er bekräftigt. Folxpunk hat noch immer oberste Priorität. Die Jungs - wenn auch aus privaten Gründen derzeit etwas ungewohnt besetzt - stehen kurz vor ihrer nächsten Tour und bereiten sich intensiv darauf vor, Richter mittendrin. Doch wenn keine Proben anstehen, er im Studio oder daheim etwas Zeit findet, dann kreisen seine Gedanken um neue Musik. „Ich möchte nicht nur in die typische Folxpunk-Schiene hereingedrückt werden“, sagt der Endzwanziger.

Der Erfolg der Band könnte in seinem Fall als Problem bezeichnet werden - auch wenn Richter selbst das so nie sagen würde. Folxpunk ist bekannt, inzwischen sogar über die Region hinaus. Die Fans wissen, was sie an den vier Musikern haben. Und sie wissen, was sie erwartet, wenn ein neues Album ansteht. Das schränkt den kreativen Prozess in jeder Band zumindest ein wenig ein. „Es gibt immer wieder Songs, die ich alleine rausbringen werde. Etwa ‚Trotz alledem‘“, nennt er einen Solotitel. „Das ist ein typischer Folxpunk-Song, den die Jungs nicht wollten.“ Also hat er ihn für sich aufgenommen.

Kennenlernen in der Kneipe

Ganz allein werkelt Matthias Richter allerdings nicht an neuen Stücken. Vor etwa einem Jahr lernte er den Willersdorfer Daniel Zettl kennen - stilecht in einer Kneipe. Auch wenn musikalisch Welten zwischen den beiden Männern liegen: Die Chemie stimmte sofort. Zettl und Richter waren sich von Beginn an sympathisch, ein Rapper und ein Punkrocker. Doch für Richter kam diese Kombination gerade recht - so war er gezwungen, sich vom deutschen Punk zu lösen. „Ich will auch mal klassische Elemente: Klavier, Streicher, Pauken“, sagt Richter. Er setze sich keine Grenzen - deshalb sei Rap mit Punk eine spannende, neue Idee: „Ich möchte die ganze Spannweite ausnutzen können“, sagt Matthias Richter.

Zettl wertet die Zusammenarbeit hingegen als Chance, mit einem in der Region bekannten Musiker zusammenzuarbeiten, selbst etwas für seine musikalische Karriere zu tun. „Wenn ihm etwas nicht gefällt, dann sagt er das einfach und dann wird es umgekrempelt“, lobt er Routinier Richter. Wenn die beiden die ersten eigenen Aufnahmen von Zettl hören, dann lachen sie gemeinsam - und lauschen dann in ihre aktuelle Produktion rein. „Da hat sich vieles getan“, sagt Zettl stolz: Er rappt zu einem Cover von MC Fitti, dem vollbärtigen Spaßrapper aus der Hauptstadt. „Penn‘ in der Bahn“ im Frankenberg-Stil, ein spaßiges und wie das Original eingängiges Vergnügen.

Auf dem Album, an dem die beiden heimischen Künstler arbeiten, soll dieses Cover jedoch nicht landen. „In der kreativen Phase will ich keinen Rap hören, denn ich möchte ja meinen eigenen Stil entwickeln“, erklärt Daniel Zettl sein Ziel. Richter sei der Richtige, um diesem Ziel näherzukommen.

Spaß an der Musik

Der freut sich derweil über die Chance, mit dem unverbrauchten jungen Mann kreativ werden zu können - und übt zugleich eine dezente Kritik an seinen Musiker-Kollegen in der Region. „Es gibt in Frankenberg viele gute Künstler. Leider aber sind einige sehr versteift in das, was sie machen“, sagt er. Was die beiden Herren hingegen angehen, umschreibt Zettl mit einfachen Worten: „Wir haben dieselben Vorstellungen. Die, dass man nicht alles ernst nehmen soll. Dass es auch Spaß macht.“ Gute Musik aus guter Laune heraus, so umschreibt es Richter.

Der hat bewiesen, dass diese Art der Arbeit funktionieren kann. Das schrecklich einfache „I love it“ der schwedischen Elektropopperinnen „Icona Pop“, ein weltweiter Party-Hit aus dem Spätsommer, hat er in eine punkige Version umgeschrieben. Viel mehr als zwei Akkorde bietet das Stückchen kaum - aber es hat ihm Spaß gemacht, dokumentiert im Internet-Video. Darauf aufmerksam wurde der Besitzer eines Punk-Clubs in Hollywood. Als der Richter ein Video zuspielte, auf dem die Amerikaner zu seinem Frankenberger Spaßlied abgingen, war der Musiker erst einmal baff.

Matthias Richter nimmt diese erfreuliche Reaktion, die das Netz mit tausenden Klick wiederholt, als Ansporn. Nicht aber als Maßstab: „Wir wollen nichts versprechen, was nicht wird“, sagt er über das entstehende Album. Darauf wirkt Zettl als Ideengeber, Richter als Musiker und Produzent. „Die Leute sollen uns den Spaß am Arbeiten anmerken - und dass unsere Musik mit Ernst und mit Liebe produziert ist.“

Von Malte Glotz

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