Forensik: Spezialstation soll Risiken begrenzen

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Sicherheitszaun: Mit einer Schleuse ist der Eingang in diesem Bereich der Vitos-Klinik für forensische Psychiatrie in Haina-Kloster gesichert.

Haina-Kloster. Insgesamt sieben psychisch kranke Straftäter hat die Hainaer Vitos-Klinik für forensische Psychiatrie 2013 und 2014 trotz ungünstiger Kriminalprognose entlassen müssen.  „Passiert ist glücklicherweise nichts“, teilte Leiter Dr. Rüdiger Müller-Isberner im Forensikbeirat mit.

Wie berichtet, müssen aufgrund von Gerichtsurteilen Patienten, die schon viele Jahre in der Klinik sind, aus Gründen der Verhältnismäßigkeit entlassen werden, auch wenn die Ärzte sie noch nicht für stabil genug halten. Für sie gilt dann nicht das mehrstufige Konzept, mit dem die Patienten auf das Leben in Freiheit vorbereitet werden.

Um die neue Art der Entlassung psychisch kranker Straftäter zu optimieren, habe die Klinik jetzt eine Spezialstation eingerichtet, berichtete Müller-Isberner, der für einen Großteil des hessischen Maßregelvollzugs zuständig ist.

Das Land habe zusätzliche Stellen genehmigt. In Kooperation mit Polizei, Landeskriminalamt und dem Sicherheitsmanagement Marburg und Gießen - einer Gruppe von Bewährungshelfern, denen pro Person nur 30 statt üblicherweise 80 entlassene Straftäter zugeordnet sind - solle für ein möglichst günstiges Entlassungsumfeld gesorgt werden.

Einbezogen seien auch die Zentralstelle zur Überwachung rückfallgefährdeter Sexualstraftäter und die forensische Ambulanz. „Es besteht kein Grund, in Panik zu verfallen“, betonte der Klinikleiter.

Über den Zeitpunkt der Entlassung entscheide das zuständige Gericht. Die Handhabung sei unterschiedlich, manche Richter kündigten die Entlassung mit Vorlaufzeit an, in einem Fall musste ein Patient aber binnen 16 Stunden entlassen werden, schilderte Susanne Nöcker vom Hessischen Sozialministerium.

Sie versicherte, „dass mit viel Aufwand versucht werde, ein passendes Wohnfeld zu finden. Die Entlassenen müssen aber den Empfehlungen nicht folgen.

Die Forensik hat ein weiteres Problem: Sie wartet dringend auf ein neues Gesetz, dass die Zwangsbehandlung von Patienten in Ausnahmefällen wieder ermöglicht.

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Quelle: HNA

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