Stadt setzt auf "Edersee Touristic"

Frankenau liegt künftig am Edersee

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Raum für Ideen: Frankenauer Gastgeber machen sich Gedanken, wie sie ihre Heimat künftig vermarkten können.Foto: Malte Glotz

Frankenau - Frankenau zieht um: Geht es nach dem Willen der ansässigen Gastgeber, verorten sich Stadt und Stadtteile ab Januar 2014 am Edersee. Das soll dem Tourismus dringend nötige Impulse bringen.

Frankenberg und das obere Edertal setzten auf das Ederbergland. Die Burgwaldkommunen auf das große Waldgebiet in ihrer Mitte. Gemünden zieht es zum Marburger Land. Und Frankenau? Die Stadt im Kellerwald vermarktet sich künftig – einen entsprechenden Beschluss der Stadtverordneten am 11. September vorausgesetzt – unter dem Banner des Edersees. Das Votum war eindeutig: Gastwirte, touristische Leistungsträger, Stadtverordnete, Mitglieder des Vereins „Wir für die Region“ und Bürger sprachen sich am Mittwochabend dafür aus, die „starke Marke“ der Nachbarkommunen Vöhl und Edertal ab dem 1. Januar 2014 ebenfalls zu nutzen – als Juniorpartner der „Edersee Touristic“.

Eine Entscheidung war nötig geworden. Bislang ist Frankenau Mitglied der „Touristischen Arbeitsgemeinschaft Erlebnisregion Edersee“ (TAG). Dort wirbt sie neben Bad Wildungen, Bad Zwesten, Borken, Jesberg, Fritzlar, Lichtenfels und den in der „Edersee Touristic“ vertretenen Nachbarkommunen Vöhl und Edertal. Die TAG hat einen gemeinsamen Vertrag bis zum Ende des Jahres – der soll fortgeschrieben werden. Die Kosten für Frankenau dürften sich dann aber erhöhen: „Bislang erhalten wir und Jesbergeinen Rabatt von 50 Prozent“, erläuterte Bürgermeister Björn Brede im Waldecker Hof. Die Stadt gäbe jährlich etwa 8600 Euro für ihre Mitgliedschaft und die damit verbundenen Leistungen der TAG aus. Er machte aber auch deutlich: Dieser Bonus fällt weg. Künftig müssten die beiden wenig finanzstarken Kommunen Lichtenfels und Frankenau den vollen Betrag zahlen.

Es gäbe zwei Pakete: „Das volle Programm für 25000 Euro und eine abgespeckte Version für 15000 Euro“, sagte Brede, der angesichts dieser Zahlen die Stirn in tiefe Falten legte.

Wenig Geld – volle Leistung

Das günstigere Angebot unterbreitete Claus Günther von der „Edersee Touristic“: 12500 Euro im Jahr möchte er haben für eine Juniorpartnerschaft der Stadt Frankenau in der Gesellschaft. „Sie erhalten damit Zugriff auf unser volles Leistungspaket“, sagte er. Lichtenfels hat bereits zugegriffen. Zwar ist die Stadt nicht Gesellschafter wie Vöhl, Edertal und die Fördergesellschaft Edersee. Dafür sind aber auch die Kosten niedriger: „Wenn sie Gesellschafter werden möchten, dann müsste ich nach der Zwölf noch eine Null einfügen“, sagte Günther und unterband so eine aufkommende Diskussion darum, warum nur eine Juniorpartnerschaft möglich sei – und ob Frankenau mit dieser nicht nur Geld in Werbung für den Edersee stecke, ohne selbst davon zu profitieren.

Das verneinte Günther mit verweis auf das Leistungsspektrum der „Edersee Touristic“ ausdrücklich. Die Gesellschaft ist selbst Mitglied der TAG und kann so auf all deren Leistungen zurückgreifen. Sie soll es auch nach dem Jahreswechsel bleiben, wie auch Bad Wildungen, Edertal, Vöhl und Fritzlar. In Borken, Bad Zwesten und Jesberg stünden entsprechende Entscheidungen noch aus.

Hinzu kämen laut Günther all die Leistungen, die die „Edersee Touristic“ bislang selbst für Vöhl und das Edertal anbietet: Der Besuch von Messen, das Gastgeberverzeichnis, das Erstellen von Flyern, die Präsenz in Print-, Funk- und Online-Medien. Der Geschäftsführerverwies dabei etwa auf ein Gewinnspiel in einem großen Radiosender, das dessen Hörern den Edersee zu Beginn der Sommerferien ständig ins Bewusstsein brachte. Besondere Aufmerksamkeit widmeten die Zuhörer allerdings dem Online-Buchungssystem, dessen Wirkung Claus Günther mit Grafiken und Zahlen darzustellen versuchte.

Online gegen den Trend

Von 2011 auf 2012 habe sich die Zahl der online gebuchten Übernachtungen in den Spitzenmonaten verdreifacht – und seither wiederum fast versiebenfacht: Im Juli und August dieses Jahres lag die Zahl bei jeweils knapp 1500. „Wir haben über dieses System seit Jahresbeginn etwa 100000 Euro Umsatz bei den beteiligten Gastgebern generiert“, sagte Günther. Das aber scheint nur ein Tropfen auf den ziemlich heißen Stein zu sein: In den Kommunen Edertal, Vöhl und Wal­deck etwa sind nach Günthers Zahlen die Übernachtungen von etwa 100000 im Jahre 2010 auf nur noch 80000 im vergangenen Jahr zurückgegangen. In Frankenau sieht die Situation ähnlich aus: Bei gut 28000 Übernachtungen lag die Zahl im Jahr 2012. Zwei Jahre zuvor waren es noch rund 40000 – erfasst sind jeweils nur gewerbliche Betriebe mit mindestens zehn Betten, die ihre Daten melden müssen.

Dass dieser Trend nur durch eine „starke Marke“ aufzuhalten sei, war im Waldecker Hof einhellige Meinung der Gastgeber. Burgwald, Waldeck, Ederbergland – all dies habe wenig mit Frankenau zu tun, beschieden die Besitzer von Gasthäusern, Restaurants, Hotels, Ferienwohnungen. Der Edersee schon eher.

Doch sie machten auch deutlich, dass es mehr bedarf als eines Sees in den Nachbarkommunen. So warb Günther intensiv für das Programm „Meine Card plus“: Kunden beteiligter Betriebe können den öffentlichen Nahverkehr kostenlos nutzen, Museen oder Bäder kostenlos besuchen. Noch bedürfe es mehr beteiligter Gastgeber – dann würden auch weitere Attraktionen ihren Weg auf die Karte finden.

Sein Auftritt scheint Wirkung hinterlassen zu haben – obwohl Claus Günther wiederholt betonte, er sei nicht zum Werben gekommen: Neun touristische Leistungsträger gaben ihr Votum ab. Bei einer Enthaltung stimmten acht für die Juniorpartnerschaft mit der „Edersee Touristic“ – und gaben den Parlamentariern der Stadt Frankenau damit einen klaren Auftrag.

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