Frankenauer halten gefährdete Thüringische Waldziegen

Frankenau. Rund 50 seltene Haustierrassen gibt es in der Arche-Region um Frankenau. In einer neuen Serie stellen wir einige davon vor. Heute geht es um die Thüringischen Waldziegen.

Auf die Ziege ist Heinrich Caspar vor etwa 20 Jahren durch seinen Sohn gekommen. Der wohnt inzwischen nicht mehr zu Hause, die Leidenschaft für die genügsamen Vierbeiner ist allerdings geblieben. Sieben Thüringische Waldziegen nennen Heinrich Caspar und seine Frau Karin ihr Eigen.

„Meine Frau ist mit den Kindern früher oft spazieren gegangen und die Nachbarn hatten Ziegen. Mein Sohn war ein großer Fan und wollte unbedingt auch welche“, erzählt Heinrich Caspar. Irgendwann ließen die Eltern sich erweichen und es wurden zwei Miniziegen angeschafft. Das Interesse der Kinder schwand nach einigen Jahren. Die Begeisterung der Eltern blieb.

Als die Arche Frankenau entstand, waren die Caspars mit Freunden und Bekannten ganz nah dran und erklärten sich sofort bereit, als nach Haltern für die Thüringer Waldziege gesucht werden. „Die ist robust, winterhart und auch einfach schön“, sagt Heinrich Caspar. Dass man mit der Haltung auch zum Erhalt der stark gefährdeten Rasse beitragen könne, sei ein toller Bonus. Und außerdem passten die Ziegen hervorragend zur Ziegenbockstadt Frankenau.

Als erstes zog Anfang 2012 Ziegenbock Hugo ein. Der sollte eigentlich Stammvater werden, ist jedoch unfruchtbar und wurde daher kastriert. Er lebt momentan mit seinem Kumpel Freddy auf einer Weide unweit der Arche des Vereins. Nicht, weil er nicht mit den anderen Fünfen klarkomme, sondern weil dort auch mal abgegrast werden müsse, sagt Caspar. Auf einer anderen Weide mitten in Frankenau steht der Rest der Herde: Fiene, Frieda, Emma, Fanny und Zillus. Dort riecht es dank Zuchtbock Zillus typisch scharf. Die Thüringische Waldziege ist saisonal brünstig und es ist gerade Saison. In dieser Zeit verstärkt der Bock seinen eigenen Geschlechtsgeruch, indem er sich anpinkelt. „Deshalb ist der Bart auch so nass“, sagt Caspar. Angenehmer riecht da die verschmuste Fanny, die im März 2015 geboren wurde. Sie musste gepäppelt werden, da ihre Mutter nach einer sehr schweren Geburt nicht kräftig genug war, das Zicklein allein aufzuziehen.

Es gab wieder Nachwuchs

Auch in diesem Frühjahr gab es wieder Nachwuchs, die beiden Böckchen haben jedoch bereits ein neues Zuhause gefunden. Denn Caspars wollen keine Großzucht werden: „Es soll ein Hobby bleiben. Mehr als zehn bis zwölf Tiere sollen es nicht werden“, sagt Heinrich Caspar. Trotzdem ist das Ehepaar ehrgeizig, der Eintrag ins Herdbuch ist geschafft.

Das nächste Projekt steht schon fest, sagt Karin Caspar: „Wir wollen mal Käse machen. Mal sehen wie das wird.“ Zumindest das Melken dürfte bei den zahmen Ziegen, die ihren Menschen auch ohne Futter folgen, kein Problem sein.

Steckbrief Thüringische Waldziege

Aussehen: Schokobraun bis schwarz ohne Aalstrich, ausgeprägte Gesichtsmaske, behornt oder unbehornt, Stehohren, Beine, Bauch und Spiegel sind weiß

Geschichte: Im 19. Jahrhundert wurden Thüringer Landziegenschläge mit Toggenburger Ziegen gekreuzt. 1935 wurde die Thüringer Waldziege als eigene Rasse anerkannt.

Bestand: 2012 waren im Herdbuch 1616 Ziegen und 168 Böcke eingetragen. 20 Jahre zuvor waren es nur insgesamt 150 Tiere.

Eigenschaften: Robust, genügsam, sehr fruchtbar, winterhart. Milchleistung 700 bis 1000 Kilogramm mit 3.5 Prozent Fett.

Gefährdungsgrad: Kategorie II (stark gefährdet) in der Roten Liste der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen.

Quelle: HNA

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