Der Trecker als natürlicher Feind

Frankenauer züchtet seltene Pferderasse Rheinisch-Deutsches Kaltblut

Frankenau. Rund 50 seltene Haustierrassen gibt es in der Arche-Region Frankenau. In diesem Serienteil geht es um die Rheinisch-Deutschen Kaltblüter von Ralf Finke aus Altenlotheim.

Die Rettung des Rheinisch-Deutschen Kaltblutes war die DDR. Sein Untergang wäre fast der Traktor gewesen. Denn mit dessen Einführung wurde die Arbeit der Tiere immer unwichtiger. Im Westen verschwanden sie fast ganz, im Osten wurde die Pferderasse erfolgreicher weiter gezüchtet. Das erklärt Ralf Finke der auf seinem Arche-Hof in Altenlotheim neun der seltenen Rösser hält.

Ein gutes Team: Ralf Finke und sein Rheinisch-Deutscher Kaltblüter Earl auf der Weide auf dem Mittelberg bei Altenlotheim.

Nachdem die Zucht der Pferderasse zwischen den Weltkriegen boomte, verlor sie mit der Mechanisierung der Landwirtschaft immer weiter an Bedeutung. Finke: „Viele haben ihre Kaltblüter abgegeben und dafür die erste Traktor-Rate bezahlt. So war das bei uns auch, hat mir mein Großvater erzählt.“ Ab den Fünfzigern seien die für die schwere Feld- und Forstarbeit gezüchteten Tiere immer weniger gebraucht worden und zunehmend verschwunden.

Dass die Rasse im Westen überhaupt überlebte, verdankt sie laut Finke Idealisten, die Erhaltungszucht betrieben. „Denn viel Geld lässt sich mit der Zucht da wirklich nicht verdienen“, sagt Finke. Besser sei es der Rasse in der DDR ergangen, wo sie in größerem Stile gezüchtet worden sei: „Für die Land- und Forstwirtschaft auch in anderen Ostblockstaaten, für die kleinen Landwirte und auch als Fleischlieferant“. Die Wiedervereinigung sei ein Segen für die Zucht gewesen.

Kurz nach der Wende zog dann auch der Erste der Kaltblüter bei Finke ein. Der kommt aus einer pferdenärrischen Familie und „Kaltblüter haben mich schon immer fasziniert“. Zuchtstute Nele sorgt dafür, dass die Herde weiterwächst und ist dabei noch erfolgreich auf Leistungsschauen. „Letztes Jahr wurde sie in Bad Arolsen zur Elitestute gekürt und sie war auch schon Hessische Vertreterin ihrer Rasse auf der Bundeskaltblutschau“, sagt Finke und der Stolz schwingt deutlich in seiner Stimme mit.

Vielseitige Arbeitstiere

Aber es ist nicht nur die Liebhaberei und Zucht, die Finke dazu bringt, die Kaltblüter zu halten. Die Pferde auf seinem Hof sind vielseitige Arbeitstiere, die im Natur- und Nationalpark ihre Pflicht tun. Sie helfen bei der Wiesenpflege, etwa beim Abschleppen, ziehen Touristen auf dem Planwagen durch die malerische Landschaft und Pflegen den Wald in dem sie Holz rücken. Überfordern tut das die Tiere nicht. „Sie sind ruhig, ausgeglichen und gelehrsam“, sagt Finke. „Die lernst du einmal an und dann können die das und machen auch am Beginn der neuen Saison im März keine Mucken.“ Davon hat Herdenchef Paul scheinbar noch nicht so viel gehört. Der versucht nämlich wenig später auf der Weide, erst einmal an der Reporter-Kamera zu knabbern.

Quelle: HNA

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